Dialogues des Carmélites an der Opéra de Lausanne, Première vom 1. Februar 2026

L’Aumônier du Carmel Rodolphe Briand und die Karmeliterinnen. Foto: Carole Parodi
Francis Poulencs Oper Dialogues des Carmélites gehört zu den zentralen Werken des 20. Jahrhunderts. Die nun erstmals an der Opéra de Lausanne gezeigte Produktion ist eine Koproduktion des Théâtre des Champs-Élysées und des Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und überzeugt durch eine insgesamt geschlossene musikalische und szenische Umsetzung.
Die musikalische Leitung liegt bei Jacques Lacombe, der mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne eine klare und ausgewogene Interpretation vorlegt. Die Transparenz der Partitur bleibt stets gewahrt, die Tempi sind gut abgestimmt, und die Spannung wird auch in ruhigeren Passagen aufrechterhalten. Der Chœur de l’Opéra de Lausanne, einstudiert von Jacopo Facchini, spielt eine zentrale Rolle. Er überzeugt durch homogenen Klang, präzise Einsätze und gute Textverständlichkeit, insbesondere in den liturgischen Szenen und im Schlussbild.
Die Inszenierung von Olivier Py, betreut in dieser Wiederaufnahme von Daniel Izzo, folgt einer reduzierten und symbolischen Bildsprache. Bühnenbild und Kostüme von Pierre-André Weitz sind bewusst schlicht gehalten und unterstützen die Konzentration auf die Handlung. Die Lichtgestaltung von Bertrand Killy strukturiert die Szenen klar und verstärkt die dramatische Entwicklung.
Die Gestaltung der Bilder ist wunderschön, von hoher formaler Geschlossenheit und klarer visueller Struktur. In einzelnen Zwischenspielen nutzt Py Bühnenrequisiten, um Aspekte des klösterlichen Lebens oder zentrale Motive des christlichen Glaubens zu veranschaulichen, etwa das Osterlamm mit der Fahne als Symbol für Opfer und Erlösung. Prägnant ist die Entscheidung, das Sterbebett der Madame de Croissy vertikal zu positionieren, wodurch eine Assoziation zur Passion Christi entsteht und zugleich auf den von ihr nicht angenommenen Ordensnamen verwiesen wird, den Blanche später trägt. Die Bewegungen der Ordensfrauen folgen einer streng geregelten, ritualhaften Choreografie, die den sakralen Charakter der Handlung unterstreicht. Am Ende der Oper tritt an die Stelle des sonst dominierenden Schockmoments eine distanziertere Wirkung, begünstigt durch ein zügiges Grundtempo, das den Ablauf der Hinrichtungen verkürzt. Insgesamt prägt eine spannungsvolle, dabei zurückhaltend geführte musikalisch-szenische Gesamtwirkung diesen Abschnitt der Aufführung.

Blanche (Anne-Catherine Gillet) und Leo Vermot-Desroches (Le Chevalier de la Force). Foto: Carole Parodi
In den Solopartien zeigt sich ein insgesamt starkes Ensemble. Anne-Catherine Gillet gestaltet die Blanche de La Force differenziert und glaubwürdig, sowohl stimmlich als auch darstellerisch. Floriane Derthe verleiht der Sœur Constance eine helle und klare Stimme. Catherine Hunold überzeugt als Madame Lidoine mit stimmlicher Präsenz und ruhiger Autorität. Besonders eindrücklich ist Lucie Roche als Madame de Croissy, deren Todesszene zu den stärksten Momenten des Abends zählt. Eugénie Joneau gibt der Mère Marie klare Konturen und Ausdruckskraft.
Auch die Nebenrollen sind sorgfältig besetzt, darunter Léo Vermot-Desroches und Pierre Doyen als Chevalier und Marquis de La Force. Die weiteren Partien, Mère Jeanne de l’Enfant Jésus, Céline Soudain, Sœur Mathilde, Fanny Utiger, L’Aumônier du Carmel, Rodolphe Briand, Le premier commissaire, Maxence Billiemaz, Le second commissaire / Un officier, Aslam Safla und Thierry / Monsieur Javelinot / Le Geôlier, Philippe-Nicolas Martin fügen sich stimmig in das Ensemble ein.
Diese Aufführung der Dialogues des Carmélites zeichnet sich durch ihre Konzentration auf Werk und Text aus. Das Zusammenspiel von Orchester, Chor und Solistinnen und Solisten gelingt überragend. Für die Opéra de Lausanne stellt diese Koproduktion eine wichtige Erweiterung des Repertoires dar.
Das Publikum empfängt dieses Werk mit Begeisterung und mit nicht anhaltend wollenden Ovationen. Oliver Py hat hier ein ganz tolles und tiefe emotionales Werk geschaffen das stark berührt.
Marcel Emil Burkhardt

