Voll des Lobes für den jubilierenden „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn-Bartholdys Sinfonie-Kantate im Brucknerhaus durch den Brucknerchor Linz unter der Leitung von Martin Zeller
Der Brucknerchor Linz hatte zur Feier seines 80jährigen Bestehens einen Riesenerfolg mit einer in jeder Hinsicht beachtenswerten Aufführung der 2.Sinfonie von Mendelssohn mit Martin Zeller am Pult. „Lobgesang“, eine Symphonie-Kantate nach Worten der Heiligen Schrift, lautet heute der volle Werktitel und hat sich auch mit dieser Bezeichnung im Konzertbetrieb durchgesetzt. Leider eigentlich viel zu wenig. Es erübrigt sich jede Frage längst, ob es sich um eine Symphonie oder einer Kantate handelt. Fest steht, dass Mendelssohn für sein Opus 52 vor der Vollendung noch nach einem geeigneten Schluss suchte. Die Umgestaltung zu einem oratorischen und sinfonischen Werk war wohl beabsichtigt. Daher der große letzte kantatenartige Teil mit dem Choral, ein von den Chören mit Liebe gestaltetes Stück Musik. Bestellt vom Leipziger Rat, gedacht für das Leipziger Fest zur 400 Jahrfeier der Erfindung der Buchdruckkunst, die es gebührend mit einer festlichen Komposition zu feiern galt. Aus einem Guss entstand das Werk allerdings nicht. Einen Freund hat Mendelssohn in die Entstehung mit folgenden Bemerkungen eingeweiht: „Vier neue Stücke kommen noch hinein, und auch in den drei Symphoniesätzen, die schon beim Abschreiben sind, ist vieles verbessert“. Sollte es eine Sinfonie oder eine Kantate sein? Das sinfonische Schreiben war Mendelssohn von Jugend an vertraut. Sein umfangreiches Schaffen, das fast alle Genres der Musik umfasst, galt immer wieder der Sinfonie. In seinem kurzen Leben (1809-1847) schrieb er fünf Sinfonien und vorher schon zwölf „Jugendsinfonien“ für Streicher, und doch begegnet man seinem Namen weniger als Sinfoniker auf den Konzertprogrammen.
Mit Ausnahme seiner Solokonzerte, einer reichhaltigen Kammermusik oder seinen Klavierliedern, die freilich von Schubert, Schumann, Hugo Wolf und Brahms zu Unrecht verdrängt werden. Zwei Oratorien und die Kantate „Die erste Walpurgisnacht“ gehört ebenfalls zu seltenen Mendelssohn-Begegnungen.
Seine Lebensauffassung verrät ganz seine Musik. Seine Handschrift ist selbstgeprägt. Zur Romantik steht sein Oeuvre in ambivalenter Verbindung.
Die Welt der Romantiker seiner Zeit ist nicht unbedingt jene seiner Musik, deren Ziel bei Mendelssohn Schönheit und Wahrheit bestimmen. Die Bibeltexte, die Klänge in seinem „Lobgesang“ verraten viel und drücken bei dieser Wiedergabe lobenswert das aus, was die Ausdruckstiefe und den Inhaltsreichtum seiner Komposition ausmacht. Nämlich, dass der Glaube eine Quelle des Friedens sei und mehr von der Inspiration als der inneren Ruhe gespeist wird. Martin Zeller (51) war dafür die kompetente Werkdeutung am Pult des aus Ludwigsburg angereisten Gastorchesters, jenes Landes, wo Zellers Karriere nach dortigen Studien ihren musizierenden Anfang genommen hatte. Den Brucknerchor leitet der in vielen Sparten erfahrene Dirigent seit acht Jahren. Von seinen Vorgängern am Pult hatte er eine immens wichtige Arbeit übernommen, die nun Zeller zu prägenden Resultaten führt. Auf der Werkliste stehen in den 80 Jahren außer den heimischen Erfolgen auch Auslandskonzerte, zu denen der seit 50 Jahren tätige Obmann des Brucknerchores Richard Architektonidis sein Fachwissen zur Verfügung stellt.
Der in allen Stimmen sattelfeste Chor war zahlenmäßig verstärkt durch das Collegium Vocale Linz aufgetreten, was gerne als ein Geschenk zum Mitfeiern zu werten ist, aber eine besondere Herausforderung für den homogenen Klang oder den dynamischen Ausgleich der 10 Sätze erschwerte. Mendelssohn mochte der Zustrom gefreut haben. Die Uraufführung seines Werkes 1840 stärkte sein Ansehen. Weitere Konzerte besuchte etwa auch der Sachsenkönig Friedrich August II. Man hätte dem legendären Klangkörper mehr Besuch gewünscht.
Ansonsten verlief alles in bester Jubiläumslaune, es sangen auch die Solisten Regina Riel und Magdalena Hallste als Soprane sowie der Tenor Michael Nowak bei noch so extremen Lagen ihre Partien zu vollster Zufriedenheit. Es gab reichlich Beifall und dann wurde ausgiebig gefeiert.
Georgina Szeless
Kulturjournalistin

