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Linz: „DIE NÄCHSTE RUNDE!“ – Vorstellung und Konzert am Musiktheater des Landestheaters, Hauptfoyer, 16. 12.2018

17.12.2018 | Themen Kultur

Linz: „DIE NÄCHSTE RUNDE!“ – Vorstellung und Konzert am Musiktheater des Landestheaters, Hauptfoyer, 16. 12.2018


Ensemble mit Purcell’s Dioclesian (vor dem Hintergrund des Christkindlmarktes im Volksgarten). Foto: Petra und Helmut Huber

Eine Veranstaltung der „Freunde des Linzer Musiktheaters“ in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Linz

Das Opernstudio des ist eine postgraduate-Akademie für junge Opernsängerinnen und Opernsänger, die von der Anton-Bruckner-Privatuniversität und dem OÖ. Landestheater gemeinsam betrieben wird. In dieser Konstellation mit Einbeziehung einer Hochschule ist das in Österreich das einzige derartige Institut, und auch in Deutschland gibt es nur zwei Akademien in dieser Art.

Neben sängerischer Weiterbildung an der Bruckner-Uni, auch mittels Meisterkursen, umfaßt das Opernstudio auch eine praxisorientierte Heranführung an ein hinsichtlich Musiktheaterepochen und Genres möglichst umfassendes Repertoire, auch in möglichst vielen Librettosprachen. Dies geschieht sowohl durch szenische Eigenproduktionen (zuletzt, noch zweimal zu sehen: „The Transposed Heads“) wie durch Beteiligung an „großen“ Produktionen des Landestheaters, der Reihe „Oper am Klavier“ oder durch Liederabende. Außerdem gibt es Anleitungen, z. B. in der Herstellung von Demo-CDs und der Gestaltung von Vorsingen. Der erste Kurs dieser Art ist mit Ende der Saison 2017/18 zu Ende gegangen; vier von 6 Teilnehmern hatten bei Ende des Kurses auswärtige Fixengagements.


 v. l. Horreis, Holzer, Blitt. Foto: Petra und Helmut Huber

Chef dieses Kurses ist Gregor Horres, sein Partner seitens der Uni ist Robert Holzer, Direktor des Institutes für Gesang und Musiktheater. Für die neuen Engagements wurden 350 online-Bewerbungen mit je drei Arien gesichtet, 80 Personen wurden zum Vorsingen nach Linz in die Bruckneruni eingeladen. Von diesen kamen schließlich 20 in die Endauswahl, die im großen Saal des Musiktheaters stattfand.

Nun sind „6 Mitglieder aus 8 Nationen“ (!), die übrigens auch schon eine größere Zahl von Preisen in ihren Taschen haben, neu im Opernstudio (2x Sopran, Mezzo, Tenor, Bariton, Baß), und diese haben sich am Sonntagvormittag gemeinsam dem Publikum vorgestellt. Durchs Programm führte, nebst Umrahmung durch Musiktheaterfreunde-Präsident RegRat Peter Rieder, Musiktheater-Chefdramaturg Christoph Blitt.

Mit Jinie Ka am Flügel hörten wir ein gemischtes Ensemble- und Soloprogramm: Gemeinsamer und sehr präziser Beginn mit „Let all rehearse in lofty verse“ aus Henry Purcells „Dioclesian“, demnächst als „Oper am Klavier“ zu hören. Unterbrochen von einem round-table Gespräch des Moderators mit Horres und Holzner traten dann die Solisten auf:

Die Münchner Mezzosopranistin Florence Losseau machte den Anfang mit „Vani sono i lamenti – Svegliatevi nel core“ aus Georg Friedrich Händels „Giulio Cesare“: wie schon in ihrer Rolle des Annio in Mozarts „Clemenza“ glänzte sie mit kontrollierter, samtiger Stimme mit sehr gut fundiertem unteren Register bei sicheren Höhen, sauberster Diktion und sehr gut dosierter Dramatik. Der aus Aalen in Baden-Württemberg gebürtige, in den USA aufgewachsene und mit Abschluß am NEC in Boston ausgebildete (also schon zwei Nationen) Tenor Rafael Helbig-Kostka setzte mit Taminos Bildnisarie fort. Feine lyrische Stimme, lebt die Emotionen in Stimme und Ausdruck mit, sehr „sprechende“, lebendige und frische Interpretation dieses hunderte Male gehörten Stückes!

Der Bass des Sextetts, dem Österreicher slowenischer Herkunft Philipp Kranjc, mit Abschluß aus Salzburg, blieb bei Mozart: „Aprite und po‘ quelgi occhi“ aus dem Figaro wurde von ihm mit gut fundierter Stimme, Eleganz und Beweglichkeit dargebracht. Auch er ist schon auf der großen Bühne des Musiktheaters gestanden – der kurze Einsatz als Steuermann im Tristan muß sitzen, da gibt’s keine zweite Chance…

Die Ungarin Etelka Sellei, Abschluß an der Wiener Musikuniversität, ließ ihre Stimme mit der „Juwelenarie“ (Les grands seigneurs… Que vois-je là….. Ah je ris) aus dem Gounod’schen „Faust“ funkeln und tanzen. Schon in den „Transposed Heads“ von Peggy Glanville-Hicks konnten wir uns vor einigen Wochen von ihrer Qualität als Protagonistin überzeugen.

Schon bei letzterer Premiere hatte uns der nordirisch-britische Bariton Timothy Connor (studierte u. a. an der Guildhall School in London) sehr überzeugt, und diesen mit etwas von Britten zu hören tauchte damals als Wunsch auf: voilà! Er hatte „But I had to strike down“ aus „Billy Budd” mitgebracht und machte seine Sache wirklich sehr gut: ausdrucksstark, vom machtvollen Ausbruch seiner vorzüglich basierten Stimme bis ins feinst kontrollierte ppp!

Schließlich stellte sich eine fast schon alte Bekannte vor – Svenja Isabella Kallweit, gebürtig aus Deutschland, am Wege zum Master an der Musikuniversität Wien, war hier schon im Vorjahr in der prachtvollen „Frau ohne Schatten“ als Falke und Hüter der Schwelle sehr positiv aufgefallen. Ihr blieb die etwas gemeine Aufgabe, mit ihrer durchaus großen Opernstimme operettengemäße Leichtigkeit zu demonstrieren (und  noch dazu aus nicht wahnsinnig viel Substanz was Herzeigbares zu machen!), was sie mit der Arie der Jadja „Spiel auf deiner Geige“ (Venus in Seide, Robert Stolz) auch sehr gut meisterte.


v. l. Helbig-Kostka, Sellei, Kallweit, Ka, Losseau, Kranjc, Connor. Foto: Petra und Helmut Huber

Mit Operette wurde auch das Finale bestritten: Das Duett Suza/Casimir („Katzenaugen“) aus der erst vor wenigen Jahren „wiederentdeckten“ Operette „Die Polnische Hochzeit“ von Joseph Beer, die hier auch bald als Studioproduktion Premiere haben wird, wurde von Frau Losseau und Herrn Connor mitreißend, mit Lust und Vergnügen vorgestellt, unterstützt von den restlichen vier als Chor. Nicht unwesentliche Fußnote: auf der Erstaufnahme dieser Operette unter Ulf Schirmer mit dem Münchner Rundfunkorchester von 2015 ist auch Florence Losseau (als Stasi) zu hören.

Eine höchst genußreiche und vielversprechende Matinee, die auch für die Zukunft der jungen Künstler optimistisch stimmt!

Petra und Helmut Huber

 

 

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