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LECH am Arlberg/ Konzertsaal Lechwelten: „IL BARBIERE DI SIVIGLIA“ eine phänomenale Ensemble-Leistung

09.08.2026 | Oper in Österreich

Lech am Arlberg/Konzertsaal Lechwelten: „IL BARBIERE DI SIVIGLIA“ eine phänomenale Ensemble-Leistung 8. 8.2026

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Margarita Gritskova. Copyright: Lech/Zürs-Tourismus/ Peter Panik

Als absoluter Höhepunkt der Festivalwoche wird das Lecher Publikum in Rossinis berühmtem Melodramma buffo eingeführt. Mit Riesenfotos (Elke & Peter Panik) hinter dem elektrisierend aufspielendem Lech Festival Orchester von farbenprächtigen Plätzen mit Reiterstatuen und opulenten Brunnenanlagen, herrschaftlichen Häusern und feudalen Musikzimmern im andalusischen Stil kann die Atmosphäre um die chaotische Zeit in Bartolos Haus und „dessen nutzlose wie überflüssige Vorsicht“ gut eingefangen werden. Requisiten wie klirrende Geldbeutel, Waffen der Wache, Instrumente von Almavivas Tumult-Musiktruppe, dem wichtigen biglietto und passende Kostüme der Protagonisten unterstützen die Erzählung der Geschichte ebenso wie einleitende Texte des ausdrucksstarken, humoristischen Erzählers Joseph Lorenz zwischen den einzelnen Musiknummern (statt der Rezitative).

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Der Offizier wird beim furiosem Finale bedrängt: Levente Páll, Pavel Kolgatin, Alejandro Pizarro-Enriquez, Domen Krizaj, Timos Sirlantzis, Kyunghee Yang, Margarita Gritskova. Copyright: Lech/Zürs-Tourismus/ Peter Panik

Die sprühende, oft explosive, crescendo-reiche, mit Witz und Lebensfreude angereicherte Musik des Komponisten kann Dirigent Tetsuro Ban Partitur-getreu wiedergeben und leitet – wie stets – mit der ihm eigenen Souveränität. Davon profitiert auch das – auf allerhöchstem Niveau agierende – Solisten- und Chorensemble, allen voran die, mit jugendlichem Charme, List und riesiger Spielfreude agierende Margarita Gritskova. Sie besticht in einer ihrer Paraderollen (an der Wiener Staatsoper hatte sie ihr Rosina-Debüt 2013) mit hellsten, perlenden Koloraturen, die auch Gläser zum Zerspringen bringen können. Ihre stimmliche Agilität erlauben mühelose Registerwechsel in tiefste Register, die stets voluminös und kraftvoll erklingen. Hinter ihrer scheinbar folgsamen, sanften Fassade verbirgt sich eine mutige, zielstrebige „vipera“, die schlussendlich von einer äußerst lebendigen Rosina zu einer respektierlichen Gräfin wird. Heftig und liebevoll umschwärmt wird sie von Pavel Kolgatin als besonders noblen Almaviva. Seine höhensichere, edle Tenorstimme glänzt virtuos im allerschönsten, weichen Belcanto-Stil und dem russischen Österreicher scheinen die vielen Verzierungen und endloslang ausgesungenen Bögen sogar Freude statt Mühe zu machen. Darstellerisch gelingt sowohl sein galanter Liebhaber als auch sein stark torkelnder Lindoro, der selbst nach dem Tumult im Finale des 1. Aktes noch immer, betrunken spielend, nach seiner Flasche greifen will und sich auch von Figaro nicht zurückhalten lässt. Als Musiklehrer Don Alonso erntet er im „pace e gioia-Duett“ viele Lacher mit dem genervten Bartolo. Dieser wird vom Erzkomödianten Levente Páll mit grandiosem Mimik- und Gestenspiel im altmodischen Anzug, mit Melone und widerspenstiger grauer Locke in der Stirn auf die Bühne gebracht – phänomenal. Die Rezensentin erinnert sich nicht an ein vergleichbar brillantes Timing an Witz und humoristischen Einlagen dieser Rolle, das den gesamten Saal – inklusive dem am Bühnenrand sitzenden Sprecher Lorenz – zu wahren Lachsalven verführt. Mit stimmlich-agiler Geschmeidigkeit, kraftvollem, tiefem Register und rhythmisch exakt artikulierenden parlando ist der ungarische Bass (seit 2016 im Ensemble am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz) ein idealer Dr. Bartolo von Weltformat. In der Titelrolle des Meisterbarbiers kann Domen Krizaj schelmische Bühnenpräsenz, kraftvollen endlosen Atem und ein rasantes „Largo al factotum“ vorweisen und mit Charme die Handlung vorantreiben; den Sack voller Geld vom Conte hat er sich verdient. In violetter Soutane gekleidet stiehlt Timos Sirlantzis als bestechlicher Don Basilio dem erstarrten Bartolo Wertgegenstände – völlig unchristlich – aus dessen Tasche. Der durchschlagskräftige Bass beginnt seine „calunnia-Arie“ sehr langsam und steigert sie mächtig und mit dröhnender Lautstärke bis zur musikalischen Explosion. Mit viel Spielwitz und szenischer Vitalität ist auch hier ein ausgezeichneter Schauspieler zu erleben. Alejandro Pizarro-Enríquez begleitet als Diener Fiorello seinen Herrn bei dessen Serenade auf der Gitarre, dirigiert den Aufruhr seiner Musiker und kann das Chaos in Bartolos Haus als Offizier (natürlich) nicht in den Griff bekommen. Da die Arie der Berta gestrichen wird, ist Kyunghee Yang nur szenisch als besonders junge Haushälterin und gesanglich beim Sextett im Einsatz.

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Graf Almaviva (Pavel Kolgatin) verleiht seinen Zielen Nachdruck bei Don Bartolo (Levente Páll). Copyright: Lech/Zürs-Tourismus/ Peter Panik

Mitglieder des Bayerischen Staatsopernchores (Leitung von Christoph Heil) zeigen wieder starke Klangschönheit voller einheitlicher Harmonie und Kamila Akhmedjanova beweist seit Jahren ihre große Musikalität als fantastische Studienleiterin des Lech Classic Festivals und begleitet wunderbar am Cembalo.

Kritische Anmerkung bei dieser komischen Sternstunde voller Witz, Esprit und grandiosem Einfallsreichtum: die Rezitative fehlen Rossini-Liebhabern und wenn man über einen Tenor verfügt, der fähig ist, die fulminante Schluss-Arie „Cessa di più resistere“ zu singen, darf sie keinesfalls gestrichen werden. Aber das ist jammern auf höchstem Niveau, da man bei diesem Abend vom allerbesten in 14. Lecher Festivalgeschichte sprechen kann.

 Susanne Lukas

 

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