LINZ/ Brucknerhaus: Famoser Liederabend mit Botschaft
– Dee Dee Bridgewater begeistert im Brucknerhaus 14.7. 2026
Zu Beginn ihres Auftritts im fast ausverkauften Großen Saal des Brucknerhauses stellt die Grammy Gewinnerin Dee Dee Bridgewater ihre Band We Exist! vor, ein ausschließlich weiblich besetztes Klavier Bass Schlagzeug Trio. Sie meint das durchaus auch als Statement. „Wir wollen das Patriarchat im Jazz brechen“, meint die höchst vitale 75-jährige. Das kann man auch ein wenig selbstironisch sehen. Es gibt zwar nach wie vor Handlungsbedarf in der Szene, aber in den letzten Jahren ist die weibliche Stimme des Jazz deutlich hörbarer geworden.
Sie neigt ein wenig zum Predigen und zum Erzählen von Anekdoten. Das macht sie amüsant und gut gelaunt, ufert zuweilen aber ein wenig aus.
Musikalisch wühlt sie lustvoll in der Schatzkiste der Jazzstandards, mit einem deutlichen Schwergewicht auf ihre Vorgängerinnen. So bringt sie zwar schon eine feine Interpretation von „Danger Zone“, einem Blues Klassiker von Ray Charles, oder eine wunderschöne Version von Billiy Taylors, „I wish I knew how it feels to be free“. Ihre eigentliche Leidenschaft gilt aber Billie Holiday, Nina Simone oder Abbey Lincoln.
Holidays Klassiker „Strange Fruit“, eine emotionale Anklage gegen den Alltagsrassismus im US-amerikanischen Süden, behandelt Bridgewater mit Respekt und Zurückhaltung. Simones „Mississippi Goddamm“, eine heftige Auseinandersetzung mit dem Cu Clux Clan Terrorismus in den 60ern, gewinnt in ihrer Version Aktualität und Kraft. Von Lincoln holt sie sich „Throw it away“, eine Hymne über Loslassen und Abschiednehmen.
Ihr zur Seite stehen an diesem Abend Alexis Lombre am Klavier, Rosa Brunello am Bass und Shirazette Tinnin am Schlagzeug, drei sehr versierte Musikerinnen, die nach etwas zögerlichem Beginn mehr aus sich herausgehen und letztlich in Augenhöhe agieren. Bridgewaters Stimme ist kraftvoll und flexibel, sogar eine kleine liebevolle Louis Armstrong Parodie kommt vor, ihre Bühnenpräsenz überragend.
Zur Zugabe kommt sie ganz allein auf die Bühne, singt a cappella eine herzzerreißende Version von „Amazing Grace“, auch als Hommage an Mahalia Jackson. Da brechen alle Dämme, überschäumender Jubel, Standing Ovations.
Christoph Haunschmid

