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LINZ/ Stadtpfarrkirche: Dantes Frauen auf Besuch bei der Spätromantik Ein gewagter aber gelungener Eingriff in die Weltliteratur

29.05.2026 | Konzert/Liederabende

Dantes Frauen auf Besuch bei der Spätromantik

Ein gewagter aber gelungener Eingriff in die Weltliteratur am 28.5.2026

Schade, dass so viele leer gebliebene Bankreihen in der Stadtpfarrkirche Linz nur stumme Zeugen sein konnten. Dante Alighieri veranstaltete dort einen exquisiten und wohl auch exklusiven Abend zu Ehren seines Titelgebers mit dem Spezialthema „Dantes Frauen“ aus dessen „Göttlicher Komödie“. Eine in deutscher Sprache vorgetragene Lesung, begleitet von Orgelmusik, ausgeführt von fachspezifischen Interpreten, deren Beziehung zu Linz durch ihre Leidenschaft fühlbar wurde. Enrico Corden, italienischer Flötist, Forscher und Lehrer, derzeit Doktorand und Assistent an der Bruckneruni, übernahm den Textvortrag von der Kanzel aus und besorgte auch die inhaltliche Einführung in die ausgewählten Kapitel V und III (Hölle, Fegefeuer, Paradies) aus Dantes Dichtung. Sein künstlerisch-wissenschaftliches Forschungsprojekt beinhaltet zudem das Studium historischer Schauspieltechniken mit instrumentaler Aufführungspraxis. Dass Coden für einschlägige Ensembles, wie etwa Michi Gaiggs L’Orfeo Barockorchester, ein begehrenswerter Musizierpartner ist, war nicht zu überhören. Drei Frauenschicksale Dantes galt es nachzuempfinden. Die emotionalen Momente von Francesca, Pia und Piccarda  taugten allemal zum Aufleben von Dantes Erzählkunst von Verführung, Tragik bis zum Himmel, mag auch die Übertragung in eine poetisch-spätromantische Version nicht ganz an das Original heranreichen.

Wesentliche Impulse zu dem Experiment des Abends trug Ugo Sforza als Mitgestalter auf der spätromantischen Brucknerorgel bei. Ebenfalls unter dem Einfluss seiner Vorbilder an der Bruckneruni groß geworden, erwies sich der aus Bari stammende Organist als ein Meister der Improvisation. Wie könnte es anders sein an jenem ehrwürdigen Platz dort, wo einst Bruckner gespielt hat ? An Sforzas bravouröser Technik begeisterte auch sein Ideenreichtum und die Fantasie harmonisch weitreichender Verwandlungskunst. Spannend, wie er die Register zog. Wild aufbrausend seine Akkordfolgen, erschütternd seine Düsternis in leisen  Klängen oder dann wieder sein totales Ergriffensein im Plenorausch. Und stilistisch alles der Atmosphäre einer Annäherung zum spätromantischen Flair in der Lesung angepasst, so türmte sich die Musik zur Sprache oder die Sprache zur Musik auf in einem außergewöhnlichen Konzert, dessen großartige Stimmung in dieser Intensität kaum oft zu erleben sein wird.

 Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

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