LINZ/ Kaufmännisches Vereinshaus: : WEIHNACHTSORATORIUM von Johann Sebastian Bach – Bruckner-Uni (7.12.2025)
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Jauchzet, frohlocket“ dazu hatte man allen Grund
Immer, wenn es Weihnacht wird, ist Zeit für eine Aufführung des Weihnachtsoratoriums von J.S. Bach für Soli, gemischter Chor und Orchester, und die gibt es dann an mehreren Orten und Kirchen des Landes. Man kann sich also eine beliebige aussuchen je nach Besetzung, auch auf alten Instrumenten ist das Erlebnis eine sichere Wahl. Merker war am zweiten Adventsonntag im Kaufmännischen Vereinshaus Linz, wo sich ein instrumental wie vokal perfekt einstudiertes Ensemble der Bruckner Universität zur berührenden Einstimmung für das Fest von der Geburt Christi um Bachs bekanntestes geistliches Werk annahm. Der erste Eindruck mit dem majestätischen Eröffnungschor vom Jauchzen und frohlocken war schon prägend für die Performance. Lauter Jugend auf der Bühne, freudiger Schwung, Leidenschaft, Begeisterung für die sicher den meisten Musikern neue Bewährungsprobe. Thomas Kerbl mit seiner grandiosen Auseinandersetzung am Pult wusste genau, wie man die fordernde Spannung für das Werk erzeugt und durchhält. Text und Musik auf einfache Weise in Einklang bringt, wie von selbst jede gestische Überzeichnung meidet und das Orchester und Sänger zu Höchstleistungen animieren kann. Bach macht es für Dirigenten, die lieber mit Effekten spielen, nicht leicht. Im Jahre 1734 schuf der Thomaskantor aus einer Sammlung von Kantaten, die es teils von ihm schon gab, ein sechsteiliges Oratorium. Lyrische Betrachtungen, die durch den Weihnachtsbericht aus den Evangelien von Lukas und Matthäus zusammengefügt sind. Und wie die Forschung weiß, bestand der Plan zu dem Werk schon 1733. Nicht ganz ohne Absicht, mit den schönsten Stücken aus früheren Kantaten durch einige Gelegenheitskompositionen dem angestrebten Titel zum sächsisch-polnischen Hofkompositeur zu Ehren des Fürstenhauses Nachdruck zu verleihen. Daran sei nur marginal erinnert, weil man sich mit dem Weihnachtsoratorium eben jährlich auseinandersetzt. Seine Echtheit, melodische Schönheit und staunenswerte, knappe Geschlossenheit lässt keine Meinung von einem Torso aufkommen. Auch zu Lebzeiten Bachs ist die Komposition nie auf einmal aufgeführt worden. Von den sechs Teilen standen diesmal Teil I, II und III auf dem Programm mit der Dauer von insgesamt neunzig Minuten. Eine Überforderung der Ausführenden war daher ausgeschlossen. Die Studenten, angehende Musiker boten fabelhafte Leistungen. Den Sängern (Sopran, Alt, Tenor und Bass) gebührt in Summe ein lautes Pauschallob. Es waren ihrer elf, aufgeteilt nach diversen Rollen. Auch im Orchester, ob Streicher, Bläser oder der Pauke, spürte man durchwegs Qualitätsmerkmale für eine berufliche Zukunft. Die Chöre glänzten durch ihre einwandfreie Deklamation und präzisen Erzählton. Resümee: Dieses Weihnachtsoratorium der Bruckner-Uni hat die gewohnte Reihe der vielen anderen Aufführungen wesentlich bereichert und wird noch lange in Erinnerung bleiben. Nächstes Jahr wird der IV, V und VI Teil des Werkes zu hören sein.
Leider ist der Vereinshaussaal diesmal nicht voll geworden. Umso lauter war der Beifall. Für die Interpreten und eigentlich für Bach selbst, wie es mir in den Sinn kam. Weil es doch immer eigentümlich zu sein scheint , dass bei Bach die Jahre über den Künstler in ihm nichts vermögen. Mit 50 Jahren vermag er noch so „jugendliche“ Musik zu schreiben wie mit 25.
Georgina Szeless

