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LINZ/ Ursulinenkirche: CONCERT SPIRITUEL ZUR TODESSTUNDE JESU

04.04.2026 | Konzert/Liederabende

Concert Spirituel zur Todesstunde Jesu am Karfreitag, 3.4.2026

Seit 40 Jahren wird in der Usulinenkirche Linz jeweils am Karfreitag um 14 Uhr zur Todesstunde Jesu ein musikalisches Gedenken veranstaltet. Eine beliebte Einrichtung, die bei den Gläubigern schon zur Tradition wurde und auch diesmal die Ursulinenkirche Linz bis auf den letzten Platz füllte. Weniger als Konzert will diese Andacht verstanden wissen, als vielmehr eine „geistliche Stunde“, wie Lektor Schlagnitweit in der Begrüßung ausführte. Betrachtet man jedoch die Qualität der musikalischen Beiträge, so ist das Gedenken wohl als ein Konzert in hochwertiger Form einzustufen. Lediglich der Applaus ist ausgespart, verlassen die Gäste den Raum in andächtiger Stille, tief bewegt von der traurigsten Zeit zum Höhepunkt des Kirchenjahres. Für die Programmwahl bietet sich eine Fülle an passenden Werken an, vornehmlich aus dem Bereich der Alten Musik und hier wieder von Vertretern aus der Barockzeit. Übrigens scheint man verstärkt auf Überraschungen zu setzen, was auch diesmal treffend gelungen ist. Alessandro Scarlatti (1660-1725), Vater und Lehrer des Domenico Scarlatti (1685-1757), Vertreter der neapolitanischen Schule, erlebten die Entwicklung barocker Formen und führten sie zur Vollendung eines typischen Opernstils der damaligen Zeit. Hauptsächlich Alessandro erlangte mit seinen 100 Opern und 600 Kantaten Bedeutung auf diesem Gebiet und gelangt deswegen gerne zu Aufführungen. Sein erstes Concerto grosso f-moll für Streichquartett und Cembalo und sein späteres szenenstarkes „Stabat Mater“ für Sopran, Alt, Violinen und Continuo waren bereichernde Erlebnisse von virtuosen Passagen oder Da-capo-Arien opernhafter Stilmerkmale. Scarlatti hatte den liturgischen Text aus dem 13. Jahrhundert dreimal vertont, von denen die letzte Version heute als verloren gilt. Formal vielfältig, chromatisch frei und ausdrucksmäßig flexibel stellt die Musik Ansprüche, die von den beiden Sängerinnen der Aufführung restlos erfüllt wurden. Es waren dies Ilia Staple im Sopran und Fiona Mantovan im Alt, allein oder im Duett selten so homogen zusammengeführte Stimmen, deren Timbre und Tessitura nicht besser hätten wirksam werden können. Das Enamora Quartett mit dem Cembalo (Yoko Takahashi) setzte dazu die passenden Klangfarben, Christian Schmidbauer am Pult und nicht zuletzt die Architektur der Kirche versetzten insgesamt in die richtige Trauerstimmung der Todesstunde Jesu.

 Georgina Szeless
Kulturjournalistin

 

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