Schillernde Klänge der MOSAIK-Musiker im Palais Kaufmännischer Verein Linz (23.4.2026)
Der vertraute Brahms in fremder Gesellschaft
Nur der Ort hat sich geändert für dieses langjährige Unternehmen, das Publikum lässt noch auf sich warten. Der vierte Abend der Konzertreihe MOSAIK fand vor gähnender Leere statt bei einem hochrangiges Konzert, dessen Programm schon allein für sich sprechen konnte. Und außerdem von den allerbesten Musikern aus dem Bruckner Orchester bestritten wurde. Johanna Bohnen & Jisoo Lee (Violine) Raphaela Pachner (Viola), Theresa Strasser (Cello), Ildiko Deak (Flöte) José Antonio Cortez (Kontrabass) Vladimir Petrov (Schlagzeug), und die Pianisten (Marc Reibel) sowie Till Alexander Körber, in gemischter Reihenfolge aufgezählt, wie ihr Einsatz es in den Werken verlangte. Mit gleich zwei Entdeckungen startete sensationell den Abend aus einer anderen als gewohnten Welt . Das Klavierquintett a-moll von Florence Price (1887-1953) fing sofort Feuer, weil die klassische Ausbildung der Afro-Amerikanerin für eine heutige Musik bestaunt wurde. Sanft, tonal, virtuos, Wechsel an Stilrichtungen und emotionalen Melodiebögen, so sehr eingängig amerikanisch war die Vorstellung nicht zu erwarten. Vielleicht bremste das schwarze Blut in den Adern der Komponistin ihre genug verbreitete Popularität. Als die zweite Entdeckung wurde Claude Bolling (1930-2020) präsentiert, ein französischer, hingegen erfolgreicher Komponist, in dessen Suite für Flöte und Jazz-Klaviertrio zwei Welten Barock und Jazz vermischt sind, sehr raffiniert behandelt, wobei seine Themen formal geschickt bearbeitet wurden. So hat alles seine geordnete Aussage. Auf Zufälle verzichtet Bolling genauso wie auf Experimente, Improvisation hat für ihn keine Chance. Dafür schreibt er sogar eine klassische Fuge haargenau nach den Regeln. Als eine veredelte Barmusik kann diese Musik leicht in die Geschichte eingehen. Beide so gut wie unbekannten Stücke wurden zu einem phantastischen Erlebnis und spornten die MOSAIKer zu Höchstleistungen an, als stellte deren Ausführung keine hohen Ansprüche.
Fast traute man sich nach der Pause nicht fragen, was der vertraute Brahms in dieser fremden Gesellschaft zu sagen hatte. Sein Klavierquintett f-moll op. 34, das Brahms mit 28 Jahren schrieb, hat nämlich eine umwegreiche, berührende Entstehungsgeschichte. Es hätte ein Streichquintett mit zwei Celli werden sollen. Aber Brahmsens Lieblingsgeiger Joseph Joachim und auch Hermann Levi gefielen die Sätze nicht, so dass Brahms die schroffen Teile im Werk mit Differenzierungen versah und nach klanglichen Veränderungen dann das Klavierquintett entstand.
Gespielt haben die Musiker das Werk mit übermütiger Freude, die ihnen ins Herz geschrieben stand und manchmal auch das Temperament mit ihnen durchgehen konnte. Entzückt, berückt von ihren Leistungen applaudierte man laut, überzeugt von ihren auch verpflichtenden Auftreten. Denn wie heißt es doch so schön: Die Qualität eines Orchesters erkennt man an seinen Kammermusikern. Die Ehre für das Bruckner Orchester haben sie jedenfalls deutlich eingelegt.
Georgina Szeless
Kulturjournalistin

