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LINZ/ Brucknerhaus: Frühjahrskonzert der Linz AG Musik. Ein Blasorchester spielt Opernmusik von Verdi

17.04.2026 | Konzert/Liederabende

Ein Blasorchester spielt Opernmusik von Verdi

In großem Format, auf hohem Niveau gab das große Blasorchester der LINZ AG Musik im vollen Brucknerhaus sein Frühjahrskonzert unter der Leitung des sympathischen wie kompetenten Dirigenten Paul Kusen und riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Wie es eben von diesem traditionellen Klangkörper alljährlich zu hören ist, der von Leidenschaft und Freude geprägt ist, was nur mit viel Probenarbeit, ständigen Übungsstunden neben dem Beruf zu erreichen ist. Blasmusik hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, man denke nur an die sommerlichen Konzertangebote auf Freiplätzen, wo sich die Menschen scharen, wenn stimmungsreiche Klänge aus diesen Instrumenten in den Äther steigen.

Schon die passende Programmwahl erfordert Erfahrung und Wissen, wie weit das Angebot, meist bestehend aus Bearbeitungen, gehen kann, um die Musiker zu fordern und nicht zu überfordern. Was das betrifft, hat man voll ins Schwarze getroffen. Giuseppe Verdis Ouvertüre zu seiner Oper „La forza del destino“ gelang als ein wunderbarer Einstieg, pointierte das Geschehen des tragischen Werkinhalts treffend, rhythmisch sauber, weich artikuliert, ja, kaum zu fassen, wie auf einer Opernbühne klangecht nachgezeichnet. Danach ein Werk („Outback“) mit „australischen Hörnern“ (Didgeridoos) des Linzer Komponisten Thomas Doss, das erst nach harmonischer Auflockerung ehrliches Gefallen fand. Es folgte die große Überraschung mit der Präsentation des weltbesten Hornsolisten Felix Klieser, geboren 1991 in Göttingen, der in Mozarts Hornkonzert Nr. 2 die Ventile allein mit Beinarbeit und Zehen unvorstellbar virtuos meisterte. Schon in Kindesjahren verliebt in sein Instrument und in der Folge speziell ausgebildet, reist er mit diesem physischen Manko (ein Hornist ohne Arme) praktisch um die ganze Welt. Er wird als der beste seines Faches gefeiert. Mit standing ovations bedankte das Publikum seine phänomenale Leistung und entlockte Klieser auch noch eine Zugabe.

Die Pause gab viel Anlass zu manchen Gedanken nach diesem Erlebnis und machte Platz für weitere Höhepunkte des Abends. Ob diese von dem Florentiner Marsch von Julius Fucik, der populären Rhapsody in Blue von George Gershwin, dem ungarischen Dauerbrenner Éljen a Magyar von Johann Strauß Sohn oder von Don´t Stop Believin von Journey gesetzt wurden. Was unbedingt löblich zu erwähnen ist an diesem Konzert, war die Einführung zu jedem Stück durch den Moderator Thomas Rizy, Bassgeiger des Ensembles, der aus seinem Hintergrundwissen zu Werken und Komponisten trefflich und professionell zu erzählen wusste. Ich ernenne ihn hiermit als einzigen Streicher unter seinen Kollegen zum Bläserkaiser.

 Georgina Szeless

Kulturjournalistin

 

 

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