Das Ausnahmeopus von Claudio Monteverdi
Seine „Marienvesper“ im Mariendom Linz begeistert aufgenommen (am 25.4. (Georgina Szeless)

Foto: Werner Kotek
Besonderer Dank gebührt diesem Abendkonzert der musica sacra-Reihe im Linzer Mariendom, wo zahlreiche Besucher die Bänke besetzten, um das seltene Erleben der „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi (geb. 1567 Cremona), ( gest. 1643 Venedig) mitzufeiern. Das Schlüsselwerk aus der buntschillernden Zeit an der Grenze zwischen Spätromantik und Frühbarock entstand 1610, hat bis heute jedoch nichts an Attraktivität verloren, und doch haben die Aufführungen so etwas wie einen Nachholbedarf. Freilich hat dem italienischen Meister vorher seine weltberühmte Oper „Orfeo“ aus 1607 den Rang abgelaufen. Aber die Schuld daran hatte sein fürstlicher Herr vom Hof des Vinzenco Gonzaga in Mantua, wo der junge Monteverdi seinerzeit seine Aufwartung machte. Ihn animierte der lebenslustige, kunstverständige Adelige, Monteverdi solle endlich das Madrigalschreiben sowie die Masse der liturgischen Komposition lieber lassen und ein „Dramma per musica“ schaffen. Das befolgte Monteverdi so gründlich, dass er mit seiner Oper einen riesigen Aufstieg erreichte und ihm gleich eine neue Kunstform gelang. Die Vermutung liegt auf der Hand, dass ihm seine fünf Madrigalbücher im Hintergrund als ein gewisses Vorstudium für die „Marienvesper“ dienten. Also ein verdienstvolles Unterfangen für das Hereinholen eines schöpferisch nicht einfach auszulotenden Stückes für heute. Monteverdi vertonte für seine Vesper Psalmen und andere Gebete ohne einen festgelegten Textkanon. Seine Musik ist abwechslungsreich und durch tonale Bezüge verbunden. Stil, Inhalt wie das formale Gerüst sind zu frei konzipiert, um eine geschlossene Homogenität zu erreichen. Für eine geglückte Aufführung hieß es daher genau zu unterscheiden und allen Voraussetzungen entsprechen, die da zur Verfügung standen: die historisch orientierte, farbenreiche Instrumentation des heimischen Ensembles CASTOR, geleitet von Petra Samhaber-Eckhardt, und die Musica Antiqua Salzburg, ausgesuchte, in der Alten Musik erfahrene Sänger und das vokale Großaufgebot des HARD-CHORES LINZ, dessen Gründung Alexander Koller vor zehn Jahren als sein Wunderwerk in die Musikwelt setzte. Jetzt stand er auch am Pult nicht nur seiner Schützlinge sondern lenkte den ganzen musikalischen Riesenapparat mit Leidenschaft und Liebe aber besonnen mit jener Zurückhaltung, die das Werk sakralen Inhalts auszeichnete. Sein gestisch unaufdringlicher Aufwand vermied jede Übertreibung, das präzise, mitfühlende Gestalten, seine vielfältige Kenntnis in der Chormusik, bei der mit ihm das Herz aufging, entsprangen stets einer inspirierenden Kraft, von der man spontan eingenommen war. Welche Tugenden werden von Kollers Multibegabung noch zu erwarten sein ? Das elitäre Vokalteam dürfte übrigens unverkennbar seine Wahl gewesen sein: die drei Tenöre Sebastian Taschner, Jakob Gerbeth und Markus Stumpner, die Baritone Moritz Strutzenberger und Matthias Helm sowie die Soprane Nora Mayer und Martina Landl. Die vielen virtuosen Solopassagen vokal oder instrumental lobten ihren Meister. Das Publikum für das Ausnahmeopus war nach knapp zwei Stunden begeistert und applaudierte mit langanhaltenden standing ovations. Hinter der Andacht verbarg sich glanzvolles Strahlen im Dom der Gottesmutter Maria.
Georgina Szeless

