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LEIPZIG/ Musikalische Komödie: DER WAFFENSCHMIED von Albert Lortzing

02.06.2026 | Oper international

Leipzig: Lortzing lebt – „Der Waffenschmied“ in der Musikalischen Komödie Leipzig

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Foto: Claudia Trampitsch

Leipzig gilt als eine der bedeutendsten Musikstädte Deutschlands. Namen wie Bach, Mendelssohn, Schumann und Wagner prägen bis heute das kulturelle Erbe. Weniger präsent ist dagegen Albert Lortzing. Dabei lebte und arbeitete der Komponist, Sänger und Schauspieler zwölf Jahre in Leipzig und feierte hier mit Opern wie „Zar und Zimmermann“ und „Der Wildschütz“ seine größten Erfolge.

Dieser Verbindung widmete die Oper Leipzig vom 24. April bis zum 3. Mai 2026 das Festival „Lortzing 26“. Neben den Premieren von „Regina“ und „Der Waffenschmied“ standen Open-Air Konzerte auf dem Augustusplatz sowie ein Audio-Walk auf dem Programm. Auffällig war allerdings, wie wenig das Festival im Leipziger Stadtbild präsent war. Zudem endeten die offiziellen Festspiele bereits Anfang Mai, während „Der Waffenschmied“ und „Regina“ bis Anfang Juli weiterhin auf dem Spielplan stehen. Warum die beiden Produktionen nicht stärker als Fortsetzung oder Nachklang des Festivals beworben wurden, bleibt unklar.

Dass Albert Lortzings Werke auch knapp 200 Jahre nach ihrer Entstehung nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben, zeigte die sehr gut besuchte Nachmittagsvorstellung am 31. Mai 2026. Wer seine Eintrittskarte online erwarb, konnte leicht übersehen, dass die Aufführung nicht im Opernhaus am Augustusplatz, sondern in der Musikalischen Komödie im Stadtteil Lindenau stattfand. Der sanierte Bau mit seinem markanten Dach erweist sich als charmanter Spielort mit angenehmer Atmosphäre.

Wie gegenwärtig Albert Lortzings 1846 uraufgeführte Oper wirkt, zeigt diese Inszenierung deutlich. Im mittelständischen Betrieb des Waffenschmieds Hans Stadinger läuft es alles andere als rund: DieBilanz ist tiefrot, Mitarbeiter sind Mangelware und die Zukunft des Unternehmens steht auf der Kippe. Zusätzlichen Druck übt Graf von Liebenau aus, ein Investor, der den Betrieb übernehmen und abreißen lassen will. Doch Stadingers Tochter Marie erweist sich als klüger als alle Männer der Handlung und lenkt die Ereignisse schließlich in eine andere Richtung.
Zwischen den typischen Verwicklungen der Spieloper treten Fragen nach wirtschaftlicher Abhängigkeit, gesellschaftlicher Emanzipation und weiblicher Selbstbestimmung hervor.

Regisseurin Sonja Trebes greift diese Themen auf, aktualisiert die Dialoge behutsam und schickt ihr Ensemble mit viel Tempo durch eine Mischung aus Revue und Musical. Der oft grantelnde Stadinger berührt mit seiner Sehnsucht nach einer „köstlichen Zeit“ jenseits kapitalgesteuerter Zwänge. Zugleich ist er ein Patriarch alter Schule, der den Adel verachtet und deshalb keinen adligen Schwiegersohn akzeptieren würde. Dass seine Tochter bei der Partnerwahl ein eigenes Wort mitzureden haben könnte, kommt ihm dabei gar nicht erst in den Sinn. Graf von Liebenau gibt sich tagsüber als Geselle aus, während er nachts als maskierter Frauenheld durch die Handlung streift. Aus diesen Verkleidungen, Rollenspielen und Täuschungsmanövern entwickelt die Inszenierung einen Großteil ihres komödiantischen Reizes.

Das Bühnenbild von Dirk Becker zeigt das Kontor eines Handwerksbetriebs, dessen zahlreiche Türen und Fenster immer neue Spielräume für die turbulente Handlung eröffnen. Ute Meenens Kostüme setzen farbenfrohe und fantasievolle Akzente. Besonders Marie bewegt sich zwischen den Rollenbildern: tagsüber die vermeintlich brave Tochter, abends eine selbstbewusste Domina mit Reitgerte. Die großen Ensembleszenen werden mit viel Operettenflitter und schwungvollen  Choreografien von Mirko Mahr effektvoll in Szene gesetzt. Für zahlreiche Lacher sorgt zudem ein stummer Ritter, offenbar ein missglückter Prototyp aus Stadingers Werkstatt. Mit den Tücken seiner Rüstung kämpfend, versucht er in beinahe jeder Szene die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und entwickelt sich so zu einem der liebenswertesten Running Gags des Abends.

Für Besucherinnen und Besucher österreichischer Opernhäuser sind Florian Spiess und Sven Hjörleifsson keine Unbekannten. Nach ihrem Studium an der mdw Wien starteten beide ihre Karriere am Landestheater Linz, bevor ihre Wege sie an verschiedene Bühnen im deutschsprachigen Raum führten. Martin Häßler wiederum ist Absolvent der Hochschule für Musik und Theater Leipzig und war bis vor Kurzem Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper.
Besonders im dritten Akt wird deutlich, welchen Gewinn Florian Spiess’ vergleichsweise junge Besetzung für die Rolle des Stadinger bedeutet. Das berühmte Lied „Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar“ erhält dadurch eine glaubwürdige Mischung aus Nostalgie und Selbstironie.
Während die Partie häufig mit deutlich älteren Bassisten besetzt wird, verleiht Spiess der Figur eine bemerkenswerte Frische.

Elissa Huber gestaltet die Marie mit sicherer stimmlicher Präsenz. Sie trifft die Mischung aus Schlagfertigkeit und Durchsetzungswillen, die die Figur prägt. Martin Häßler gibt einen selbstbewussten Grafen von Liebenau, Kathrin Göring sorgt als Irmentraut für komödiantische
Akzente. Felix Lodel sammelt mit trockenem Humor und präzisem Timing als schwäbelnder Ritter Adelhof die meisten Lacher des Abends. Spätestens in den Szenen, in denen er auch noch in Frauenkleidung auftritt, wird er zum heimlichen Publikumsliebling. Sven Hjörleifsson gestaltet den gutmütig naiven Georg ebenfalls mit komödiantischem Gespür. Gemeinsam sorgt das Ensemble dafür, dass die Aufführung auch über fast 3 Stunden hinweg ihr Tempo und ihren Witz behält.

„Auch der Chor der Musikalischen Komödie überzeugt in den Ensembleszenen mit großem Engagement. Die Choreinstudierung lag bei Mathias Drechsler.. Michael Nündel führte das Orchester der Musikalischen Komödie mit Schwung und Gespür für Lortzings Partitur durch den Abend.“

Dass „Der Waffenschmied“ auch heute noch funktioniert, beweist diese Leipziger Produktion eindrucksvoll. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, hat dazu noch Gelegenheit: „Regina“ steht letztmals am 12. Juni auf dem Spielplan, „Der Waffenschmied“ am 3. Juli.

Claudia Trampitsch

 

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