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LINZ/ Musiktheater des Landestheaters: LIEDERABEND GÜNTHER GROISSBÖCK/ FLORIAN KRUMPÖCK mit Schuberts „Die schöne Müllerin“

24.02.2026 | Konzert/Liederabende

LINZ/ Musiktheater des Landestheaters: Liederabend Günther Groissböck/Florian Krumpöck mit Schuberts „Die schöne Müllerin. Schwerer Gang einer Seelenwanderung

Große Sympathiebeweise für Günther Groissböck mit Schubert

Ein berühmter Schubert-Interpret hat einmal gemeint, Schubert-Lieder authentisch aufzuführen, dazu müsste man geboren sein. Ein Körnchen Wahrheit steckt in dieser Meinung. Der geniale Liederkreis des Liederfürsten „Die schöne Müllerin“ aus dem Jahr 1823 hat schon vielen Sängern so manche Hürden bereitet. Es ist ein heikles Parkett, auf dem man sich begibt und verleitet oft zu Vergleichen. Schubert hat in dem aus 20 Liedern bestehenden Zyklus seine ganze Persönlichkeit und Souveränität ausgebreitet. Gleich einem Geheimnis möchte man sagen, denn aus den Vertonungen der Gedichte von Wilhelm Müller spricht Schuberts geistiges wie psychisches Wesen so deutlich, wie man den solchen hohen Ansprüchen nur schwer gerecht wird. In seiner Musik sind Poesie und Musik eine unzertrennliche „Ehe“ eingegangen. Günther Groissböck, einer der vielgefragten Bässe auf Bühne sowie am Konzertpodium, wusste und kannte um alle diese Herausforderungen, denen er sich mit seinem Schubert-Debüt im Linzer Musiktheater gestellt hatte. Hat doch der gebürtige Niederösterreicher seine behutsam aufgebaute internationale Gesangskarriere, ausgehend vom Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper und später am Opernhaus Zürich, die Weltbühnen längst erobert. Sein Repertoire bezeugt die Vielfalt der Einsätze, die natürlich bis zur Liedpflege reicht. Dies ein Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens, wie das von Pressechef Philip Brunnader gestaltete Programmheft zu informieren weiß. Davon wollte Groissböck bei seinem Linzer Debüt überzeugen. Ausgerechnet mit Schubert machte er es sich nach obigen Überlegungen nicht gerade leicht. Im übrigen sind die Müller-Lieder in einer Bassfassung mit der doch anderen Klanggewichtung als man es meist von Tenören gewohnt ist, vielleicht lieber zu hören. Groissböcks umfangreiche Stimme überzeugte mühelos in tiefen wie hohen Bereichen von der passenden Tessitura und traf äußerst konzentriert ohne Übertreibung den Erzählton der einzelnen Lieder. Leider dürfte er wegen einer gesundheitlichen Einschränkung nicht ganz zu einem gestalterischen Leistungshoch gefunden haben. Wie er trotzdem immerhin eine volle Stunde ohne Pause den Zyklus mit Gespür für dynamische Differenzierungen und stets präziser Artikulation zu Ende brachte, brachte ihm viel Bewunderung und Sympathie ein. Es wurde ein kurzer Abend, schade ohne Zugabe, auf die das applausfreudige Publikum vergebens gewartet hatte. Vielleicht auf die Gabe von Groissböcks Arienfundus aus einer seiner Opernrollen. Eine großartige Überraschung an dem Abend war die Bekanntschaft mit Florian Krumpöck  als Liedbegleiter am Flügel. Die Ausnahmeerscheinung am internationalen Konzertleben und einst jüngster GMD des Volkstheaters Rostock trug er Groissböck mit Herz, Gefühl und Liebe durch die Seelenwanderung eines von Freude, Leid, Trauer und Todesnähe geprüften Schubert. Der Begeisterungsjubel galt ihm ganz besonders.

 Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

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