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LEDNICE/VALTICE: VIVALDI FESTIVAL

18.10.2021 | Konzert/Liederabende

LEDNICE/VALTICE: VIVALDI FESTIVAL vom 2.- 16. Oktober 2021

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Südmähren – auch die Toscana des Ostens gennant – hat eigentlich alles, was eine Kulturlandschaft so braucht: zahlreiche Architekturjuwelen, pittoreske Städtchen, Burgen, Schlösser, Paläste, und dazu auch noch hervorragenden Wein. Da fehlt eigentlich nur noch eines, dachte sich der aus der Gegend stammende Geiger Jiri Partyrek: eine entsprechend qualitätsvolle Musik. Und also beschloss er, daselbst ein Festival zu gründen, mit der kaum verheimlichten Ambition, einmal daraus das beste Musikfestival Tschechiens zu machen. Mit der gerade zu Ende gegangenen 6.Edition der vierzehntägigen Veranstaltungsreihe ist er seinem Ziel ein kleines Stück näher gekommen.

Das Lednicko Valticky Hudební Festival (wie der offizielle Titel lautet) wechselt jedes Jahr sein Motto, heuer stand es ganz im Zeichen Antonio Vivaldis. Partyrek hatte die Crème de la crème derspezialisierten europäischen Barockmusikensembles eingeladen: das Collegium 1704, das Ensemble Matheus, das Concerto Aventino, das Ensemble Scaramuccia, Gli Incogniti, die Accademia Bizantina, das Collegium Marianum, die Musica Florea und Europa Galante. Zur selben barocken Champions League gehörten auch die Solisten Jakub Józef Orliński, Javier Lupiáñez, Amandine Beyer, Delphine Galou und Fabio Biondi.

Alle miteinander hatten insofern ein leichtes Spiel, als die ausgewählten Spielorte von so überwältigender Schönheit waren, dass die Zuschauer allein schon bei deren Betreten in Staunen und Entzückung gerieten.Die beiden Zentren des Festivals sind die früher Liechtensteinischen Schlösser Valtice (vormals Feldsberg) – mit seiner Schlosskapelle, seiner Hofreitschule und seinem Barocktheater – und Lednice (vormals Eisgrub) – mit der Schlosskirche des Hl. Jakob des Älteren, dem Teichschlösschen, dem Belvedere und dem Château de la Frontière.

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Schloss Eisgrub

Valtice ist sehr angenehm und beeindruckend (und auch als Filmkulisse sehr beliebt – zB. für Robert Dornhelms Maria-Theresien-Serie oder den neuen Disneyfilm über den Mozart-Zeitgenossen „Chevalier“), aber Lednice ist überhaupt der totale Wahnsinn. Das Schloss selbst ist schon ein solcher europaweit einzigartiger Stein gewordener Fiebertraum britischer Neogothik, dass einem die Spucke wegbleibt. Aber dann ist da auch noch das es umgebende, von Menschenhand geschaffene Paradies namens Schlosspark mit seinen Teichen und Flüssen, seinen Minaretten, künstlichen Ruinen, Diana-Tempeln und Obelisken – und auch noch dem schönsten Glashaus der Welt. Das ganze Areal steht völlig zu Recht unter Unesco-Welterbeschutz.

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Schlosskirche Lednice. Foto:Festival/Pavel Kristian

In der Schlosskirche des Hl.Jakob des Älteren hatten wir die Ehre und das Glück zwei herausragende Konzerte miterleben zu dürfen: Das Ensemble Gli Incogniti unter der Leitung der Barockviolinistin Amandine Beyer und die Accademia Bizantina (unter Alessandro Tampieri) gemeinsam mit der Contraltistin Delphine Galou. Am besten in Erinnerung davon blieben das Concerto für Violoncello in a-moll, die Violinkonzerte in A-Dur und e-moll sowie die Arien aus „Juditha triumphans“ und natürlich das Stabat Mater.

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Hofreitschule Valtice. Foto: Festival/Pavel Kristian

Das Publikum in Raserei  versetzte auch das Gastspiel von Fabio Biondi in der (zum Konzertsaal umgebauten) Hofreitschule von Valtice mit einem Fagottkonzert und nicht weniger als vier Violinkonzerten (was dann doch vielleicht ein wenig zu viel Violine war).

Den unbestrittenen Höhepunkt, die absolute Krönung der vierzehntägigen Antonio Vivaldi-Apotheose bildete jedoch die Uraufführung (!) der in einem Archiv in Pavia wiederaufgefundenen fünften Fassung von Vivaldis Meisteroper „Farnace“ im Schlosstheater Valtice. Vielleicht die beste Barockopernproduktion, die der Unterzeichnete in seinem Leben gesehen hat (und er hat einige gesehen). Ein ausführlicher Bericht darüber folgt…

Robert Quitta, Lednice und Valtice

 

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