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LAUSANNE/ Opera de Lausanne: Premiere der Operette CANDIDE von Leonard Bernstein

14.11.2022 | Operette/Musical

Opera de Lausanne, Premiere der Operette Candide von Leonard Bernstein am 13.11.2022

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Das gesamte Ensemble. Foto: Jean-Guy Python

Die Premiere des Musicals 1956 in New York in der ersten Fassung wurde ein Misserfolg, bevor es 1974 überarbeitet dann zahlreiche Preise erhielt und 1988 noch enger an Voltaire geführt in letzter Fassung Triumphe feierte. Ein opulenter Stilreigen von Operette, Musical, Oper, Vaudeville, Slapstick und Mahler-Lied sorgt für eine leichte, parodistische Tonsprache.

Die Opera de Lausanne präsentiert eine gelungene Version in Leonard Bernsteins absurd-komischem und schwierig auf die Bühne zu bringendem „Candide“. Vincent Boussard ist es gelungen eine klamaukige und schön choreographierte Version zu erschaffen.

Handlung

Der junge Candide wächst zusammen mit Kunigunde und Maximilian, den beiden halbwüchsigen Kindern seines Onkels, des Barons Thunder-den-Trunk, wohlbehütet auf dessen Schloss in Westfalen auf. Von ihrem gemeinsamen Hauslehrer, dem Philosophen Dr. Pangloss, werden die drei zusammen mit der Kammerjungfer Paquette in dem sicheren Glauben unterrichtet, sie lebten in der »besten aller möglichen Welten«. Als Candide schliesslich von seiner Familie verstoßen wird und in die weite Welt hinausziehen muss, begibt er sich auf eine Reise, in deren Verlauf er Opfer von Naturkatastrophen sowie Zeuge von politischen und religiösen Auseinandersetzungen, Missbrauch, Verrat und tödlichen Krankheiten wird – doch nichts von alledem kann ihn davon abbringen, an seinem unerschütterlichen Optimismus von der »besten aller Welten« festzuhalten.

Bühnenbild und Kostüme

Es ist nicht ganz einfach ein Bühnenbild zu erstellen, welche alle Herren Länder darstellen: von Westfalen nach Spanien, Südamerika oder plötzlich nach Venedig. Vincent Lemaire hat für das kokette Bühnenstück ein helles Einheitsbühnenbild geschaffen, welches durch Anschreiben – ein grosser Vorhang wir jeweils gezogen mit der Landesaufschrift – die verschiedenen Länder ankündigt.

Vieles wird improvisiert. Da genügen ein paar farbige Tücher, um den Ozean darzustellen, ein zierliches Bettmöbel, um das frivole Paris anzudeuten, und eine Videoprojektion eines Kreuzfahrtschiffs, welches evoziert, dass die optimistischen Akteure in die Neue Welt gebracht werden.

Alles ereignet sich auf weisser, weitgehend leergeräumter Bühne, was automatisch den Schwerpunkt der Aufmerksamkeit auf die unfassbar vielfältigen Kostüme legt, die der grosse Modeschöpfer Christian Lacroix mit viel Kreativität und Schönheit entworfen hat.

Ensemble

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Marie Lys. Foto: Jean-Guy Python

Marie Lys singt die Cunegonde mit mitreissendem Schauspiel, vollem Körpereinsatz und wunderbarer Stimme. Dabei erreicht sie brillante Höhen glasklar und mühelos, präsentiert verschnörkelte Koloraturen geradezu hervorragend und glänzt mit warmen Tiefen. Auch Stuart Petterson bringt als Gouverneur/Vanderdendur/Ragotski eine bewundernswerte Leistung.

Franco Pomponi führt als Pangloss/Cacambo/Martin gekonnt mit grossem komödiantischem Talent durch den Abend. Den Candide singt Miles Mykkanen mit zartem Schmelz hinreissend schön. Béatrice Nani als kokett willige Paquette und Joel Terrin als herrlich Komödiant Maximilian sorgen ebenso für viele Lacher wie Anna Steiger, die als Alte Lady gar nicht altersschwach sehr kraftvoll singt. Das Ensemble wird hervorragend ergänzt von Bastien Combe (Inquisitor 1/Ragotzky/Charles Edward), Raphael Hardmeyer (Inquisitor 3/Tsar Ivan), Hoel Troadec als Stanislaus und Matthias Geissbühler als Croupier.

Der Dirigent Gavriel Heine motiviert das Orchestre de Chambre de Lausanne zu Höchstform an und lässt viel Raum für Stimmen, Stimmungen und Gefühle. Vollen Einsatz gibt auch der gut einstudierte Chor unter der Leitung von Patrick Marie Aubert.

Die Premiere wurde vom Publikum umjubelt und begeistert gewürdigt. Leider stehen dem Publikum nur wenige Vorstellungen zur Verfügung. Diese sind noder 16.11., 18.11. und 20.11.2022.

Marcel Burkhardt

 

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