Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

LINZ/ „Tribüne“: „I – MEIN ICH IST EIN DU“ – Uraufführung. Eine Solo-Doppelconference von und mit Matthias Schloßgangl, Musik: Andreas Neubauer; Regie: Andrea Schramek

19.09.2026 | Theater

Linz: „I – MEIN ICH IST EIN DU“ – Uraufführung in der Tribüne Linz, Eisenhandstraße, 18. 09.2026

Eine Solo-Doppelconference von und mit Matthias Schloßgangl, Musik: Andreas Neubauer; Regie: Andrea Schramek

schlo
Matthias Schloßgangl. Copyright: Reinhard Winkler

„Jetzt bin i wirklich neugierig, wer stärker is, i oder i!“ (auch: „…wer recht hat, i oder i!“).1849 legte Johann Nestroy einer Figur in „Judith und Holofernes“ diese Frage aller Fragen in den Mund. Sie lässt sich auf verschiedenste Themen draufsetzen – von innerlich Zerrissenen bis zu Solo-Tennisspielen (unvergesslich Max Hopp in Oscar Straus‘ „Eine Frau, die weiß, was sie will“ unter Barrie Kosky).

tri2
Copyright: Reinhard Winkler

Der Schauspieler und Sprachtrainer Matthias Schloßgangl hat sich dieser Schizophrenie, die auch die Stabilsten befallen kann, in einem Solo-Dialog angenommen. Er ging von (s)einer Jugend in proletarischer Umgebung, mit aber gleichzeitiger höherer Schulbildung, aus und leitete davon seine zwei Persönlichkeiten ab: Franz, der Proletarier, mitunter auch Prolet, und Karl, der Intellektuelle, Wohlerzogene. Die beiden finden (und kommentieren) sich in unterschiedlichsten Situationen immer wieder – sei es im Umgang mit dem anderen Geschlecht oder dem Gendern, etwa beim tragikomischen speed-dating, dann in einem tiefenentspannenden (oder doch nicht?) Hotel am Attersee, sei es im Wirtshaus rund um das Problem, ob und welche Beilagen zum Schnitzel der Kellner zu bringen gewillt ist. Was sich natürlich jeweils ziemlich rasch, aber durchaus logisch, zu existenziellen Fragen und Konflikten zuspitzt.

Freilich – der Mensch geht selten bis zur letzten Konsequenz, sondern biegt irgendwo in einen überlebenstauglichen Kompromiss ab, und darin liegt auch die Komödie, die Schloßgangl (trotz der unvermeidlichen Mundlhaftigkeit des Franz) fein, unterhaltsam und mit dramaturgischem Rhythmusgefühl geschrieben und gespielt hat, in Letzterem unterstützt und begleitet von Andrea Schramek.

trib1
Copyright: Reinhard Winkler

Ganz allein mußte der doppelte Solist aber nicht Bühne und Publikum unter Spannung halten: Andreas Neubauer unterstützte ihn am keyboard mit eigenen und zitierenden Einwürfen und Musikstücken: von Mahlers Adagietto aus der 5. Symphonie bis zu Meders und Fellners „Kellergass’n“, und ein saftiger Blues auf der Mundharmonika findet auch seinen richtigen Moment. Auch im Gesangsduett und – für die gewaltige Textmenge selten – als Souffleur ist der Musiker im Einsatz.

Heiterkeit der philosophischen Art, nicht der oberflächlichen, durchzieht den 75 Minuten langen und damit doch kurzen, bei aller Emotionalität selbstredend perfekt artikulierten Abend.

trib3
Copyright: Reinhard Winkler

schlo2
Schlussapplaus mit Matthias Schloßgangl, Andrea Schramek und Andreas Neubauer. Foto: Petra und Helmut Huber

Begeisterter Applaus der etwa 90 Personen, die im ausverkauften kleinen Theater nahe des Linzer Hauptmarktes Platz finden.

Weitere Aufführungstermine sind der nächste Samstag 26. 9. und Donnerstag 22. 10. 2026

Petra und Helmut Huber

 

Diese Seite drucken