LEONDING/ OÖ/Pfarrkirche Doppl Bruder Klaus: Zu Ehren der hochlöblichen „Hofkapellmeister“ am 9.11.2025

Pfarrkirche Doppl Bruder Klaus. Foto: Stadtamt Leonding
Man kann es nur immer wieder bewundern, wenn das kulturaffine Leonding zu Konzerterlebnissen einlädt und die Besucher in Scharen herbeikommen. Der Name Harrer bringt seit Generationen ob in Kirche oder Säle ein Kennerpublikum auf die Beine und bekommt jeweils Musikstücke auf höchstem Niveau zu hören. Der Garant dafür liegt in der Familie und heißt nach der Erbfolge Uwe Christian Harrer, der unermüdlich nach neuen Einfällen sucht, für seine Programme literarische Überraschungen entdeckt und diese ans Tageslicht bringt. Seine Künstler dafür, hat er längst erschaffen, seien es vokale oder instrumentale Musiker. Immerhin verfügt er über den Cantus Michaelis Chor, der die etwa 300 Jahre lange Tradition fortsetzt und weiterhin den großen Schatz der Kirchenmusik zu St.Michael pflegt sowie ein Orchester, das sich im Laufe der Zeit zur Leondinger Symphonie entwickelte.
Am Sonntag hat er sie wieder einmal auf die Probe gestellt, mit welcher Begeisterung sie seinem Plan von einer elitären Spezialaufgabe in Doppls Pfarrkirche Bruder Klaus folgten. Mit einer im 200. Todesjahr organisierten Ehrung für den venezianischen Komponisten Antonio Salieri, seines Zeichens Hofkapellmeister, der letzte Italiener am kaiserlichen Hof, der bis zu seinem Ruhestand 1824 dort diente und eine stattliche Reihe berühmter Komponisten unterrichtete. Harrer kann sich ebenso mit dem Salieri-Titel rühmen und war in der Zeit von 1984 bis 2009 „Republikanischer Hofkapellmeister“ in Wien. Salieri hatte zwar bald als junger Kapellmeister in Wien Aufmerksamkeit erregt, wurde aber zu Lebzeiten mit Aufführungen nicht gerade verwöhnt. Unter seinem auch von Gluck beeinflussten Schaffen, das gar nicht so schmal – wie man es kennt – ist, befindet sich eine „Hofkapellmeister-Messe“ Nr.1 in D-Dur aus dem Jahr 1788, entstanden zur feierlichen Rückkehr Kaiser Joseph II aus dem Österreichisch-Russischen Türkenkrieg. Genau dieses Werk stellte Harrer in den Mittelpunkt seines Konzertes. Als hätten ihn als eine vom Himmelsbotschaft gesendete, ehrfürchtige Hingabe und alle Musikengeln begleitet, so bewegt vom Fluss der Messteile gab er die Pultimpulse an seine Musiker weiter. In einem Werk, bekannt nach allen Regeln der Satzkunst und Schreibtechnik entstandenen Opus, das freilich die Wiener Klassik auf edelste Art repräsentiert. Aber den Interpreten nichts schuldig bleibt. Man meint etwa nicht nur die Geschmeidigkeit und den herrlichen Klang der Cellosoli oder bei den Sängern die führende Sopranstärke oder auch die stützenden Männerstimmen. Dass Harrers heimliche Liebe überhaupt dem Chorgesang gilt, brauchte er diesmal verstärkt nicht beweisen.
Des Lobes wäre das Konzert nicht ganz voll, wäre nicht das Salieri-Beiprogramm noch gesondert hervorhebenswert. Es war nämlich nicht von ungefähr und verriet Kennerblick. Es begann mit der Ouvertüre zu „Rosamunde“ D 644 von Franz Schubert. Neun Jahre lang bekam der begabte Sängerknabe kostenlos Unterricht bei Salieri, den Schubert zum Vorbild hatte. Die klassische Struktur des Werkes hätte vielleicht etwas mehr dynamische Feinarbeit vertragen bei der schroffen Stärke des Kirchenraumes. Wie dies leicht zu umgehen ist, zeigte erfolgreich die blutjunge Geigerin Ida Gillesberger bei der Wiedergabe von Mozarts Violinkonzert Nr.4 D-Dur, die Urenkelin von Harrers namhaftem Chorpädagogen Hans Gillesberger. Jugendlicher Glanz, völlig allürenlos, verzauberte ihre Bogenvirtuosität in natürlich schwingende Gefühlsmomente.
Der Beifall steigerte sich für alle Mitwirkenden zu standing ovations. Leonding steht schon wegen Salieri zur Bereicherung auf der Repertoireliste.
Georgina Szeless

