Linz: „SIMONE KOPMAJER & TRIO“ – Privatkonzert in Linz, 20. 01. 2023

Fotos © Nik Fleischmann Home – Fotostudio Nik Fleischmann in Linz (foto-fleischmann.at)
Mit:
Simone Kopmajer, Gesang
Paul Urbanek, Klavier
Karl Sayer, Kontrabass
Reinhardt Winkler, Schlagzeug
In einem geräumigen Anwesen am Stadtrand von Linz hat ein guter Freund gut 20 Personen zu einem Konzert, dem ersten in diesem Haus, geladen. Es steht ein Steinway-Flügel zur Verfügung und eine herausragende HiFi-Anlage, an der sich auch ein Konzert-Mischpult anschließen läßt (für den Ton zuständig: der Vater der Künstlerin, selbst Musiker).
Die aus Bad Aussee stammende Sängerin lebt mit ihrem Ehemann Reinhardt Winkler in der Südoststeiermark, Prof. Paul Urbanek ist Wiener und Karl Sayer gebürtiger Linzer.
Die international von der Kritik gefeierte Jazzerin brachte ein sehr buntes Programm mit – neben Standards von Fats Wallers Schlager „I‘m gonna sit right down and write myself a letter“ bis Ellingtons Komposition “Caravan“ auch Material aus dem Popbereich („Blue Bayou“, „Have you ever seen the rain“), und mit „Cold, cold heart“ von Hank Williams war auch Country vertreten. Und, nicht zu vergessen, auch eigene Kompositionen wie „Something new“ und solche von ihren Bandmitgliedern.

Fotos © Nik Fleischmann Home – Fotostudio Nik Fleischmann in Linz (foto-fleischmann.at)
Stilistisch dominiert Swing, mit Be-Bop-Anteilen, also in Etwa die musikalische Welt von Oscar Peterson. Auch Bossa Nova und andere lateinamerikanische Rhythmik konnte man hören. Und Eleganz, Präzision und Virtuosität, die Peterson wie Jobim & Co auszeichneten, dürften auch die Leitsterne diese Ensembles sein – aber natürlich ganz und gar nicht seelenlos mechanisch, sondern mit mitreißendem Rhythmusgefühl und Einfallsreichtum, dazwischen großen lyrischen Spannungsbögen und definitiv auch nicht ohne Humor und ansteckender Freude an der Musik. Und dann lauscht man begeistert Paul Urbaneks perlenden Läufen am Klavier, die über originelle Umwege immer wieder punktgenau zur Übergabe an die Sängerin führen, dem nicht minder in der Materie aufgehenden Bassisten, der auch ein paar stupende Soli hören läßt, und Reinhardt Winkler, der mit einem sehr bescheidenen drum kit alles ausdrücken kann, was notwendig ist und der Musik gut tut – eben, weil er sein Instrumentarium und die Stilistik perfekt beherrscht!
Simone Kopmajer beweist, daß die über sie kursierenden Lobeshymnen nur zu berechtigt sind – sei es lockeres, entspanntes Swingen über einen Klassiker wie „All I do is dream of you“, der sehnsüchtige, aber nicht sentimentale Traum von einer bislang nie erlebten, besseren Welt in „Somewhere over the rainbow“, sei es die aufs Wesentlichste reduzierte, feingliedrige – nur vom Bass begleitete – Improvisation über Bert Kaempferts „L-O-V-E“. Für das innige „How wonderful you are” setzt sie sich selbst an den Flügel und singt nicht nur bewegend, sondern ist sich selbst auch eine erstklassige Begleiterin an dem Instrument, das sie wunderbar zum Singen bringt.
Vor dem abschließenden „L-O-V-E” kam allerdings noch als showpiece ein brillantes und überschäumendes „Caravan“ (trotzdem ging die etwas mysteriöse Grundstimmung dieses Stückes nicht verloren), bei dem nicht nur Pianist und Bassist noch einmal alles zeigten, was sie können, sondern auch Herr Winkler, nur mit der snare drum, ganze exotische Welten evozierte – während seine Gattin sozusagen mit Ella Fitzgerald um die Wette scattete, und unseres Erachtens locker ein 1 : 1 ersang.
Nach dem begeisterten Applaus gabs natürlich noch eine Draufgabe – keine Brillanznummer, sondern das eher nachdenkliche, verhalten glühende „The look of love“ von Burt Bacharach und Hal David, das die lyrischen Fähigkeiten, die feine Detaillierung und die musikalische Spannung, die Frau Kopmajer und ihr Trio beherrschen, noch einmal wunderbar zur Geltung brachte.

Fotos © Nik Fleischmann Home – Fotostudio Nik Fleischmann in Linz (foto-fleischmann.at)
Letzteres Stück kann man auf ihrer neuesten LP/CD hören, mittlerweile leider auch zum Gedenken an den Komponisten… außerdem stehen zahlreiche Konzerttermine, u. a. in Wien und Salzburg, in ihrem Kalender für 2023, und auch (wieder einmal) eine USA-Tournee.
Petra und Helmut Huber

