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Linz/ Landestheater: Katja Kabanowa: „Wo wart ihr, als ich noch lebte“? Peter Konwitschnys „KATJA KABANOVA“, Oper von Leos Janacek in einer Linzer Neuinszenierung nach 24 Jahren

27.04.2026 | Oper in Österreich

Linz/ Landestheater: Katja Kabanowa: „Wo wart ihr, als ich noch lebte“?

Peter Konwitschnys „Katja Kabanowa“, der dreiaktigen Oper von Leos Janacek in einer Linzer Neuinszenierung nach 24 Jahren

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Foto: Reinhard Winkler

So schrieb es die Titelträgerin Carina Tybjerg Madsen als Wunsch für ihre Grabinschrift. Peter Konwitschny hat seine eigene Auffassung von dem Ostrowski-Stück (Gewitter) eingebracht, nämlich den Handlungsort von der Wolga in einen Kirchenraum verlegt und auch einen eigenwilligen Schluss gewählt. Wer den Inhalt der Oper nicht kennt, dem hat sich nur schwerlich erschlossen, ob und wie Katja zu Tode gekommen ist. Also nicht so, wie im Libretto vorgesehen, durch Freitod in der Wolga. Unerwartete Regieansätze waren zum Beispiel, die beiden Hauptdarsteller Carina Tyberg-Madsen (Katja) und Boris (Matjaz Stopinsek) als gefiederten Engel und als Herzblatt von der Decke baumeln zu lassen oder die Gerichtsszene am Schluss, die mit Ironie die kirchliche und weltliche Macht als moralische Instanz in Frage stellen sollte. Auch Dikoj (Michael Wagner) und Barbara (Manuela Leonhartsberger) schwebten in der Höhe und landeten wieder auf der Bühne. Wer andere Inszenierungen kennt, vermisste eventuell eine deutlicher erkennbare Charakterisierung einiger Rollen: Clarry Bartha als Marfa (Katjas Schwiegermutter), Christian Drescher als Tichon (Katjas Ehemann) oder Jonathan Hartzendorf als Lehrer Wanja. Für die künstlerische Umsetzung der Bühne in Anpassung an das Stück und auch für die zeitgemäßen Kostüme zeichnete Karin Waltenberger, Elena Pierini betreute die milieutragende Chorleitung. Die sängerischen wie schauspielerischen Leistungen berührten durch ihren intensiven Einsatz für das Sujet und überzeugten in den Szenen von ihrem Mitgefühl. Hat es doch Janacek selbst so beabsichtigt mit seinem gewählten schöpferischen Thema, dass durch seine Musik die Nachwelt zu einer verstärkten Empfindsamkeit der Menschen finden möge. Seine sanften, wunderschönen Melodieeinfälle für Liebe um den Preis der Freiheit könnten aus der Romantik kommen, brutale vierfache Trommelschläge gleich zum Opernauftakt klingen in schneidender Härte der Partitur. Janacek liebte in seiner Musik schon immer die Gegensätze, Auflehnungen des singenden Volkes im sprachmelodischen Duktus des Vortrags. Seine Musik glüht vor innerer Unruhe ohne Nervosität zu erzeugen und empfindet volle Wärme für Katjas Sehnsüchte und Seelennöte ohne in Sentimentalität abzugleiten.

Die Uraufführung von „Katja“ fand 1921 in Brünn mit großem Erfolg statt. Mit seiner „Jenufa“ aus 1904 war Janacek allerdings chancenreicher. Markus Poschner stand bei der Premiere am Pult des Brucknerorchesters und holte aus der Partitur alles heraus, was seine hochkarätige Dirigierkunst beim Spitzenensemble aufzubieten hatte. Er führte „Katja“ zu einem Siegeszug des Werkes, wobei ich persönlich von seinem Herzblut für Gespür und Naturell der Musik Janaceks nicht so viel fühlen konnte, wie sonst bei anderen Komponisten.

Das Premierenpublikum im nicht ganz vollen Haus hat beifällig reagiert, wohl auch aus Wertschätzung für Peter Konwitschny, der sein Regiegastspiel in Linz bereits zum vierten Mal absolvierte.

Georgina Szeless
Kulturjournalistin

 

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