Seltener Konzertgenuß mit dem Madrigal berühmter Komponisten (21.5.2026
Ende der intelligenten vocal.isen Konzertreihe 2025/26
Die seit langem geschätzte Konzertreihe vokal.isen im Landesmuseum beendete ihre Saison 2025/26 mit einem außergewöhnlichen Programm. Melodramen von Schubert, Schumann, Liszt und Richard Strauss standen im Mittelpunkt eines Unterfangens, das Andreas Lebeda (69) als bestbekannter spiritus rector der vocal.isen, Baritonsänger, Pianist und Gesangpädagoge der Bruckneruni mit Alexander Paley, einem herausragenden Gastpianisten aus Moldawien, auf die Beine stellte. Ein sicher riskantes Experiment, wohl von Anfang an im Hinblick darauf, dass mit wenig Publikumsinteresse zu rechnen war. Eigentlich schade, man hätte sein Wissen bereichern bezw. der alten Form und der Vielfalt des Madrigals neue Erkenntnisse abgewinnen können. Für die Sorgfalt der Vorbereitungen für den Abend muss dennoch unbedingt gedankt werden, auch für die umfangreiche Einführung von Lebeda im Einführungsteil des Programmes. Begonnen wurde mit einem Beitrag von Franz Schubert. „Abschied von der Erde“ hieß sein Fragment aus dem Gedicht „Der Falke“ und ließ die Betonung der sprachlichen Klangkomponente genießen. Danach erzielte Schumann die gleiche Wirkung mit dem balladesken Opus „Die Flüchtlinge“, überleitend zu dem Melodrama von Friedrich Nietzsche „Das zerbrochene Ringlein“ von Joseph Eichendorff. Franz Liszt erhielt die Inspiration zu seiner Ballade „Der traurige Mönch“ von Nikolaus Lenau. Übrigens, so einfach, wie man glaubt, ist der Vortrag dieser Melodramen keineswegs. Der Sänger befindet sich im spannenden Grenzbereich zwischen Sprechen und Singen, der Pianist spielt nicht zeitgleich die Worte des Sprechers. Dieser versteht sich als Vertreter einer bestimmten Rolle oder des Erzählers. Der Text hat Vorrang und ist nicht parallel dazu einfach komponiert worden. Es soll sogar speziell bei Opern der Fall gewesen sein, dass vor der Musik der Text eines Werkes vorlag und nach diesem erst die Komposition in Klang umgesetzt wurde. Umgekehrt brauchen Schauspieler – ein Beispiel war angeblich Oskar Werner – oft die Sprache der Musik und landen bisweilen über die Grenzen des Gesangs hinaus. Die Bedeutung des Klanges hat eine elementare Funktion. Die Ambivalenz von Inhalt und dem Reichtum der Form, von Intellekt und Sinnlichkeit ist teuflisch verführerisch für den „Melodramatiker“. Die Kunst einer solchen Fertigkeit, das Geheimnis einer musikgespürten und sprachgewandten Hingabe zu erfahren, davon enthielt das Programm im ausgiebigen zweiten Programmteil ein Melodrama für Pianoforte mit dem Namen „Enoch Arden“ op. 38 von Richard Strauss, getextet von Alfred Lord Tennyson . Eine spannende Erzählung vom Leben des Matrosen Enoch mit tragischem Ausgang, die auch verfilmt wurde. Lebeda investierte in das Werk so viel Liebe und Hingabe, dass er barfüssig und matrosenähnlich kostümiert die Geschichte zum Besten gab und eine visionäre Bühne in den Saal zauberte. Es war die Krönung eines interessanten Abends, den man nicht vergessen wird und der nach Fortsetzung verlangt. Auf das vocal.isen Programm der nächsten Saison im Rahmen der Landeskonzerte kann man sich freuen.
Georgina Szeless

