Diese Friedensrufe dürfen niemals verhallen
Begeistert und überrascht von neuen Wegen bei AK Classics (10.2.2026)
Das jüngste Konzert bei AK Classics im Brucknerhaus bekommt einen Ehrenplatz in den Annalen dieses traditionsreichen Musikveranstalters. Mit mehr als zweihundert Konzerten hat sich besagte Bildungseinrichtung seit der Gründung beim Publikum so beliebt gemacht, dass man diese Kulturbereicherung nicht mehr missen möchte. So strömten die Massen am Dienstag in das ausverkaufte Brucknerhaus. Freilich haben sich die Zeiten für die Chance, klassische Konzerte zu leistbaren Preisen erleben zu können, geändert. Das für das Publikum zumutbare und nicht überfordernde Programm richtig auszuwählen war ein Hauptgebot der Organisatoren. Heute wagt man sich längst auch an neue Musik und engagiert erstklassige Interpreten für die Aufführungen. Für das Bruckner Orchester sowie alle Mitwirkenden mischten sich diesmal auch besondere Begeisterung und zugleich Überraschung in den Schlußbeifall der Unternehmung.
Unter dem Generaltitel des Programms „Dona nobis pacem“ wurde anfangs die 3. Symphonie des Linzer Komponisten Helmut Rogl (Jg. 1960) uraufgeführt. Ein seriöses, nach allen Merkmalen einer bewährten Satzbaukunst konzipiertes Stück Musik, nicht unbekannt von ihrem Schöpfer, dessen Handschrift schon öfters erfreuliche Eindrücke hinterließ. In fünf Sätzen breitet Rogl sein ganzes Repertoire an stilistischer Sicherheit, formaler Kenntnis und struktureller Geschlossenheit aus, ohne auch nur beiläufig neue Töne anzustimmen. Immer bleibt er seiner tonalen Linie treu und erfüllt diesmal auch die Ansprüche an den inhaltlich vorgegebenen Titel seiner Friedensbotschaft mit demütiger Hingabe an den Kontrapunkt. Wenn die neue Bekanntschaft am Pult Maria Benyumova Anteil an dem schlüssigen Programmkonzept des Abends hatte, verrät dies viel von ihrem literarischen Wert der ihr hier gestellten Aufgabe. Denn als zweites Werk dirigierte sie genau passend Schuberts Es-dur Messe Nr. 6 D 950, das von ihm selbst nicht mehr vollendete größte kirchenmusikalische Opus aus seinem Todesjahr 1828. Sein Bruder Ferdinand hatte die Messe, entstanden für die Dreifaltigkeitskirche am Alsergrund in Wien, 1829 aus der Taufe gehoben. Und jetzt lag sie in den ruhigen, ausdrucksstarken Händen von Maria Benyumova, einem Jungstar von sibirischer Herkunft, der mit deutschen Ausbildungsqualitäten auf internationalen Bühnen zu Hause ist. Sie entwarf ein Selbstbild von gebetsnaher Deutung Schuberts, das faszinieren konnte, was aber manches vielleicht etwas außerirdisch klingen ließ. Dabei stand Präzision im Vordergrund ebenso die ausgewogene Dynamik, meist auf Pianissimo-Höhen oder die zurückhaltende rhythmische Vorsicht. Doch ein etwas resoluterer Zugriff in Richtung Temperament blieb bei der sympathischen Stabführerin leider in der Erwartung stecken. Sie hatte es keineswegs leicht, die Hundertschaft der Chorbesetzung aus dem Linzer Jeunesse Chor (Wolfgang Mayrhofer) und dem Chor VOCAMUS (Marina Schacherl) zu einer homogenen ehrgeizigen Singgemeinschaft zusammenzufügen. Auf gedrängten Plätzen der überfüllten Bühne mussten die fünf Solisten stimmlich ihr Bestes geben und taten dies bewundernswert: Georgia Cooper (Sopran), Dora Blatniczki (Alt), die Tenöre Alexandre Blanque und Markus Stumpner sowie der Bass Seunghun Jeong.
Das Publikum verließ das Haus um vieles bereichert, jedenfalls mit der Erfahrung, dass noch so vertraute Werke wie die bei jeder Aufführung ein eigenes Charakterbild des Komponisten hinterlassen können.
Georgina Szeless

