Im Glück mit den Wiener Symphonikern im Brucknerhaus am 22.1.2026
Aufbruchstimmung im Brucknerhaus Linz. Ein volles Haus, wie es sich Direktor Norbert Trawöger gewünscht hat, neue Besucher, neue Stars, es ändert sich viel gegenüber der vorhergehenden Saison. Am Donnerstag trafen sich auch bisher eher seltene Namen von Künstlern und wurden mit frenetischem Beifall im Brucknerhaus vorgestellt. Alexander Soddy, mit seinen erst 43 Jahren ein in aller Welt gefragter britischer Pultstar, stand am Konzertpult der Wiener Symphoniker. Das allerdings hier vermutlich erstmals. In Wien hat er sich bereits mit Bravour eingeführt und spontan davon überzeugt, dass ihn mit dem traditionsreichen Orchester Österrreichs eine ideale Partnerschaft verbindet. Sein bedächtig aufgebauter Karriereweg sorgt für den Eindruck einer souveränen Pultgröße und dem Besitz eines enormen Repertoireumfangs. Bis 2016 war Soddy Chefdirigent am Staatstheater Klagenfurt, vorher Kapellmeister an der Staatsoper Hamburg und ist derzeit ständiger Gast in internationalen Opern- und Konzerthäusern. Höchste Zeit also für Linz. Rasch stellten sich die Sympathien ein. Soddy hält nichts von Showgebärden oder Auftrumpfen mit persönlich übertriebener Geste. Mit ruhiger Überlegenheit begann er sein global (deutsch, russisch, englisch) ausgesuchtes Programm, ausgerichtet auf Präzision, gestalterische Ausformung und dynamische Flexibilität. Das gab Wagners Vorspiel und Isoldens Liebestod aus „Tristan und Isolde“, besonders in der Wahl der Tempi und emotionaler Tiefe, auch in der Konzertform jene Illusion von der gesamten Tragik in dem Werk, wie man es von der Gesamthandlung kennt. Auf Wagners Oper dann der russische Komponist Sergei Prokofjew mit seinem 2. Violinkonzert g-moll op. 63, dessen atemberaubende virtuose Anlage der US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln Augustin Hadelich sensationell gestaltete. Ein einziger Traum angesichts dieser unglaublichen Ideenfülle der drei Sätze zu einer Geschlossenheit verbunden. Die geforderten Symphoniker verhalfen in allen Stimmgruppen zu einem Ereignis maßstäblicher Größe. Prokofjews Werkwiedergabe in den Anforderungen so authentisch zu entsprechen, ist für gewöhnlich nicht immer der Fall. Der „Weltenbummler“ hat nicht weniger als sieben Sinfonien geschrieben und seinen wandelbaren Stil auch in seinen Solokonzerten (Klavier) praktiziert. Zwischen seinem ersten 1917 und dem 1935 entstandenen zweiten Violinkonzert, das uns präsentiert wurde, vergingen nicht weniger als 18 Jahre. Die beginnende Ära „Neue Einfachheit“ kennzeichnet somit Prokofjews Schaffensmerkmale in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Publikum war so begeistert von Hadelichs Interpretation dieses Violinkonzertes, dass er noch eine Zugabe spielen musste. Das etwas amerikanisch gefärbte, jazzige Stück gewann noch einmal die Herzen seiner Zuhörer. Als dritten Programmpunkt wurde vielleicht ein Bruckner erwartet. Aber es wurde mit Edward Elgars „Enigma Variationen“ very british. Ein Hans Richter hat 1899 die nicht unbedeutende Komposition, mit der Elgar ein wesentlicher Durchbruch gelang, in London uraufgeführt und schreibtechnisch damit manche Rätsel aufgegeben. Die 14 melancholischen Themen sind mit Chiffren versehen und verbergen jeweils eine andere Melodie, die allerdings niemals gefunden wird. Gemeint sind Porträts von Freunden, die mit Elgars Frau Caroline Alice beginnen und mit der Schilderung der Persönlichkeit des Komponisten enden. Nach Elgar begebe man sich also auf die Suche. Die musikalischen Zitate, etwa der Bach-Choral „Eine feste Burg …“ oder die Passage aus einer Mozart-Symphonie könnten vielleicht entdeckt werden. Das Rätselraten überließen Soddy und die Symphoniker dem Publikum und verabschiedeten sich lieber mit zwei Encores aus Straussens walzerseligem Musikreichtum.
Georgina Szeless
Kulturjournalistin

