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LINZ: GÖTTERDÄMMERUNG -Der „Ring“ ist für Linz Geschichte

18.05.2015 | Oper

LINZ/ Musiktheater: 17.05.2015 – Götterdämmerung

 Mit dieser letzten Götterdämmerung (der 7. Aufführung) ging das ambitionierte Projekt – „Der Ring des Nibelungen“, das mit dem Rheingold am 26.10.2013 zur Eröffnung des neuen Musiktheaters begonnen wurde zu Ende und es steht zu befürchten, dass in Linz wieder eine „ringlose Zeit“ bevorsteht, die aber diesmal hoffentlich nicht wieder mehr als 40 Jahre dauern möge. Der Aufwand und die Bemühungen haben sich jedenfalls gelohnt – das Ergebnis war beeindruckend.

 Das Haus mit seiner hervorragenden Akustik hat sehr zum guten Gelingen beigetragen und bescherte auch den etwas kleineren Stimmen passable Wirkung. Das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Dennis Russel Davis präsentierte sich als gutes Opernorchester mit gefühlvoller Sängerbegleitung und hoher sinfonischer Kompetenz. Der Trauermarsch gelang in einer selten zu hörenden Eindringlichkeit – der etwas verhaltene Beginn ermöglichte eine eindrucksvolle Steigerung bis nahe an die Schmerzgrenze – eine beeindruckende Interpretation. Leider wurde im Finale der Götterdämmerung und somit des gesamten Ringes die Botschaft des Werkes: „Hoffnung auf eine erneuerte Welt mit Liebe statt Gier“ etwas verwischt – die Bläser dominierten und verhinderten damit den sonst so psychedelischen Streicherklang im Erlösungs/Liebesmotiv.

 Die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg tat auch in der Götterdämmerung nicht weh – die Vergewaltigung der Brünnhilde durch Siegfried in Verkleidung als Gunther löste nicht nur bei uns unverständliches Kopfschütteln aus. Mehr ist zu der bereits öfters beschriebenen Regie incl. Bühnenbild nicht zu sagen.

 Der Gesamteindruck der Gesangssolisten wurde durch die krankheitsbedingte Absage von Albert Pesendoefer beeinträchtigt – Zelotes Edmund Toliver sprang kurzfristig als Hagen ein und ist deshalb nicht fair zu beurteilen.

 Die Hauptrollen waren wieder gut besetzt, sodass ein durchaus positiver Gesamteindruck zurückblieb:

 Elena Nebera war auch in der Götterdämmerung eine mächtige Brünnhilde, die ihre hochdramatischen Fähigkeiten eindrucksvoll präsentieren konnte – im dritten Akt hörte man an der Interpretation, wie furchtbar schwer diese Partie ist. Manche Schärfe in der Höhe und manches Vibrato zeigte die Grenzen der Leistungsfähigkeit an – sie wurden aber nie überschritten.

 Auch Lars Cleveman war wieder ein robuster Heldentenor, der den Siegfried ohne Probleme bewältigte – in der Götterdämmerung wäre allerdings stellenweise ein etwas lyrischerer Ausdruck erwünscht.

 Die drei Nornen sorgten gleich zu Beginn für eine hochqualitative, mystische Wagner – Stimmung, die in erster Linie Bernadett Fodor zu danken war. Ihr kräftig tönender, wunderbar samtiger Alt, der uns schon als Erda begeisterte, dominierte auch das Nornen-Trio und wurde von Karen Robertson und Brit-Tone Müllertz passabel unterstützt. Bernadett Fodor sorgte in der Folge als Waltraute für einen der Höhepunkte des Abends – sie wurde beim Schlussapplaus verdientermaßen  bejubelt.

 Bjorn Waag hat für den Alberich die nötige Bedrohlichkeit in der Stimme, ohne seinen sauber und schön klingenden Bariton verbiegen oder verquetschen zu müssen – eine stimmliche Idealbesetzung.

 Die Gibichungen wirkten – durchaus rollengerecht – etwas farblos. Seho Chang war ein schwacher Gunther; Sonja Gornik stand in jeder Hinsicht im Schatten der Brünnhilde.

Claudia Braun-Tietje, Gotho Griesmeier und Kathryn Handsaker sangen die Rheintöchter passabel, sie werden aber eher wegen ihres Outfits als „Damen des Rotlichtmilieus“ aus der Bar „Zum Rheingold“ in Erinnerung bleiben. Es passiert öfters, dass Opernsängerinnen, die verrucht und verführerisch wirken sollen, eher lächerlich bis peinlich ankommen. In diesem Fall ist unser persönlicher Eindruck: gerade noch ok – aber hart an der Grenze!

 Chor und Extrachor des Landestheater Linz gehörten zu den Pluspunkten des Abends – sie waren dafür verantwortlich, dass in die sehr statische Inszenierung fallweise doch etwas Leben gekommen ist.

 Die vier Ausflüge zum Linzer Ring haben sich für uns jedenfalls gelohnt:

ansprechende Wagner–Aufführungen in einem symphatischen, gemütlichen Haus

 – mehr kann man wirklich nicht erwarten.

 Maria und Johann Jahnas

 

 

 

 

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