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LINZ/Brucknerhaus: Konzert an Bruckners Geburtstag im Brucknerhaus am 4. September 2026

05.09.2026 | Konzert/Liederabende

Russische Geburtstagsgrüße an Anton Bruckner unter Stardirigent Riccardo Chailly

Anton Bruckner – Wikipedia
Anton Bruckner

Auf sein jährliches Festival in der Linzer Stadt, wenn andernorts sich die Konzertgäste langsam zurückziehen, muss Anton Bruckner auf sein traditionelles Fest noch ein paar Tage warten. Die Eröffnung des Brucknerfestes mit dem unverzichtbaren Aufhänger, der Linzer Klangwolke, ist für den 13. September anberaumt und trägt den Erwartungstitel ENDLICH. Doch es war mehr als eine aufmerksame Geste, den 202. Geburtstag des Genius loci am 4. September mit einem sensationellen Geburtstagskonzert zu begehen. Leider dürfte dem Publikum nicht bekannt gewesen sein, welch großartiges Geschenk man sich für den Jubilar ausgedacht hatte. Nämlich die Einladung des international renommierten Stabführers Riccardo Chailly am Pult seiner Filarmonica della Scala, dessen Linzer Gastdirigat bereits 17 Jahre zurückliegt, und im Übrigen kaum ein Klangkörper der Welt von der Exzellenz dieses Stars nicht schon erfahren hätte. Amsterdam, Berlin, Leipzig, überall war man um sein Engagement als leitender Orchesterchef bemüht, zuletzt war von einer Verlängerung seines Vertrages in der Schweiz bis zum Jahre 2028 zu lesen.

Jetzt bleibt nur noch übrig, den Grund für den nicht ausverkauften Abend bei der Wahl eines nicht orthodoxen Programmes fern von jeder Standardisierung zu vermuten. Chailly entschloss sich für Werke durchwegs russischer Komponisten, für Sergei Rachmaninoff und Pjotr Iljitsch Tschaikowski, wobei zu bemerken wäre, dass Anton Bruckner vornehmlich das Schaffen von Tschaikowski zu schätzen wusste und besonders für dessen sinfonisches Werk ein Faible hatte. Die 4. Sinfonie f-Moll op. 36 aus dem Jahr 1877 mit ihrer Rückkehr zur Symmetrie, der harmonisch-melodischen Kombination, bringt sie auch keine weiteren Überraschungen, mochten den formalen Perfektionsgeist Bruckners sicher gerührt haben, ohne irgendwelche subjektiv bestimmende Parallelen zu suchen. Das eingangs wunderbare Grundmotiv aus wenigen Tönen prägt alle Sätze, bringt Stimmungswechsel klanggerecht in Gang, allerdings äußerst anspruchsvoll zu realisieren, was den italienischen Musikern nicht die geringste Mühe abverlangte. Es wurde mit Inbrunst musiziert, Chaillys für die Musik entflammten Zeichen ließen sein Herzblut fließen und  

in die Tiefe seiner Seele leuchten. Die Tragik der Sinfonie ergibt sich aus dem biografischen Zusammenhang des Inhalts. Tschaikowskis Briefwechsel mit seiner Gönnerin Nadeschda von Meck gibt manche Aufschlüsse über sein  

schicksalhaftes Befinden. Sechs Sinfonien hat Tschaikowski geschrieben, die Vierte unterscheidet sich von den vorigen wesentlich auch durch ihr geheimes Programm, das auf die Bezeichnung einer „Schicksalssinfonie“ hindeutet.

Russisch mit anderen Vorzeichen gab sich der erste Teil des Abends. Und zwar zunächst mit der sinfonischen Dichtung von Tschechow, vertont von Sergei Rachmaninoff. Als er 1893 sein ihn – wie viele seiner Zeitgenossen -, getrieben von den zahlreichen weltpolitischen Beben seiner Zeit, 1917 die Oktoberrevolution zur Flucht veranlasste. Diese dunklen Gedanken an den in Nowgorod geborenen Komponisten Rachmaninoff konnte man leicht verbannen, als sein viertes Klavierkonzert g-Moll op. 40 der russische Wunderpianist Alexander Malofeev (24) mit atemberaubender Technik aus dem Klavier zauberte. Seine unaufdringliche Virtuosität ohne Effektbetonung, jeden Takt mit inhaltlich logischer Phrasierung versehen, beherrschte er einen facettenreichen, farbigen Anschlag, wie ihn Künstler seiner Generation und Souveränität nicht leicht erreichen. Auszeichnungen und Preise für ihn sprechen  jetzt schon Bände. Ein spontanes „Bravo“ aus dem Publikum ließ ihn noch zu einer Zugabe (Rachmaninoff) bewegen. Ein selten programmierter Abend. Ganz würdig unserem Geburtstagskind Anton Bruckner!

Georgina Szeless

 

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