5.07.2026: Theaterzelt Landshut „TURANDOT“

Foto: Landestheater Niederbayern
Nach zweimal Wagner boten die „Burgenfestspiele“ des Landestheater Nierderbayern heuer Puccinis Schwanengesang am Saisonende an. Während in Passau auf der Veste im Burghof gespielt wird, sollte es in Landshut im Prantl-Garten unterhalb der Burg Trausnitz um Kopf und Kragen der Turandot-Werber gehen – aufgrund der instabilen Wetterlage, es schüttete alle paar Stunden, wurde die Vorstellung aber ins „Theaterzelt“ verlegt, der Landshuter regulären Spielstätte während der ganzen Saison. Da das alte Theater seit Jahren baufällig ist, wurde als jahrelanges „Provisorium“ dieses „Zelt“ , weit draussen außerhalb der Stadt errichtet – Parkplätze gibt es genug und der Theaterraum an sich ist so schlecht nicht! Die Überlegung, ganz aus dem Landestheater Niederbayern auszusteigen, dürfte glücklicherweise vom Tisch sein.
Nun, so kam man immerhin in den Genuß, den Abend unverstärkt geniessen zu können. Leider hat sich ja das „verstärken“ auch bei kleineren Bühnen so durchgesetzt – statt die Leute zum genaueren Hinhören zu erziehen, dröhnt man auch Klassikbesucher im Stile der gewohnten Pop und Schlagerindustrie zu. Die Niederbayerische Philharmonie in sehr großer Besetzung zeigte sich spielfreudig und Basil H. E. Coleman entfachte Puccinische Klangräusche, ohne die Sänger zu zu decken und sorgte für eine spannende Wiedergabe der Partitur des Meisters aus Lucca. Leider verläßt er mit dieser Produktion seine Stelle als musikalischer Leiter des Hauses, wo er jahrelang Maßstäbe gesetzt hat und ein unglaublich breites, auch mit vielen Raritäten gespicktes Programm geboten hatte! Auch der Chor des Landestheaters Niederbayern hat ja viel zu tun in dem von Franco Alfano vollendeten Finale des Werkes – Gott sei Dank hatte man diese -leicht gekürzte – Version gewählt, denn weder ist der Berio-Schluß passsend, noch unbefriedigender die immer mehr um sich greifende Unart, das Werk nach dem Tod der Liu enden zu lassen! Das verschiebt völlig die Gewichtung der Figuren, degradiert Turandot und Kalaf gänzlich zugunsten der Liu, die sowieso immer als Sympathieträgerin vom Publikum geliebt und besonders akklamiert wird, egal wie sie gesungen hat! Emily Fultz tat das immerhin zufriedenstellend, wenngleich da wohl mehr möglich gewesen wäre. Ytian Luan, die ich vor wenigen Jahren noch als Liu in Köln gehört habe, wagte sich hier über die Protagonistenrolle – und stellte auch hier ihre Frau! Neben berückenden piani – etwa im dritten Akt in der Szene mit Liu und Kalaf , wenn sie sich nach dem Beweggrund von Lius Standhaftigkeit – nämlich der Liebe, „ l´amor“ – erkundigt, hat sie auch stählernen Höhenstrahl zu bieten, und erreicht im abschließenden Duett mit Kalaf ihren Kulminationspunkt! Brava! Sie kann als eine der wenigen Optionen angesehen werden, die nebeneinander beide Partien auf hohem Niveau singen können! Mit James Lee stand ihr ein Tenor mit Stentor-Tönen zur Seite, der den Kalaf problemlos bewältigte und auch das – nicht notierte, aber von allen „Appassionati“ erwartete – „C“ bei „ti voglio ardente d`amor“ sicher schmetterte. Auch Youngkug Jin als Timur konnte mit schönen Phrasen gefallen, auch Oscar Marin-Reyes (Mandarin) zählte zu den Positiva des Abends.Zufriedenstellend die drei Minister – Kyung Chun Kim , William Diggle und Zhi Fang.

Foto: Landestheater Niederbayern
Altoum wurde von hinter der Bühne – viel zu laut verstärkt, er erreichte Kalaf-Phonzahlen – von Norbert Hohl gesungen. Auf die Bühne wurde – mit Rollator – eine Tänzerin ( Lilou Magali Robert) gefahren, die den Kaiser darstellen sollte. Sie musste unmögliche Verrenkungen machen, riß sich aus Freude , daß Kalaf die Rätsel lösen konnte die Infusionen heraus und begann auf dümmlichste Weise herum zu hupfen… das gleiche dämlich-törichte Gehopse störte auch das Finale. Jonathan Lunn war dafür verantwortlich, der ansonsten eine halbwegs akzeptable Regie führte. Die Bühne von Justin Arienti war ein drehbarer Quader, der rum gedreht wurde, nicht unpraktikabel ; die berühmte „Treppe“ gab es natürlich nicht. Die Kostüme waren auch kein großer Wurf, rot ( Kommunismus?? ) dominierte, Turandot sah aus wie ein chinesicher General… aber man gewöhnte sich irgendwie daran und versuchte sich auf das Musikalische zu konzentrieren. Die Tänzerin hüpfte auch noch in anderen Verkleidungen herum, der zweite Tänzer hatte sich den Fuß verstaucht, der sollte Henker, Roboter und Krankenpfleger spielen. Dies wurde von einer jungen, aufgeweckten Dame vor Beginn der Vorstellung sehr wortreich und pointiert zutiefst bedauert.. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, daß ich dem armen Verletzten zwar Gesundheit wünschte, aber wenn er und seine auf der Bühne anwesende Kollegin aufgrund eines Staus vielleicht zu spät gekommen wären, hmmm… hätte der Qualität des Abends nicht sehr geschadet…!
Am Schluß wurden die Protagonisten und der Maestro gefeiert, trotz aller Einwände komme ich immer gerne ins Landestheater Niederbayern.
Michael Tanzler

