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LINZ/ Musiktheater: GREAT VOICES – Günther Groissböck und „DIE SCHÖNE MÜLLERIN“, 23.2.

24.02.2026 | Konzert/Liederabende

Musiktheater Linz: Great Voices Günther Groissböck und „DIE SCHÖNE MÜLLERIN“, 23.2.2026

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Sänger Günther Groissböck und Pianist Florian Krumpöck auf gleicher Wellenlänge. © Szynkariuk

 Zwischen dem Komponisten Franz Schubert (1797-1828) und dem Dichter Wilhelm Müller (1794-1827) gab es so manche Parallelen, die über die Ähnlichkeit ihrer Lebensdaten hinausgehen. Das spiegelt sich in Schuberts Auswahl und Zusammenstellung der Gedichte für seine Liederzyklen wider, die jeweils den Verlauf eines Lebensweges verfolgen. Er setzte damit einen musikalischen Trend, dem im Weiteren zahlreiche Komponisten Folge leisteten. Am populärsten ist da die 1827 entstandene 24-teilige „Winterreise“ mit ihren frostklirrenden Bildern der Hoffnungslosigkeit eines Ausgestoßenen, die für viele SängerInnen aller Stimmlagen zum Gradmesser ihrer Liedinterpretation geworden ist. (Der dritte 1828 entstandene und erst posthum veröffentlichte Zyklus nach Dichtungen von Ludwig Rellstab, Heinrich Heine und einem nachgestellten Gedicht von Johann Gabriel Seidl wurde auch als Schuberts eigener Schwanengesang verstanden.)

   Seltener zu hören ist da der 1823 komponierte Liederzyklus „Die schöne Müllerin“, op. 25,

D 795, welcher der Winterreise vorausging. Auch hier spiegeln sich seelische Stimmungen wider. Aber die Natur mit ihren bunten Blümelein, den von der Liebe zwitschernden Vögelchen und dem plätschernden Bächlein, das dem wandernden Müllergesellen auf der Suche nach einer geeigneten Mühle, sprich nach einem Lebensmittelpunkt, zum Wegweiser und Freund wird, steht hier stärker mit ihm in Einklang. Ja, er fühlt sich mit ihr so verbunden, dass er in ihren Erscheinungsformen den Ausdruck seiner eigenen Gefühle sieht in der Hoffnung, sich auf diese Weise der von ihm glühend verehrten Müllerstochter mitzuteilen. Diese nimmt seine introvertierten Bemühungen nur flüchtig wahr, ehe sie sich einem Jäger zuwendet mit deutlicheren Ambitionen und klaren beruflichen Zukunftsaussichten. Der Wendepunkt vollzieht sich mit der Farbe Grün, die sich plötzlich für den Müllergesellen in einer negativen Symbolik offenbart. Er löscht sein für ihn sinnlos gewordenes Leben in stillem Schmerz aus, wobei ihm der Bach – diesmal nicht in der so oft verwendeten Verkleinerungsform – zum Tröster und Totenwächter wird.

Volksliedhafte Züge vermischen sich mit romantischer Symbolik wie beispielsweise der blauen Blume. Was beim Lesen vielleicht etwas kindlich-naiv wirkt, erfährt durch die Komposition eine lebendige Bildhaftigkeit und eine seelische Dramatik, die von innen her kommt. Günther Groissböcks tiefer samtiger Bass mit baritonaler Farbigkeit zeigt den Opernstar, wenn er liedhaft in seelische Tiefen taucht, von einer ganz anderen Seite Bei ihm verschmilzt der Klang der Sprache vollkommen mit der Musik. Mit dem Wechsel der Tempi, mit Verstärkungen durch Verswiederholungen und mit hervorragender Wortdeutlichkeit gelingt es ihm, beim Publikum Spannung (mit sehr geringem Hustenpegel) zu erzeugen, sodass es dem Wechsel der Stimmungen in ihrer musikalischen Psychologie aufmerksam folgte.                       

Der Pianist, Dirigent und außerdem noch Intendant des Kultursommers Semmering sowie des Bösendorfer Festivals in den Wiener Neustädter Kasematten, Florian Krumpöck, war ihm dabei weniger Begleiter als dialogisierender Partner am Klavier, der mit seinen Klangfarben die Balance zwischen Gesang und Klavierteil hielt, wie in der Komposition schon vorgegeben. Besonders das Plätschern, Murmeln und Rauschen des Baches setzt da differenzierte Akzente, was in der exzellenten Akustik des schönen und reichlich holzvertäfelten Linzer Theatersaales optimal zum Ausdruck kam.

Als Wienerin kann man da fast ein bisschen neidisch werden, denn seinen Solistenabend in der Wienere Staatsoper im Dezember 2025 musste Günther Groissböck aus gesundheitlichen Gründen absagen. Aber Die schöne Müllerin würde sicher auch in Wien großen Anklang finden!        

Ursula Szynkriuk

 

 

 

 

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