Funkelnder Sternenglanz am Opernhimmel am 24.1.2026
Begeisterungsstürme für den polnischen Ausnahmetenor Piotr Beczala im Musiktheater Linz
Opern- und Konzerthäuser aller Welt fragen nach ihm längst und feiern den polnischen Tenor Piotr Beczala. Aber Linz hat er bis heute nicht vergessen. Sporadisch, wenn es sein Terminkalender erlaubt, kehrt er immer wieder zurück an die Anfänge seiner heutigen Weltkarriere. Am Samstag ließ er im Linzer Musiktheater die Wände beben, den orkanartigen Beifall nicht verebben. Erst nach nur zwei Zugaben und einem langsam aufspringenden standing ovation hat Beczala das Publikum seiner früheren Karriereheimat verlassen. Seine unvergleichliche Stimme wird noch lange in den Linzer Ohren nachklingen.
Was fasziniert eigentlich an seinem Gesang, mit dem er einst durch die Straßen zog, um auf sein Talent öffentlich aufmerksam zu machen? Neben seinem Glauben an sich selbst lenkte das für Künstler meist gnadenlos opfernde Schicksal auch sein Leben. Über dieses hat der Amalthea-Verlag 2020 viel Informatives über Beczala veröffentlicht. Wo seine außergewöhnliche Laufbahn am Landestheater Linz begann, stellte sich bei Beczalas Rückkehr eine erwartungsvolle Stimmung ein. Gleich einer Atmosphäre freudigen Strahlens, als er die Bühne des vollbesetzten Hauses betrat. Die ehrenvolle Begleitaufgabe lag bei unserem Bruckner Orchester, das seine gewohnt erstrangige Qualität den ganzen Abend in gesteigertem Format entfaltete. Das selektiv abgesteckte Programm wählte Beczala vermehrt aus Lieblingsstücken seines Repertoires, dem italienischen Fach, aus dem er anfangs drei Verdi-Arien vortrug. Außer Verdis Ouvertüre zur Oper „Die Sizilianische Vesper“ gab es auch noch Intermezzi aus Puccinis und Mascagnis Opern. Welch tadellose Artikulation beim Vortrag, die Stücke waren erfüllt von einer musikalisch und gesanglich perfekten Wiedergabe. Paradiesische Klänge strahlender Leuchtkraft blitzten auf wie Sterne am Opernhimmel, führten im weiteren Verlauf bis zu veristischen Proben. Bei so vielen Glanzlichtern könnte man kaum Höhepunkte nennen. Mascagnis „Turiddus“-Szene ergriff durch dramatische Fülle, Leoncavallos „Bajazzos“-Arie erzählte von Schmerz und Liebe, aber auch von bewegender Trauer der Titelrolle aus kraftvoller Zärtlichkeit, wobei Beczala immer eine unaufdringliche Führung der Stimme mit Feinsinn und Gefühlskontrolle im Auge behält. Als lebte sein Vortrag auch vom Erzählen der Opernhandlungen. Giordanos „Andrea Chénier“, das Verismo-Musterbeispiel, Beczalas Glanznummer seit der Verkörperung auch an der Mailänder Scala, erlebte förmlich spürbar das tragische Ende des Dichters auf dem Schafott. Wie könnte man mit noch mehr Ausdrucksnuancen den goldenen Glanz einer Stimme über das hohe „C“ hinaus oder Bühnenpräsenz demonstrieren als Beczala mit seinem betörenden Charisma. Als eine edle Geste von Beczala an Linz erwies sich, in sein Programm zwei Opernjuwelen aus seiner polnischen Heimat aufzunehmen. Die Komponisten Stanislaw Moniuszko (1819-1872) mit der Ouvertüre zur Oper „Halka“ und Wladislaw Zelénski (1837-1921) mit einer Arie aus der Oper „Janek“ stellten eine große Bereicherung dar. Am Pult des Bruckner Orchesters dirigierte der höchstversierte italienische Operninterpret Marco Boemi. Dass er mit dem ihm adäquaten Beczala harmoniert, war bereits vom ersten Takt an spürbar. Beiden gelang händereichend und herzergreifend ein bilderbuchähnlicher Abend. Der Weltstar verabschiedete sich vom Publikum mit Kusshändchen.
Georgina Szeless
Kulturjournalistin

