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LINZ: ORCHESTERKONZERT IN DER BRUCKNER-UNI – Symphonieorchester der ABU

29.11.2025 | Konzert/Liederabende

Das  Linzer Bruckner-Uni-Orchester bestand in Ehren. 28.11.2025

Ein Riesenorchester auf der Großen Bühne aus jugendlichen Musikern in Erwartung des Auftretens in einem repräsentativen Konzert, leuchtende Augen, klopfende Herzen, dazu auch das nötige Lampenfieber, eine solche Atmosphäre ist nicht alltäglich. Das Symphonieorchester der ABU absolvierte sein Herbstkonzert des Studienjahres 2025/26 vor viel familiärem Hintergrund der Studierenden aus aller Herren Länder. Der Erfolg war dem Abend sicher. Stand doch der in München lebende  Österreicher, erzieherisch hyperaktive Dirigent Raphael Schluesselberg am Pult, bekanntlich erfahren in der Ausbildung angehender Orchestermusiker. Er nahm die Gelegenheit der Leitung eines ihm vermutlich neuen Orchesters so ernst, dass er sein Dirigat leidenschaftlich bis temperamentvoll anlegte. Die jungen Künstler mochten sich selbst gestaunt haben über das feurige Erobern der Werke, das ihnen Schluesselberg abverlangte. Das tat dem anspruchsvollen Programm nicht in jedem Fall gut und lenkte von der vorhandenen Qualität des Orchesters ab. Diese erwies sich stellenweise als durchaus vergleichbar mit dem Niveau mancher Berufsorchester.

Begonnen hat die orchestrale Präsentation mit Schubert und dessen zweiter Ouvertüre im italienischen Stil in C-Dur D 591 in der Orchesterfassung, eine solche besteht auch von der ersten Ouvertüre. Es gibt auch eine erste. Beide Orchesterwerke bearbeitete Schubert zu einer Klavierfassung zu vier Händen. Entstanden waren sie seinerzeit für den musikalischen Hausgebrauch und fanden viel Beifall. Den gab es auch für das ABU- Orchester nach einer kurzen Gewöhnungsphase der Anpassung an den Gastdirigenten. Beeindruckt war man dann von Haydns Sinfonia Concertante in B-Dur. Aus Liebe zum sinfonisch relevanten Haydn führte hier besonders das Zusammenspiel der vier Soloinstrumente Violine, Violoncello, Oboe und Fagott mit dem Orchester zu einem homogenen Klangbild. Enttäuscht wurde man allerding mit dem dritten Werk des Abends. Beethovens Symphonie Nr. 7 in A-Dur op. 92, benannt und bekannt als „Apotheose des Tanzes“. Für Schluesselberg wurde die Wiedergabe zu einer Apotheose des Tanzens, so feurig und technisch ausufernd legte er sich ins Zeug mit seiner übertriebenen Hingabe an rhythmische Zeichen. „Diese Symphonie ist ein Ungeheuer“ stand 1827 in der Zeitung, was längst nicht mehr gelten kann bei den zahllosen berühmten Stabführern unter den Beethoven-Pultgrößen aller Zeiten. Das ABU Orchester muss erst hineinwachsen in deren Fußstapfen. Aber es hat mit dem Orchesterabend die Herausforderung mit einer Beethoven-Sinfonie in Ehren bestanden und den Ruf der Linzer Universität als beste Musikinstitution des Landes bekräftigt.

Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

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