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LINZ/ Musiktheater des Landestheaters : LOHENGRIN-Premiere

11.10.2026 | Oper in Österreich

LINZ/ Landestheater : LOHENGRIN-Premiere

„Nie sollst du mich befragen“: Richard Wagners romantische Oper „Lohengrin“ nach 28 Jahren in Linz in einer berührenden Neuinszenierung von Michael Schulz – musikalisch traumhaft betreut von Christoph Koncz

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Marco Jentzsch, Adam Kim. Foto: Reinhard Winkler

Nach der langen Abstinenz von Richard Wagners Oper „Lohengrin“ in Linz wurde das mit Rätseln behaftete Werk mit Neugierde erwartet. Die Neuinszenierung bei der Premiere am Samstag endete zur Zufriedenheit bis Begeisterung für ein erfahrenes Ensemble, das die Herausforderung mit Herz und Seele meisterte. Die Koproduktion aus dem Staatstheater Saarbrücken ist dem Generalintendanten Michael Schulz der genannten Bühne zu verdanken. Er hat in Linz vor einiger Zeit mit der Oper „Elektra“ von Richard Strauss bereits seine begrüßenswerte Visitenkarte abgegeben, so dass mit verlässlicher Qualität zu rechnen war. Solche gab es reichlich vom designierten Orchesterchef Christoph Koncz, der zum ersten Mal am Opernpult des Bruckner Orchesters stand. Der 39jährige Sohn einer österreichisch-ungarischen Musikerfamilie, in Konstanz geboren, kennt bereits die internationale Opern- und Konzertwelt, war mit nur 20 Jahren Stimmführer der 2. Violinen bei den Wiener Philharmonikern und gilt überdies als Spezialist für Mozart sowie „Alte Musik“. Eigentlich liegt ihm jedes Genre, wo er für seine Dirigierkunst gefragt ist. Sein Neustart in Linz erwies sich als eine Offenbarung. Sein Stab glühte ihm bei Wagner feurig in Händen, sein Geist beflügelte seine Gefühle für den Klang der Musik und seine Gestik zeichnete durchwegs den stets aufmerksam flexiblen Blick eines Vollblutmusikers zu jedem Instrument seines Orchesters. Sein ungarisches Vaterherz schlägt und fühlt aber auch mit jedem Sänger auf der Bühne, wo man sich auf sein unterstützendes Begleiten verlassen kann. Wir dürfen also noch weiteren Pultgenüssen dieses uneitlen Dirigenten völlig ohne Starallüren entgegensehen.

Wagners „Lohengrin“ ging in seiner Aufführungsgeschichte einen nicht geradlinigen Weg. Die Uraufführung im Jahre 1850 in Weimar dirigierte Franz Liszt mit riesigen Erfolgschancen für die Zukunft. Wagner war dabei nicht anwesend, weil er in die Schweiz wegen Teilnahme an der Revolution geflüchtet war. Daher kam sein „Lohengrin“ erst mehr als zehn Jahre später in Wien zur Erstaufführung auf die Bühne. Wie immer, bedarf die Realisierung einer Oper auch gewisser Kenntnisse der zeitlichen Umstände.

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2. Akt. Foto: Philip Brunader

