27.2.2026 Krakau, Philharmonie: Gustav Mahler „ Das Lied von der Erde“
Ein denkwürdiges und alle meine Erwartungen sprengendes Konzert ereignete sich am Freitag , den 27. Februar in Krakau. An diesem Abend stand nämlich Gustav Mahlers „ Das Lied von der Erde“ auf dem Programm.
Mahler hinterließ mit seinem symphonischen Liedzyklus „ Das Lied von der Erde“ seiner Nachwelt ein großes Meisterwerk, das aufgrund der Komplexität der Musik, die eine große Herausforderungen für alle beteiligten Musiker stellt, leider nur sehr selten zu hören ist.
Mahler begann seine Arbeit 1907 in Tirol, nachdem kurz zuvor seine vierjährige Tochter an Diphterie verstorben war. Ein Freund lieferte ihm hierfür Hans Bethges „ Die chinesische Flöte“ eine Sammlung mit Nachdichtungen altchinesischer Lyrik in deutscher Übersetzung zur weiteren Vertonung. Mahler vollendete den Partiturentwurf 1908 in Toblach und orchestrierte es 1908 und 1909 in New York, wo er seinen Dirigentenposten an der Metropolitan Oper bereits bezogen hatte.
Der international anerkannte und gefragte Wiener Dirigent Sascha Goetzel leitete die Krakauer Philharmonie an diesem Abend im großen Saal der Philharmonie und es gelang ihm perfekt dieses Orchester durch die seelenschwere und melancholische Musik Mahlers zu leiten.
Als Solisten standen ihm für dieses Unterfangen die tschechische Mezzosopranistin Ester Pavlu und der italienisch- belgische Tenor Mickael Spaddacini zur Verfügung.
Die beiden Solisten imponieren beide allein schon beim Auftritt durch ihr äusserliches Erscheinungsbild.
Spadaccini breitete dann mühelos seine baritonal gefärbte, aber mit einem feinen Silberschimmer versehene Tenorstimme über die breiten Klangwogen im „Trinklied vom Jammer der Erde“. Die schwierigen Intervallsprünge konnte der vorwiegend im italienischen Fach singende Tenor sehr gut bewältigen. Er konnte aber seine mächtige Stimme auch gut zurücknehmen im „Lied von der Jugend“. Der deutsche Text war weitgehend gut verständlich. Im „Trunkenen im Frühling“ zeigte er dann wieder sein immenses Stimmmaterial und bot den ganzen Abend hindurch eine sehr beeindruckende Leistung. Dieser Tenor könnte meiner Meinung nach sehr bald dem Idealfall eines „Deutschen Heldentenors“ entsprechen. Er ist meiner Meinung nach für Partien wie Siegmund in „Die Walküre“ oder auch im Parsifal in Wagners gleichnamiger Oper sowohl stimmlich, wie auch von seiner körperlichen Physiognomie eine perfekte Option.
Aber auch Ester Pavlu, erleuchtete mit ihrer strahlenden Stimme und ihrem ruhigen Ton in der Stimme die Klangwelten Mahlers. Sehr beseelt gestaltete sie die melancholischen Farben in „Der Einsame im Herbst“. Sehr viel Farbenreichtum zeigte ihre Stimme auch in „Von der Schönheit“ und in „Der Abschied“, den sie mit viel Ausdruck gestaltete. Pavlu wird bereits Ende März im Nationaltheater in Prag die Kundry im Parsifal verkörpern und ihre große, klangreiche Stimme scheint dafür ideal prädestiniert.
Sacha Goetzel verstand es gekonnt mit seinem beeindruckenden Orchester die Spannung dieses aufwühlenden Werkes bis zum Schluß dieses Abends zu tragen, der nachdem er den Taktstock zur Seite legte,- nach einer Pause der Besinnung-in einem Gipfelsturm der Begeisterung des Publikums endete.
Dr. Alexander Gallee

