Mit Jubel begrüßt: Das Brucknerfest gibt es wieder in Linz. 13.9. 2026
Es steht unter dem Titel „ENDLICH“, dazu Ingeborg Bachmann: „Wenn endlich endlich kommt, dann sei anders, damit die Welt sich verändert, damit sie die Richtung ändert“
Die Eröffnung im voll besetzten Brucknerhaus mit politischer Prominenz und neugierigen Gästen brachte es deutlich an den Tag. Seit der neuen Intendanz von Norbert Trawöger im Brucknerhaus gibt es im Vergleich zu früher eine Menge Neues und Neuigkeiten. Die Festdauer t wurde verkürzt, dafür mit einer Vielfalt und Entdeckungen im Programm ausgestattet, in dem Neubegegnungen im instrumentalen wie vokalen Bereich das Publikum in Staunen versetzten. Nicht neu war die Moderatorin Karin Wagner als eine Art Schlüsselfigur, deren charmanten und wissensreichen Ausführungen als Verbindung zwischen den obligaten Ansprachen und Reden eine wertvolle Brücke für die Vortragsfolge darstellten. Eine Sprachkultur und Sprechpräsenz beherrschend, wie heute sonst allgemein in der Gesellschaft selten zum Tragen kommt. Hier sei eine leise Kritik über die Einladung der aus Kärnten stammenden Festrednerin Maja Haderlap erlaubt, deren Worte zum Thema „endlich“ leider nur bruchstückartig über die Bühne kamen. Ihren Vortrag gibt es am Ende des Festaktes in Druckform und wird zum Nachlesen empfohlen.
Wie gewohnt brachten anfangs Bundes-, Landes- und Europahymne die richtige Feststimmung auf und waren immer mehr begeistert von den auf hohem Niveau agierenden Ausführenden des Programms, das in dieser Auswahl kaum ein Brucknerfest präsentiert hat. Zwei Uraufführungen steigerten die Aufmerksamkeit auf heimisch bekannte Komponistennamen. Thomas Doss stellte sein Circus Maximus vor, eine Szene für Symphonieorchester mit Inhalten, die gedankenfrei mit Harmonien umgehen, die interessanterweise gar nicht auf atonale Idioms abzielen, sondern durch reichliche Bläserpräsenz – gar nicht so lautstark wie man erwarten würde – den Konzertsaal in eine Arena verwandeln und das Publikum in eine kollektive Ekstase versetzen. Die Besetzung ist ziemlich anspruchsvoll und bedarf einer Aufstellung der Instrumente im ganzen Saalraum, so dass das Stück wohl nicht überall aufführmöglich sein wird. Plötzlich taucht ein Bruckner-Motiv auf, ganz unerwartet und versöhnt für die ungewöhnlichen Ideen, wie man sie von Doss nicht erstmals gehört hat. Der Kampf mit seiner Musik versöhnt den Hörer und führt zu einem sympathischen Ende des neuen Werkes. Aus einer ganz anderen Welt aus der Taufe zu heben war das Scherzo cantabile à la Styrienne von Gunter Waldek. Es ist ein Landler im ¾ Takt, was könnte besser zu Bruckner passen, der Waldek allerdings nur das Original für eine Umarbeitung in ein Brucknersches Scherzo lieferte. Ursprünglich ein kurzes Klavierstück aus Kitzlers Studienzeit trug das Werk den Titel „ Steiermärker“. Daraus komponierte Waldek ein dreisätziges Stück in traditioneller ABA-Form ganz materialgetreu nahe Bruckner, das von Marcus Merkel orchestriert wurde. Welch‘ grandioser Einfall für ein Brucknerfest. Im vokalen Teil des Festaktes standen Lieder, ebenfalls Kostbarkeiten und Raritäten, die man sonst kaum aufgreifen würde. Der auf Bühne und Konzert gleichermaßen gefeierte Bariton Rafael Fingerlos, auch bekannt als Leiter der Salzkammergut Festwochen Gmunden, sang spürbar mit besonderer Affinität zum nordischen Kolorit, drei Lieder des schwedischen Komponisten Ture Rangström (1884-1947), übrigens dem Urgroßvater der Festdirigentin Kajsa Boström, die am Pult des Oberösterreichischen Jugendsinfonieorchesters einen vielversprechenden Eindruck als Leiterin der jungen Musiker hinterließ. Eigentlich müsste man sie kennen, sie lebt in Oberösterreich und hat schöpferisch schon mehrere Kulturprojekte und Musikensemble erfolgreich auf die Beine gestellt. Als letzten Programmpunkt des Festaktes grüßte noch Beethoven das Brucknerfest. Auch wiederum auf andere Art. Nämlich mit dem ersten Satz der Klaviersonate „Pathetique“, deren Fassung für Orchester von Bruckner erstellt wurde. Das Endliche ging in die Unendlichkeit über, wie es uns in der und durch die Musik fortlaufend begegnet. Mögen die Brucknerfeste als eine solche Festung der Linzer Kulturstadt erhalten bleiben. Danke allen, die das fortan möglich machen.
Georgina Szeless
Kulturjournalistin

