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LINZ/ Brucknerhaus: NEUJAHRSKONZERRT – das „andere Neujahrskonzert“ in Linz

02.01.2026 | Konzert/Liederabende

Das andere Neujahrskonzert im Brucknerhaus Linz

Vielleicht war das Publikum des Brucknerhauses am Nachmittag des 1. Jänner 2026 noch nicht ganz von den Silvesterfeiern ausgeschlafen. Es zeigte nämlich wenig Bereitschaft für das Neujahrskonzert mit einem etwas ungewöhnlichen Programm. Der Kontrast zum Silvesterkonzert am Vorabend war bewusst gewählt und – wie sich später herausstellte – verwandelte sich die Müdigkeit nach der Pause bis zum Schluss in ein begeistertes Konzertende im gesteckt vollen Saal des Brucknerhauses. Auch das Bruckner Orchester kam danach so richtig in Fahrt und konnte alle seine Qualitäten ausspielen. Hans Graf, Chef des Singapore Symphony Orchestra seit 2020, war hier kein Unbekannter am Pult und als Österreichischer Musiktheaterpreisträger ein sicherer Garant für solide Aufführungen, mit denen er nicht nur in Salzburg jahrelang auch als Operndirigent reüssierte.

Die Sympathien für ihn beim Bruckner Orchester waren spürbar, die herzliche Zusammenarbeit stieg im Verlauf des Programmes, in dem Graf die französische Musik ins Zentrum gestellt hatte. Bekanntlich ist der Zugang zu Maurice Ravels  (1875-1937) Musik nicht ganz einfach, mag sein Name populärer sein als die meisten Werke des baskischen Westeuropäers auf französischem Boden mit etwas spanischen Einschlag. Er galt schon früh als sehr bewusst individueller Komponist mit eigenen Ideen, unbeeinflussbar von Modeerscheinungen und Stilrichtungen, ganz auf sich selbst konzentriert, wollte man ihn mit etwa seinem Zeitgenossen Debussy vergleichen. Ravels „Le tombeau de Couperin“ M.68a in vier Teilen aus den beginnenden Zwanzigerjahren, ist ein feines Klanggespinst mit diversen Farben, die elegant im kontrapunktischen Feld changieren.. Die etwas früher entstandene fünfteilige Ballettmusik mit einer Prelude „Ma mère l´Oye“ op. 62 entführte in die Märchenwelt von Dornröschen, klanglich zwischen Herbheit und Süße erzählend und auf typisch Ravelsche Art wie aus verträumter Agonie zur Realität gelangend. Bis gerade im richtigen Moment instrumentale Soloeinsätze zu Kontraststeigerungen führen und dem Werk einen leicht sakralen Charakter geben. Man bedenke, dass Ravel nur wenig Werke für das Theater geschrieben hat. Die Affinität zum russischen Kompositionsgeist sollte sich ihm in diesem Zusammenhang erst später öffnen. Ravels ganze schöpferisch überlegene Virtuosität, seine ungezwungene Schnelligkeit, mit der er eine wunderbare Vollkommenheit erreicht, brauchte eine fundiertere Sicht auf seine Entwicklungszeiten. Um hier jene Ravels zu überspringen, lenkte weiter das festliche Neujahrsprogramm zu seinem Zeitgenossen Paul Dukas (1865-1935). Ehe dessen Fanfare pour précéder „La Péri“ 1912 temperamentvoll und spritzig primär die Blechbläserqualität des Bruckner Orchesters genießen ließ, sorgte die Textdichtung „Der Zauberlehrling“  1896-97 nach Goethe für eine musikalische Abwechslung in höchster gestalterischer Ausführung. Dukas gelang mit dem Juwel nach seiner einzigen Symphonie ein Spagat zwischen dem formalen Versuch eines Scherzos und effekthafter Ausdeutung der Textvorlage.

Endlich als letzter Programmpunkt wieder Ravel und sein „Bolero“ aus dem Jahr 1928, sein vielstrapazierter Sensationshit, der fast eine halbe Stunde Musik bietet, ohne das Ohr loszulassen. Eine geniale Crescendo Studie, ein Volltreffer, d a s Unikat der Musikliteratur, das nur zu bewundern ist. Am meisten das Durchhalten der Musiker, denn leicht kann es nicht sein, die konstanten Tempi ohne Ausrutscher, dir Präzision der Einsätze, die Modulationsübergänge, kurz das ganze Format ohne Leierkastenspiel zum wahren Vergnügen zu demonstrieren. Hans Graf machte es viel Freude und Spaß und vergaß auch nicht, dem aufgeweckten Publikum ein PROSIT NEUJAHR zuzurufen.

Es mochte ihn. Er sollte wieder kommen !

 Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

 

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