Michael Schulz hat es sich mit dem das Verstehen prüfenden Stoff nicht leicht gemacht. Seine Version tendiert zu romantischen Linien, lässt aber auch einige Zeichen an die Gegenwart zu. Der von Wagner aus mittelalterlichen Sagen entnommene Text zeugt von der Affinität des Regisseurs zu Wagner und hier zu „Lohengrin“. Es stellt sich bei dem gesellschaftlich, politisch und emotional bedeutenden Opus immer auch die Frage, wird die wundersame Geschichte aus der Sagenwelt als ein Märchen erzählt oder soll die historische Komponente (es ist ja Krieg!) als die Keimzelle der Umsetzung gezeigt werden. Ist der Reichtum der Kontraste genug beachtet oder schwankt die Balance der Rollen zwischen Dramatik, Lyrik und unterhaltsamem Schauspiel. Schulz weiß alles zusammen zu vereinen. Aber seine am meisten gefällige Leistung ist die Tatsache, dass er auf jede zeitliche Versetzung verzichtet im Gegensatz zum modernen Regietheater. Für mich ist der „Lohengrin“ von Schulz eine wunderbar durchdachte Auslegung des Stoffes von romantischem Format, die eigene Gedanken des Betrachters zulässt. Nur keine Übertreibungen. Der Schwan ist bei ihm ein Schwanenengel mit breiten Flügeln, der Titelritter als Gralsgesandter glaubhaft auch ohne die Flussfahrt auf der Schelde in Brabant. Und im Finale steigt, wie erwartet, aus dem Wolkenhimmel Elsas kleiner Bruder Gottfried und streckt erlösend seine Arme der Schwester entgegen. Lohengrins Gralserzählung „In fernem Lande“ lüftete endlich das sehnsuchtsvoll erwartete Geheimnis um Herkunft und Verzauberung des Helden durch Ortrud („Genossin meiner Schmach“), wie Gatte Graf Telramund sie tituliert: „Du fürchterliches Weib“. Julia Faylenbogen, der Dämonin der Zauberkünste, ist diese Rolle auf den Leib geschrieben.

Gefühlsbetont – parallel zur Musik – tendieren auch die übrigen Darsteller in den schwierigen Rollen in jedem der drei Aufzüge zu persönlichen Charakterzeichnungen. Teils technisch unterstützt, und daher gut wahrnehmbar, durch Videobilder, gefertigt von Robert Josipovic. Wagner fordert nahezu südländisch strahlende Gesangspartien. Michael Wagner, eine Bühnenpersönlichkeit per se, ist ein imposanter deutscher König Heinrich der Vogler. Sein Heerrufer (Alexander York) schlug sich stimmlich und darstellerisch tapfer. Elsa von Brabant (Dorothea Herbert) ist das ungeduldig schüchterne Mädchen, nicht wissend, was man mit ihm vorhat und wem es vertrauen sollte. Aber durch ihre Unsicherheit trachtet sie insgeheim nach dem Leben Telramunds und ist vergeblich auf der Suche nach dem Streiter für ihre Unschuld. Adam Kim als Graf Telramund ist der Verlierer im unheilvollen Spiel, hörig seiner Ortrud in Liebe ergeben, erst in Acht und Bann und dann im Zweikampf mit dem Ritter gefallen. Als solcher erfüllt Marco Jentzsch alle Ansprüche an Gestalt, Spiel und Stimme. Diese ist wohl noch ausbaufähig für das Wagnersche Heldenfach. Die Gralserzählung wird zum Höhepunkt der Aufführung. Etwas sparsam ausgestattet ist die Bühne von Dirk Becker. Diese ist zweigeteilt, auf der Erde ist Platz für das Volk, auf der Tribüne für die Edlen und oben für den Thron des Königs. Spartanisch eingerichtet ist das Brautgemach, keine Hochzeitsrobe kleidet Elsa, als sie zum Münster schreitet an der Hand des geliebten Ritters. Die Kostümfrage orientiert sich an der Zeit und wurde von Renée Listerdal authentisch verantwortet. Besondere Bedeutung kommt den Aufgaben der Chöre (Chor und Extrachor des Landestheaters Linz) und zur Verstärkung des „Hungarian National Male Choir“, alle unter der Leitung von Franz Obermair, zu. Speziell jenen der Großbesetzung von Chorherren, der größten aller männlichen Choreinsätze der gesamten Opernliteratur. Nie sollte am Ende die Frage gestellt werden, was eine ideale Produktion auszeichnet. Außer, man geht hin und überzeugt sich selbst. Wie die Regie empfiehlt. Das Publikum war des Jubels voll.

 Georgina Szeless
Kulturjournalistin

 

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