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LINZ/ Minoritenkirche: Der Thomaskantor blickte nach Wien: Weltbekannter Bach-Tenor Daniel Johannson reiste zwischen Wien & Leipzig

19.04.2026 | Konzert/Liederabende

Der Thomaskantor blickte nach Wien: Weltbekannter Bach-Tenor Daniel Johannson reiste zwischen Wien & Leipzig

Ein ungewöhnliches Programm bescherte musica sacra für ihr 14. Konzert der Saison in der Linzer Minoritenkirche. Man musste es unbedingt gehört haben, weil man es kaum so schnell wieder erleben können wird. Ausgewählte Lieder von Franz Schubert aus seinem Liederzyklus „Die Winterreise“ und Stücke aus Johann Sebastian Bachs Kantatenwerk wurden in einem spannenden Abend gemeinsam dargeboten . Dieses Experiment der Ideenfinder machte auf die musikalische Reise zwischen Wien und Leipzig mit je zehn Nummern der beiden Komponisten besonders neugierig. Die instrumentalen Reisebegleiter waren das hervorragende Atalante Streichquartett mit Julia Kürner, Maria Wahlmüller( ersatzweise eigesprungen), Elisabeth Eber, Lisa Kürner und Thomas Koslowsky, unterstützt von Konrad Krajewski auf der Trompete. Dass sie alle als arrivierte Musiker und verlässliche Partner bei diesem nicht alltäglichen Einsatz ihre Aufgaben begeistert erfüllten, war mehr als bewundernswert. Die Streicher machten bei Schubert den originalen Klaviersatz transparent, bei Bach wurden die Kantaten in eine seltene kammermusikalische Nähe verwandelt. Inspiriert, mit Herzblut geführt, gelang die Kooperation mit dem österreichischen Tenor Daniel Johannson auf eine unglaubliche Weise. Den illustren Ausnahmekünstler muss man nicht vorstellen. Seine Konzerte oder Auftritte auf Weltbühnen, seine an die 60 Tonträger, seine gefragten, speziell mit Preisen ausgezeichneten Bach-Interpretationen sind weit bekannt für eine begnadete Stimme, die der heute 47-jährige Sänger wie etwa ein Robert Holl oder Fischer-Dieskau ausbildeten. Sein weites Repertoire haben etliche große Vorbilder begleitet. An seiner Karriere haben etliche Persönlichkeiten mitgebaut und Johannson zu einem vielseitigen Künstler geprägt. Wer sonst hätte diesen herausfordernden, anspruchsvollen Abend wagen können ? 

Johannsen brachte mit Riesenerfolg Schubert und Bach, eben zwei Klangwelten, die Jahrhunderte und Stile überbrücken, in einen klanglich faszinierenden gemeinsamen Raum. Daraus wurde ein lebendiger Dialog zwischen den beiden Komponisten, mit Stationen, die zugleich eine Charakterschau bei stimmlich veränderten Registern abbildete. Schubert als der enttäuschte, schmerzvoll klagende Wanderer von einsamer Zerrissenheit, Bach versunken in seine geistige Welt voll tröstlicher Hoffnung und Zuversicht. Johannsen vertiefte sich ganz in seine eigene Gefühlswelt und entwarf die Rollenbilder jenseits stimmlichen Übertreibens. Grandios war einfach alles. Seine Kunst des Phrasierens, die sonst oft vermisste Deutlichkeit der Artikulation,  die fließende Schönheit im Legato, die leuchtenden Koloraturen oder erst recht Johannsons dynamischen Farbenvariationen. Einzigartig ist einfach seine Kunst der musikalischen Erzählung, mit der der Sänger lebt, hie und da auch mimisch oder gestisch angedeutet, als wäre er für Schubert und Bach auf die Welt gekommen. „Schubert ist für mich der größte Wiener, mein bester Freund, „ das Leben ist für mich ein gut bezahltes Wunschkonzert“, gibt es ein besseres Bekenntnis aus Johannsons Munde ?  Und dabei war der Leipziger Bach aus Eisenach selbst nie in Wien, aber indirekt der Stadt verbunden. War doch der sächsische Kurfürst Friedrich August II mit der Kaisertochter aus Wien Maria Josepha verheiratet. Deshalb schrieb Bach für den Kurfürsten auch einige Kantaten. Weitere Bemerkungen zu dem mit Wien & Leipzig betitelten Abend braucht es nicht. Es war ein bereicherndes Ereignis. Nach fühlbarer Ergriffenheit des Kirchenpublikums setzte der verdient starke Beifall ein.

 Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

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