Linz: „DIVINE MATTER“ – Uraufführung/Premiere im Musiktheater des Landestheaters Linz, Großer Saal, 26. 09.2026

Worship gehend. Mischa Alexander Hall. Foto: Philip Brunnader
Ein Doppeltanzabend mit den Stücken WORSHIP (Uraufführung) von Drew Jacoby (Musik aus mehreren Quellen, arrangiert von Crystn Hunt Akron), und AUTO CANNIBAL (europ. EA) von Stephanie Lake mit der Komposition von Robin Fox
Mit der Premiere … im Großen Saal des Musiktheaters Linz eröffnet TANZ LINZ die Spielzeit 2026/2027 mit einem besonderen Tanzabend: Divine Matter vereint in einer Double Bill zwei choreografische Positionen international renommierter Künstlerinnen. Die Uraufführung Worship von Drew Jacoby trifft auf die Europäische Erstaufführung von Auto Cannibal von Stephanie Lake. Gemeinsam kreisen beide Werke um Fragen von Transformation, Hingabe und der zyklischen Natur von Schöpfung. So die Programminformation des Landestheaters; weiterführend der Text des Landestheater-blogs zum Stück (https://www.landestheaterlinz-blog.at/divine-mattter/) (sic!): Im Zentrum steht das Konzept des „Divine Feminine“ – als Annäherung an die menschliche Sehnsucht nach Sinn, Bedeutung und Verbindung. … Jacoby vermeidet bewußt eine eindeutige Lesart ihrer Arbeiten. „Ich sage nie gerne, worum meine Arbeiten gehen“, erklärt sie.

Worship. Foto: Philip Brunnader
Also, wir können nicht sagen, daß wir aus dem Bühnengeschehen des ca. 50-minütigen Stückes eine eindeutige Botschaft, Handlung, Philosophie… hätten ableiten können – insoferne sind wir eines Sinnes mit der Autorin des Stückes. ABER das Zusammenwirken von Bühnengestaltung, die auf starke, emotionelle Farbakzente und Traumbilder setzt und archaische Symbole wie Moai-artige Büsten nutzt, absolut suggestiver und manchmal hypnotisierender Musikgestaltung und schließlich atemberaubend präzise koordinierter, emotionsgeladener Körperlichkeit der Tänzerinnen und Tänzer in Kostümen mit animalischen Anklängen ergab ein atemberaubendes, mesmerisierendes Ereignis. Frau Jacoby legt Wert darauf, daß die Mitglieder der Kompagnie ihre Individualität und Fähigkeiten in das Konzept einbringen – und das merkt man auch am Endergebnis: trotz aller Anstrengung und teils akrobatischer Leistungen strahlt das Ensemble einfach Bewegungslust und Freude am Schauspiel aus, und das Publikum wird davon gefangen genommen. Die Linzerin Crystn Hunt Akron (eig. Christine Hinterkörner) hat aus Material von Jon Hopkins (*1979), Hildegard von Bingen (1089 – 1179), aus Taizé (Jaques Berthier, 1923 – 1994), von Björk (*1965) und Matthew Herbert (*1972) mit eigenen elektronischen Kompositionen einen aufwühlenden und gleichzeitig einnehmenden, zu einer perfekten Einheit synthetisierten Klangteppich gemischt.

Worship. Foto: Philip Brunnader
Man geht mit begeistertem Applaus in die Pause.
Auto Cannibal wurde 2019 von der kanadisch-australischen Choreografin Stephanie Lake in China uraufgeführt. Leitmotiv des Stückes ist der Kreislauf der kreativen Kräfte, der sich aus dem Weiterleben vorheriger Ideen in neuen ergibt. „Das Stück wird so zu einer choreografischen Hommage an Wiederverwendung, Transformation und Erneuerung“. Die rein elektronische Musik dazu wurde vom australischen Sounddesigner Robin Fox geschaffen. Auch wenn sein soundtrack weniger bunt und vielfältig ist als das von Crstyn im ersten Teil, schafft er doch mit der hervorragend eingestimmten Lautsprecheranlage des Hauses (Kai Mäder, Markus Wypior, Armin Lehner) ähnlich suggestive Klangwelten und innere Bilder. Dabei ist aber die Szenerie wesentlich nüchterner als bei Worship – alles spielt sich in einer schwarzen Box ab, und auch die Kostüme sind aufs Allerwesentlichste reduziert: weiße Hemdchen, schwarze Röcke/Hosen. Gleich bleibt aber natürlich das unendliche Engagement des Tanzensembles, die präzise koordinierte Feinst- bis Grobmotorik, emotionelle Ausdruckskraft und das auf innerem Pulsschlag beruhende und deshalb auch das Publikum überzeugende Rhythmusgefühl. Der Applaus war nach ca. 30 Minuten des zweiten Teils nicht ganz so enthusiastisch wie nach „Worship“, aber natürlich lautstark und auch als standing ovation dargeboten.
Mitverantwortlich für diesen intensiven Abend waren als choreografische Assistenz Robert Alejandro Tinning, Bühne und Kostüme Gabriela Neubauer, Lichtdesign die Choreographinnen nebst Joy Chen und Bosco Shaw. Die dramaturgische Betreuung übernahmen die Spartenleiterin Roma Janus und Stephanie Lake.

Andrea Aguado Campo. Foto: Philip Brunader
Die Körperkünstlerinnen und -künstler von TANZ LINZ sind Andrea Aguado Campo, Elena Sofia Bisci, Matteo Cogliandro, Mischa Alexander Hall, Yu-Teng Huang, Katharina Illnar, Nicole Kerbs, Elisa Lodolini, Vicent Muñoz Amo, Pavel Povrazník, Lorenzo Ruta, S. Arthur Sicilia, Hinako Taira, Pedro Tayette, Fleur Wijsman und Claire Graham – tiefste Verbeugung!!!

Premierenfeier: Drew Jacoby, Critsyn Hunt Akon, Ganriela Neubauer, Stephanie Lake, Roma Janus. Foto: Petra und Helmut Huber

Premierenfeier Ensemble. Foto: Petra und Helmut Huber
Petra und Helmut Huber

