Linz: Schubertiade im Palais Kaufmännischer Verein
Schwanengesang und Ensemblelieder aus der Bruckner Universität am 21.1.2026
Einen hochkarätigen Konzertabend gab es auf Einladung der Bruckner Uni unter dem Titel „Schubertiade“. Robert Holzer und Thomas Kerbl, beide im Liedgesang von Franz Schubert passionierte Pädagogen seit Beginn ihrer Karriere, befassen sich schon lange kontinuierlich mit dem Vokalschaffen des Liederfürsten und setzen Maßstäbe für die vorbildliche Ausbildung von Stimmen für angehende Berufssänger. Eines der schwierigsten Aufgaben unter den Fächern, hat man es doch mit dem Instrument „Stimme“ zu tun und steht vor bestimmten Anforderungen in der Entwicklung junger Nachwuchstalente. Robert Holzer und Thomas Kerbl füllen dieses Amt mit einer Verantwortung und dem Einsatz ihrer persönlichen Hingabe zu Schubert aus und lenken die Studierenden unvergleichlich perfekt, nämlich aus Leib und Seele. Diesen Eindruck verstärkte ihr Konzept einer Schubertiade am Mittwoch im Bildersaal des Kaufmännischen Vereinshauses, das ein nicht alltägliches Programm aus den mehr als 600 Liedern gewählten Stücken umfasste. Ausgeführt wurde es gemeinsam mit drei Masterstudierenden Gesang in Interpretation zum Beweis, welchen bedeutenden Stellenwert der Liedgesang an der Bruckner Uni einnimmt. Der Erfolg stellte sich bei allen drei Sängern unbestritten ein, ihre Professoren durften stolz sein auf die Ergebnisse ihrer Ausbildungsarbeit. Das Publikum quittierte die Leistungen mit bewundernswertem Beifall. Mit Schuberts „Gebet“ D 815 und einer Liedkette aus seinem „Schwanengesang“ D 957 nach Gedichten von Ludwig Rellstab und Gabriel Seidl stellten sich vor: Antonia Beteag aus Rumänien, seit September bereits Mitglied des Opernstudios am Landestheater Linz, Génesis López, Mezzosopranistin aus Venezuela, bereits Gastkünstlerin am Landestheater, und Alexandre Bianque, ein vielversprechender Tenor aus Brasilien. Technisch und musikalisch zeigten alle wegweisende Fähigkeiten für die Karrierezukunft und lobten ihre lehrenden Meister. Im Ensemble, aber auch solistisch, war schon zu spüren, wie sie ihren Ausbildern nacheifern, dies aber ohne jedweden Druck gefälliger Selbstdarstellung. In der Artikulation ist freilich noch Luft nach oben und in der Ausdrucksintensität sind primär sprachlich sicher noch Verbesserungen zu erwarten. Auf dem besten Weg zu dem „großen Unbekannten“, als welcher Schubert mit seinen Interpreten meist auf der Reise ist, gibt es kaum ein sicheres Ziel. Schubert ist – wie jedes Genie – uns ebenso bekannt wie unbekannt, sein Werk wohlvertraut und fern zugleich, ganz und rein zu begreifen nur intuitiv, hinter dem sein Leben zurücktritt. Vielleicht trifft diese Erfahrung am besten auf sein Liedgut zu, da vielfach der individuell emotionale Aufwand, dem „echten“ Schubert nachzustreben, versucht wird.
Dieser Gedanke sei mir gestattet, als der seit langem hochgeschätzte Bassist Robert Holzer im Alleingang nach Gedichten von Heinrich Heine den Schubert-Block im Programm gestaltete, die Bedeutung der „Schubertiade“ unterstrich und den Höhepunkt des Abends setzte. In den Farben eines Orgelklangs strömte sein warmer Bass aller Vortragskünste auf geistiger Höhe vom irdischen Leben in himmlische Höhen. Man wechselte vor Begeisterung in tiefe Ergriffenheit über den seltenen Ausdrucksreichtum, den Holzer als ein geborener Gestalter von Schubert-Liedern authentisch interpretierte.
Als ein idealer Partner am Klavier, aber noch viel mehr Freund, Schubert-Kenner, und bescheiden ohne es zu betonen, ein virtuoser Star am Flügel erwies sich Thomas Kerbl, der auch noch einen Schuss Humor mit der aufliegenden Notenfülle in den Raum zauberte. Erst nach zwei Zugaben beendete die genuss- wie lehrreiche Schubertiade den Abend. Man freut sich schon auf die nächste.
Georgina Szeless

