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LINZ/ Landestheater/ „Black Box“: DES ESELS SCHATTEN – DER ZERBROCHENE KRUG“ – Premiere im Musiktheater

15.03.2026 | Oper in Österreich

Linz: „DES ESELS SCHATTEN – DER ZERBROCHENE KRUG“ – Premiere im Musiktheater des Landestheaters Linz, Black Box, 14. 03.2026

Der Doppelabend mit zwei Opern von Viktor Ullmann (1898–1944) und von Richard Strauss (1864–1949) präsentiert zwei komische Werke, die inhaltlich viel gemeinsam haben, da sich beide um einen Gerichtsprozess drehen. Sie stammen von zwei Zeitgenossen, deren Lebenswege jedoch sehr unterschiedlich verliefen. Denn während Strauss der erfolgreichste deutsche Opernkomponist seiner Zeit war, der sich auch mit dem Naziregime arrangierte, wurde Ullmann in Auschwitz ermordet. So wird man durch diese unterschiedlichen Biografien bei der Kombination der beiden Opern sensibilisiert für Aspekte von Rechtsbeugung und Machtmissbrauch.“ So der Einleitungstext im Landestheater-Programm (Dramaturgie: Christoph Blitt).

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Alexandre Bianque , Jonathan Hartzendorf, Martin Schön. Foto: Herwig Prammer

DES ESELS SCHATTEN

Komödie/Singspiel, Text von Hans Adler nach Christoph Martin Wielands Roman Die Abderiten mit Musik von Richard Strauss

In sechs Bildern eingerichtet von Stephan Schaller, instrumentiert und ergänzt von Karl Haussner; Fassung für reduziertes Orchester analog zu der des „Kruges“ von Andreas Bäuml (2025), mit spezieller Genehmigung des Verlages (Schott?).

Hier geht es vordergründig um den Streit zwischen einem Zahnarzt und einem Eseltreiber, ob die Tagesmiete für das Grautier auch die Nutzung dessen Schattens für eine Ruhepause beinhalte. Dieser Konflikt erfaßt immer weitere Kreise der Stadt Abdera (im neueren deutschen Sprachraum etwa äquivalent zu Schilda), zeigt Populismus, Korruption und Intrigen auf – all das auch satirisch bezogen auf das Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der letzten Lebenszeit des Komponisten. Am Ende ist man nach viel Aufwand dort, wo der Richter schon anfangs mit einem Vergleichsvorschlag hinwollte; aber nebenher ist sehr viel kaputt gegangen…

Musikalisch ist das Werk etwas einfacher gehalten, entstand es doch auf Bitte des Leiters des Stiftsgymnasiums Ettal für eine Schüleraufführung. Da Strauss während der Arbeit der Große Gleichmacher die Feder aus der Hand nahm, wurden die Skizzen vom dortigen Musikprofessor Haussner ergänzt und schließlich 1964 zur Uraufführung gebracht. Der Librettist war übrigens mehrfach für Nico Dostal tätig.

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Martin Achrainer und Ensemble. Foto: Herwig Prammer

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Martin Achrainer, Alexandre Bianque . Foto: Herwig Prammer

 

DER ZERBROCHENE KRUG

Oper in einem Akt von Viktor Ullmann; Text vom Komponisten nach Heinrich von Kleists Lustspiel Der zerbrochne Krug; reduzierte Orchesterfassung von Richard Whilds (2017)

Das bis heute immer wieder auf den Spielplänen stehende komödiantische und satirische Meisterwerk Kleists wurde 1808 uraufgeführt. 1937 war es mit dem ersten Oscar-Preisträger Emil Jannings für die deutsche TOBIS verfilmt worden – in Hinblick auf Goebbels‘ Klumpfuß mit dem ebenso beeinträchtigten Richter Adam nicht ganz selbstverständlich… Jedenfalls wird auf dieses orthopädische Problem auch heute korrekt in der Kostümierung verwiesen.

