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LINZ/Musiktheater des Landestheaters: DORNRÖSCHEN – Tanzstück von A. Kaydanovskiy mit Musik von P.I. Tschaikowsky,. Premiere

24.12.2022 | Ballett/Tanz

Linz: „DORNRÖSCHEN“ – Premiere am Musiktheater des Landestheaters, Großer Saal, 23. 12.2022

Tanzstück von Andrey Kaydanovskiy, Musik von Peter I. Tschaikowsky; Sound Design von Angel Vassilev

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Foto: Philip Brunader

Der Choreograph des Abends stammt aus Russland und ist seit 2013 vor allem in Wien tätig, vom Staatsballett bis zum Life Ball. Er hat sich für das bekannte Märchen von Charles Perrault, das etwas von der späteren Grimm’schen Fassung abweicht, als diese Ballettkomposition am (gregorianisch) 15. Jänner 1890 am Mariinski-Theater in St. Petersburg uraufgeführt, eine etwas andere Handlung einfallen lassen…

Wir sehen ein wohlig-rosiges Palastzimmer, in dem die Gäste, in allen denkbaren Rosatönen gekleidet, die neugeborene Prinzessin (versteckt in einer ampelartigen Wiege) und die Eltern bewundern und umschwärmen – am überschwänglichsten, bis zum Kontrollverlust, ist  Haushofmeister Catalabutte. Doch da tritt die schwarze Fee Carabosse auf (ohne Gefolge), die nicht zu der Feier geladen war, mit einem roten Lackpumps in der Hand. Der (die Bühnenbreite minus etwa 4 m einnehmende) Palastraum versinkt auf ihr Kommando – Respekt an die Bühnentechnik, die das gewaltige Trumm präzise und lautlos bewegt! Die Musik bricht hier ab und wird durch düstere, unheimliche Geräusche ersetzt – Sounddesign Angel Vassilev. Auch später werden seine Schöpfungen zu hören sein, selten auch als Mixtur zu Tschaikowskys Musik, teils als Echoeffekte letzterer.

Dann sehen wir wieder den Palastraum, jetzt aber wohl in unsicheren Zeiten – er hebt und senkt sich (aber nur um jeweils vielleicht 30 cm), derweil die Prinzessin, mittlerweile als Teenager und also selbst Teil des Tanztheaters anscheinend heftige Pubertätskonflikte mit ihrer Umgebung auslebt.

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Foto: Philip Brunader

Pause.

Als der Vorhang sich wieder öffnet, sehen wir so eine Art Dornenverhau – große, spitze Stangen vor dunklem Hintergrund, von der Decke hängt ein großer rosa Ballon oder…? Das Ding ist eigentlich wie der Querschnitt des Palastzimmers geformt, steht aber am Kopf. Im Hintergrund stürzt ein Wesen – wohl die Prinzessin – aus dem Schnürboden und schlägt laut klatschend hinter den Spießen auf. Im Vordergrund erscheint ein müder Wanderer – offensichtlich Prinz Désiré. Bald wird er von den Waldtieren umringt. Der Ballon über seinem Kopf irritiert ihn, und schließlich sticht er ihn mit einer der Dornenstangen auf. Carabosse bringt nun die „gefallene“ Prinzessin nach vorne, und sie und der Wanderer verlieben sich ineinander. Schließlich wird Hochzeit gefeiert. Die Prinzessin tanzt in roten Pumps. Als die Hochzeitsgesellschaft abgeht, bleibt einer der Schuhe der Prinzessin übrig. Carabosse hebt ihn auf.

Das Ganze ist recht gut der Musik angepaßt, es gibt keine Längen oder Diskrepanzen. Aber auch Details funktionieren brillant – z. B. als ein Gästepaar in der ersten Szene Goldflitter streut, erfolgt das auf die Hundertstelsekunde synchron mit einem Schlag der kleinen Trommel. Überhaupt ist die Musik – das Bruckner Orchester, Leitung Marc Reibel – die Stärke des Abends: schwerelose Walzer, elegante Lyrik, Spannung, Präzision und Transparenz, Dynamik, schlichtweg in Perfektion!

Bühne (Karoline Hogl), Kostüme (Melanie Jane Frost) und Licht (Christian Kass) schaffen ein ausdrucksstarkes Umfeld für die engagierte Tanztruppe.

Diese agiert wie aus einem Guß, akrobatisch, fließend, musikalisch, scheinbar mit mehr Gelenken als die Durchschnittsbevölkerung gesegnet. Aber natürlich: das ist „säkulares“ Tanztheater, nicht klassisches Ballett. Auf Spitzentanz wartet man vergeblich, es gibt keinen Erweckungskuß als markanten Höhepunkt, und auch die Tiere des Waldes werden schnell demaskiert.

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Foto: Philip Brunader

Die im Folgenden angegebenen „Prinzipalrollen“ waren jeweils nicht die einzigen der Tänzerinnen und Tänzer an diesem Abend: Dornröschen/Prinzessin Aurora: Elisa Lodolini, Prinz Désiré: Mischa Hall, Mutter/Königin: Angelica Mattiazzi, Vater König Florestan: Ilia Dergousoff, Carabosse (die einzige mehr „statische“ Rolle, im Dienste der Dämonie): Yu-Teng Huang, Catalabutte / Haushofmeister, köstlich komödiantisch: Arthur Samuel Sicilia, Fee Schönheit: Rutsuki Povrazník, ihr Begleiter: Matteo Cogliandro, Fee Klugheit: Katharina Illnar, ihr Begleiter: Pavel Povrazník, Fee Reichtum: Nicole Stroh, ihr Begleiter: Pedro Tayette, Fee Kraft: Elena Sofia Bisci, ihr Begleiter: Lorenzo Ruta,  Frosch: Hinako Taira.

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Schlussapplaus mit dem Choreographen. Foto: Petra und Helmut Huber

Nach insgesamt 1 ¾ Stunden begeisterter Applaus, nicht nur für die Tanzcompagnie, sondern auch für Dirigent und Orchester und das Produktionsteam.

Petra und Helmut Huber

 

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