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LINZ/ Brucknerhaus: Helsinki Philharmonic Orchestra unter seinem Chefdirigenten Jukka-Pekka-Saraste

25.11.2025 | Konzert/Liederabende

LINZ/ Brucknerhaus: Stürmischer Jubel für finnisches Orchester im Brucknerhaus am 25.11.2025

Schon lange nicht mehr war ein finnisches Orchester zu Gast in Linz. Entsprechend herzlich begrüßt wurde gestern Abend das Helsinki Philharmonic Orchestra unter seinem Chefdirigenten Jukka-Pekka-Saraste im Brucknerhaus zur Eröffnung der Reihe des Großen Abonnements in der Saison 2025/26. Dem neuen Führungsteam ist für die Gelegenheit aufrichtig zu danken. Das Haus war zwar nicht ausverkauft (geschlossener Balkon) aber das reichlich erschienene Publikum kam schon aus Neugier wegen eines nicht alltäglichen Programmes größtenteils mit Werken von Jean Sibelius (1865-1957) spätromantischer Prägung. Die finnischen Gäste spielten mit spürbarer Freude gerne in einem Konzerthaus, das von ihrem heimischen Architekten Heike Siren erbaut wurde.

Am Beginn stand eine österreichische Erstaufführung der finnischen Komponistin Outi Tarklainen (Jg. 1985) mit dem Titel Songs of the Ice mit dem aktuellen Inhalt des Klimawandels. Das Werk ist dem Okjökull Gletscher gewidmet, der 2014 für tot erklärt und Islands erstes Opfer für diese unausweichliche Veränderung in der Natur wurde. Klagende Holzbläsersoli künden im übertragenen Sinn von gequälten Menschen einer Katastrophe, Piccoloflöten treten warnend hinzu und die Streicher treten zuletzt als Trostspender auf. Trost für den unerbittlichen Zustand im Lande, wo alles immer wieder von vorne beginnt, aber nie mehr so sein wird wie vorher. Ein grandioser Wurf der Verarbeitung mit spannenden Ideen für den musikalischen Inhalt. Auf das aktuelle Stück folgte Igor Strawinskis Violinkonzert in D aus dem Jahr 1931 mit dem Geigenvirtuosen Pekka Kuusisto, der auf seiner Stradivari die anspruchsvollen Soli zu seiner eigenen Freude faszinierend vortrug. Seltsam, wie ungern sich hingegen der russische Meister der Ballett russes mit dem Genre eines Violinkonzertes befasste. Es brauchte Zuspruch von Kollegen, darunter etwa Paul Hindemith, bis er sich nach seiner russischen Zeit des Neoklassizismus, den Strawinski überstrapaziert fand, verabschiedete, und auch für seine barocken Anklänge kein Verständnis fand. Sein Violinkonzert ist ein Meisterstück geworden, wohl mit stilistischen Annäherungen an die Zeit und  trotz ungewöhnlicher Pointen. Oder frappierenden Neuerungen, nimmt man als Beispiel den mit Capriccio betitelten Finalsatz, der sich zu einem Duett des Solisten mit dem Orchester steigert. Ähnlich dem Bachschen Doppelkonzert für zwei Violinen in d-moll BWV 1043, denkt man an die „Brandenburgischen Konzerte“ des Barockgenies.

Als Hauptwerk des Abends war endlich die spezifisch nationalfinnische Symphonie Nr. 1 e-moll op. 39 von Sibelius an der Reihe. Man verstand die Sprache des Finnen und liebte sie auf Anhieb. Die leittonfremde Melodik, die eigenwilligen Harmoniefolgen, die abfallenden Quart- und Quintensprünge, zum Genuss wurde auf einmal das Flackern der Form, der Wechsel der Stimmungen, diese unverkennbare elementare Kraft in der schroffen Gegensätzlichkeit. Immerhin schuf Sibelius nicht weniger als sieben Sinfonien. Der symphonische Erstling wurde ein Erlebnis aus den Händen von Jukka-Pekka Saraste. Er führte am Pult das Werk mit Herzblut und imponierte durch eine leidenschaftlich-kluge Führung seines Orchesters. Laute, lang gespendete Bravi holten ihn zweimal auf die Bühne.

 Georgina Szeless
Kulturjournalistin

 

 

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