Viktor Ullmann war, nach Berufstätigkeit in D und der CH nach der Machtübernahme der Nazis nach Prag geflohen. 1941 nahm er, trotz der andauernden Bedrohung im deutsch besetzten „Protektorat“, die Arbeit an der Kleist-Oper auf, die er auch nach Internierung in Theresienstadt fortsetzte, bis er im Oktober 1944 nach Auschwitz verbracht wurde. Diese Umstände schlugen sich auch in der Struktur der Oper nieder: war die Ouverture noch eher luxuriös dimensioniert, verknappte Ullman den Kleist’schen Text mit zunehmender Bedrohung (und damit schwindender Chance für ein Werk üblicher Länge) immer mehr, um noch rechtzeitig zu einem Ende zu finden.

Die 60 bzw. 40 Minuten langen Stücke stehen unter der musikalischen Leitung von Jinie Ka, die eine knapp 30-köpfige Abordnung des Bruckner Orchesters zu Präzision und „nach mehr“ klingender Dynamik anleitet; auch die großen und kleinen Spannungsbögen gelangen ihr erstklassig. Opernstudioleiter Gregor Horres‘ Inszenierung basiert auf den „gerichtlichen“ Parallelitäten der beiden Werke, mit sorgfältiger Personenführung. Die ist natürlich bei der für ein professionelles Ensemble gedachten Kleist-Vertonung emotionell deutlich vielschichtiger. 

Die Bühne (Ulrich Leitner) ist in erster Linie eine „sandige“ Fläche, beim „Krug“ mit einem erhöhten Richterstuhl im Zentrum – studiomäßig, wie in der Black Box üblich. Eine zusätzliche Strukturierung und Stimmungsänderung wird durch eine größere Zahl von Leuchtleisten erzielt, die präzise und stets, mittels Flaschenzugsmechanik waagerecht ausgerichtet, in verschiedenste Höhen über dem Bühnenboden eingestellt werden können.

Bianca Sarah Stummer zeichnet überwiegend moderne, charakterlich deutliche, aber auch fantasie- und humorvolle Kostüme, bei Ullman auch mit einigen Anleihen an die 1940er.

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Génesis Beatriz López Da Silva. Foto: Herwig Prammer

Hun Jeong ist mit gut fundiertem Baß der Zahnarzt Struthion und Gerichtsrat Walter, der facettenreiche Tenor Alexandre Bianque Eseltreiber Antrax bzw. Schreiber Licht. Dora Blatniczki übernimmt mit ihrem klangvollen Alt Antrax‘ Frau und Brigitte, Antonia Beteag Tochter Gorgo. Stadtrichter Philippides wie Dorfrichter Adam: Martin Achrainer mit seinem wandlungsfähigen Bariton und beim „Krug“ ausdrucksreichem Schauspiel.

Tenor Jonathan Hartzendorf kann als Advokat Physignatus und als Strobylus, Vorsteher des Latonatempels, komödiantisch, als Ruprecht emotionell glänzen. Gegenspieler Polyphonus bzw. Bedienter: Baß Martin Schön, besonders köstlich moralisch schäbig auch als mädchen- und froschschenkelsüchtiger Agathyrsus, Vorsteher des Jasontempels. Die Baritonrollen Schuster Kenteterion bzw. Veit Tümpel: Xinhang Zhou mit guter Stimme und eindrucksvollem Spiel. Georgia Cooper singt die Eve und ist als Ausruferin, in Abdera handlungserklärend, aktiv.

Nur im „Krug“ auf der Bühne: Génesis Beatriz López Da Silva als Frau Marthe Rull, die mit Ihrer Anklage über die Scherben des Kruges eine eindrucksvolle Demonstration ihres guten Mezzo bietet.

Die meisten der Vorgenannten bilden auch fallweise einen Chor oder besetzen Kleinrollen.

Hochzufriedener Applaus für zwei sehenswert eingerichtete und inszenierte kurze Opern, die nicht nur für Raritätenjäger interessant sind. Übrigens saß auch ein sehr bekannter Regisseur im Publikum – aber dazu werden wir in wenigen Wochen, bei der Präsentation der Saison 2026/2027, mehr erfahren.

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Martin Achrainer mit Ensemble. Foto: Herwig Prammer

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Ensemble. Foto: Herwig Prammer

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Schlussapplaus. Foto: Petra und Helmut Huber

 

Petra und Helmut Huber

 

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