Wannabe BACH? – Was ist denn das für ein Konzerttitel?
Laut jüngsten Erhebungen gibt es in Oberösterreich über 1000 Gesangschöre. Als ein beträchtlicher Teil davon verdient Linz eine Chorstadt genannt zu werden. Den Beweis lieferte ein gut besuchtes Chorkonzert unter dem ungewöhnlichen Titel „Wannabe BACH ? We´re gonna get the Water“ in der Kirche St. Michael am Bindermichl in Linz. An einem wunderschönen Vorsommerabend pilgerte eine musikaffine Publikumsschar in das progressiv aussehende Gotteshaus, wohl neugierig, was denn dort, wo sich sonst gläubige Menschen zum Gottesdienst treffen, unter dem seltsamen Titel wohl zu hören sein wird. Alexander Koller, der im hiesigen Chorfach aufsteigende, viel gefragte Dirigent hat sich den ausgefallenen Plan ausgedacht, seine beiden Chöre in einem Konzert zusammenzuführen: die traditionsträchtige Linzer Singakademie, an der einst ein Anton Bruckner wirkte, und den auch schon ein Markenzeichen des Singens verkörpernden Hard Chor – the new generation mit seiner erfolgreichen jüngeren Literatur bis zur Gegenwart über die zeitgenössische Singtechnik hinausreichend. Im ersten Teil glänzte dieses Ensemble mit gleich neun Stücken von Komponisten wie etwa Henry Monk, Arrangements von Sten Kallman, Jennifer Lucy Cook, Kristopher Fulton, Nathan Howe, Paul Christiansen und im Original mit einem echten Arvo Pärt. Da wurde geflüstert, getrommelt, und es wurden sogar solistische Proben abgegeben. Denn Solisten sind ohnehin alle Vokalkünstler im Hard Chor, der übrigens im Sommer beim Mahler-Festival in Steinbach erneut seine Bewährungsprobe ablegen wird.
Konkurrenz zur Singakademie steht außer Frage. Auch diese sangesstarken Mitglieder standen vor großen Herausforderungen in dem reichhaltigen Programm aus harmonisch anspruchsvollen Stücken, die man nicht unbedingt kennen, aber lieben muss. Ein American Folk Song natürlich auf Englisch gesungen, ein estnisches Lied von Pärt Uusberg, Cantate Domino von Sir Karl Jenkins, Morning Star von Arvo Pärt und erst recht das barocke Juwel die Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“ von J. S. Bach oder Bruckners „Os justi“ ließen an perfekter Vortragskultur nichts zu wünschen übrig. Koller erwies sich genauso in der Klassik als eine von Kenntnis qualitativ tragende Chorführung, deren Ranghöhe auf einer ruhigen Effekthandlung beruht. Diesen Eindruck erzielte er auch bei der Vereinigung beider Ensembles, denen die Werke „Precious Lord“ und zwei Zugaben von Knut Nystedt sowie Rob Dietz locker von der Kehle gingen, und dies ohne die geringste Spur von Ermüdung. Das Publikum entfernte sich nur schwer, überzeugt davon, dass es ein Chorkonzert dieser Art nicht so leicht wieder erleben wird.
Georgina Szeless

