LAS PALMAS DE GRAN CANARIA/Teatro Pérez Galdós: CARMEN am 18. März 2025
Große Opern-Authentizität!
José (Arturo Chacon-Cruz) und Micaela (Miren Urbieta-Vega). Foto: Nacho Gonzales Oramas
Die Amigos Canarios de la Opera – ACO setzten nun mit einer Produktion der „Carmen“ von Georges Bizet des Teatro Verdi de Trieste ihre interessante 58. Temporada fort, immer auch in Gedenken an den großen Sohn der Stadt, Alfredo Kraus. Einen Abend nach der über alles enttäuschenden, kaum noch im Werksgedanken von Richard Wagners „Lohengrin“ verhafteten Regisseurstheater-Inszenierung seiner Urenkelin Katharina Wagner aus Bayreuth in Barcelona, war es ein regelrechter Genuss, musikalisch, emotional und auch angesichts der authentischen Anlage dieser „Carmen“ festzustellen, wie stark Oper sein und bewegen kann, wenn sie dem Plot folgt und auf dieser Basis phantasievoll und nachvollziehbar gestaltet wird. So einfach die Inszenierung aus Triest sein mag, sie fasziniert durch ihr authentisch vorgetragenes andalusisches Kolorit, mit sehr beweglichen Ensemble-Szenen und auch mit einem starken Ballet, dem „Gran Canaria Flamenco Studio“, unter der Leitung der Primaballerina Amanda de Paula. Die von diesen Ensembles geschaffenen Momente rissen das spanische Publikum im vollbesetzten Haus mit und erzeugten eine Atmosphäre, die einen direkt in das Sevilla jener Zeit zu bringen schien. Es gab immer wieder Szenenapplaus. Armanda de Paula tanzte zu den bedächtigen Klängen des Vorspiels zum 3. Akt, dem Zigeuner-Akt, ein ausdrucksstarkes Solo, einer der Höhepunkte des Abends. Auch die Lichtregie von Grace Morales trug wesentlich zur Optik und den wechselnden Stimmungen bei.
Der Dirigent Rafael Sánchez-Araña schuf vom ersten Takt an eine feurige musikalische Darbietung mit dem Orquesta Filarmónica de Gran Canaria, die das Geschehen auf der Bühne in immerhin über alle vier Akte wechselnden Bühnenbildern des Regisseurs Carlo Antonio de Lucia wirkungsvoll unterstützte. Da klang alles sehr authentisch und frisch.
Yulia Matochkina, eine Russin, sang und spielte eine bezaubernde Carmen mit einem in der Tiefe eindrucksvoll ansprechenden Mezzosopran. Ihr Don José war der bekannte mexikanische Tenor Arturo Chacón-Cruz, der mit kraftvollen Spinto-Tönen einen zwischen Carmen und Micaëla hin und hergerissenen Charakter spielte, von Beginn aber schon wie der Loser wirkte.
Escamillo (Maharram Huseynov) und Ensemble. Foto: Nacho Gonzales Oramas
Mit der Micaëla von Miren Urbieta-Vega, einer Baskin, die diese Rolle mit erstklassiger Qualität sang, stand wieder einmal bei den ACO ein starkes Protagonisten-Trio auf der Bühne, welches durch den Aserbaidschaner Maharram Huseynov als Escamillo sehr gut erweitert wurde. Die Nebentollen waren ebenfalls von bester Qualität, wie Isaac Galán als Dancaïre und die Rollendebutanten Fernando Campero als Morales, Ana Marqués als Frasquita, Andrea Niño als Mercédès, David Barrera als Remendado und Max Hochmuth als Zúñiga.
Ein zündender und sehr unterhaltsamer Abend am Teatro Pérez Galdós.
Klaus Billand