Linz: „AMOR & PSYCHE?“ – Premiere im Musiktheater des Landestheaters Linz, Großer Saal, 31. 01.2026
Tanzstück von Jeroen Verbruggen, Musik von Lukas Foss, Jimmy Lopez, Thomas Ades, Gabriel Fauré, Johann Paul von Westhoff (Outhere Music), Ralph Vaughan Williams, Stamatis Kraounakis, Charles Ives
Eine Produktion des Nationaltheaters Mannheim 2022

Einführung mit Jeroen Verbruggen und Roma Janus. Foto: Petra und Helmut Huber
Die Geschichte von Amor und Psyche wurde im Märchenroman Der goldene Esel bzw. Metamorphosen des Apuleius aus dem Jahre 170 n. Chr. überliefert.
Zusammenfassung (nach www.planet-wissen.de): Das Erdenmädchen Psyche ist von so atemberaubender Schönheit, dass Venus aus lauter Neid ihren Sohn Amor auf sie ansetzt, damit sie an einen recht hässlichen Mann ihr Herz verliere. Doch Amor lässt sich einmal von den eigenen Pfeilen verwunden und verliebt sich in Psyche, wie sie sich in ihn. Doch erbittet er von ihr, dass sie ihn niemals zu sehen bekommen dürfe, damit sie nicht erfahre, wer er sei. Psyche bemüht sich ernsthaft darum, es ihrem Geliebten in allen Dingen recht zu machen, doch ihre Schwestern reden auf sie ein, bis sie eines Nachts ihre Neugierde nicht mehr zügeln kann und eine Lampe an Amors Gesicht hält. Entzückt von seiner Schönheit und erschüttert von ihrem großen Fehler lässt sie die Lampe los und Amor erwacht. Zu beider Entsetzen muss deshalb Amor Psyche für immer verlassen. Nach vielen Mühen findet sich im Himmel ein Gönner der beiden: Jupiter, der seinen Liebesboten Amor wegen dessen Verdienste um seine erotischen Umtriebe ins Herz geschlossen hat, beschließt ein gutes Ende der Geschichte. Amor und Psyche finden sich wieder. Schließlich gebiert Psyche Amor eine wunderschöne Tochter, welche den Namen Voluptas (Vergnügen, altgriech. Hedone) erhält.

Elena Sofia Bisei. Foto: Philip Brunader
Von Jeroen Verbruggen, der für Choreografie und Inszenierung, Dramaturgie, Bühne und Lichtdesign verantwortlich zeichnet, wird diese Geschichte in eine moderne Welt geholt, mit zahlreichen verblüffenden, szenisch schlauen Einfällen (das im Unterholz versteckte Ensemble zu Beginn!) und einigen sehr emotionellen Momenten. Besonders das musikalisch wie handlungsseitig offen bleibende Finale – wie soll man lieben? – beeindruckt. Eingeteilt wird seine 70 Minuten dauernde tänzerische Dramatisierung in die Kapitel Museion (Sitz der Musen), Weiblichkeit, Die Waffe des Ursprungs, Amors Begehren, Liebe und Vertrauen, Kanon der Reue, Ambrosia, I Sotiria Tis Psychis (Die Rettung der Seele) und Die unbeantwortete Frage (Hedone). Dies wird auch unterlegt von einer entsprechenden Handlungsbeschreibung – beides im Programmheft zu finden. Allerdings hat man wenig davon, wenn man das nicht in den 10, 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn auswendig lernt – das üblicherweise, so auch heute, bei Tanztheater ruhende Textsystem könnte doch als Erinnerungsstütze und Erklärung genutzt werden? Würde der Anschaulichkeit und Spannung der Handlung sehr dienen!

Mischa Hall. Foto: Philip Brunader
Auch die Musik hat Herr Verbruggen ausgewählt; der allergrößte Teil wird live von den heute 51 Damen und Herren des Brucknerorchesters unter der präzisen Stabführung von Ingmar Beck gespielt. Wir hören u. a. For Toru von Foss, die Greensleeves-Fantasie und Five Variants of Dives and Lazarus von R. V. Williams, aus Lieux retrouvés von Adès, Aprés un reve von Fauré und final The Unanswered Question von Ives – alles kommt in stilistisch der Vielfalt des Materials hervorragend angepaßter Interpretation aus dem Graben, mit perfekten Soli von Violoncello, Klavier, sowie Holzbläserinnen und Trompete – letztere machen Ives‘ „Question“ zu einem wahrhaft eindrücklichen Abschluß des Abends! Leider verläßt der dafür verantwortliche Dirigent unser Theater mit Saisonende…
Ergänzt wird diese überzeugende Orchesterleistung von Einspielungen – die beeindruckendste ist das griechische Chanson (Text: Lina Nikolakopoulou) von der geretteten Seele, das einem Kapitel den Titel verleiht, gesungen von Alkistis Protopsalti.
Ergänzt wird die Regiearbeit von den Kostümen Emmanuel Marias sowie Sebastien Mari und Guido Badalamenti als choreografische Assistenten.

„Tanz Linz“, Elena Sofia Bisei. Foto: Philip Brunader

„Tanz Linz“. Foto: Philip Brunader
Akrobatisch, präzise, expressiv, schlafwandlerisch sicher aufeinander abgestimmt, immens musikalisch in den Bewegungen, sogar als Sängergruppe recht brauchbar: TANZ LINZ – das sind Andrea Aguado Campo, Elena Sofia Bisci (als Psyche bzw. deren heutige Verkörperung mimisch am meisten gefordert), Matteo Cogliandro, Ilia Dergousoff, Mischa Hall, Yu-Teng Huang, Katharina Illnar, Elisa Lodolini, Angelica Mattiazzi, Pavel Povrazník, Lorenzo Ruta, Arthur Samuel Sicilia, Nicole Stroh, Hinako Taira, Pedro Tayette und Fleur Wijsman. Bavissimi!!
Jubel, Begeisterung.

Schlussapplaus Ensemble. Foto: Petra und Helmut Huber

Premierenfeier mit Intendant Schneider. Foto: Petra und Helmut Huber
Bei der Premierenfeier erwähnte Intendant Hermann Schneider noch ausdrücklich die amikale und hilfreiche Zusammenarbeit seitens des Nationaltheaters Mannheim, und die besonders ruhige und reibungslose Probenzeit mit Jeroen Verbruggen.
Petra und Helmut Huber

