KÖLN: Trotz allem heiter –
Große Abschiedsfeier für Intendantin Dr. Birgit Meyer
Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Dr. Birgit Meyer singt mit allen Teilnehmern. Foto: Andrea Matzker
Mit dem Titel „Ein Konzert zum Abschied“ fand das Sommerkonzert der Kölner Oper im Staatenhaus statt. Dazu geladen hatten die Freunde der Kölner Oper, das Kuratorium der Oper Köln und der Förderverein der Kinderoper. Zu Ehren der scheidenden Intendantin Dr. Birgit Meyer widmeten ihr Mitgliedern des Opernstudios und des Opernensembles unter der Leitung von Rainer Mühlbach verschiedene Arien und Lieder. Dabei variierte man manche ursprüngliche Komposition auf sehr humorvolle Art und Weise, zum Beispiel traten im Couplet des Escamillo aus der Carmen plötzlich fünf verschiedene Baritone gemeinsam auf. Die zauberhafte Sängerin der derzeitigen Carmen am Hause, Adriana Bastidas-Gamboa, widmete ihr zwei zu Herzen gehende Weisen aus ihrem Heimatland Südamerika, die man sonst nur selten hört. Spätestens bei Dalia Schaechters berühredem „Speak low“ von Kurt Weill flossen versteckte Tränen der Rührung ob des zauberhaften Vortrags und des bewegenden Anlasses des Konzertes an sich.

Dunkelrote Rosen mit Matthias Hoffmann. Foto: Andrea Matzker
Matthias Hoffmann war der Rosenkavalier mit den „Dunkelroten Rosen“ von Karl Millöcker. Anschließend betrat Birgit Meyer die Bühne und verabschiedete sich von jedem Sänger und Mitglied der Opernfreunde wie des Opernkuratoriums einzeln, bevor man gemeinsam sang: „Sag beim Abschied leise Servus“, da war es nun endgültig um die Fassung fast aller Mitarbeiter und Zuhörer geschehen.
Im Rahmen dieses Konzertes fanden viele Reden statt, die sämtlich die professionellen und menschlichen Qualitäten Meyers hervorhoben. Für sie gab es nie ein „Ich“, sondern immer nur ein „Wir“, ebenso wie es ihr offensichtlich unangenehm war, ausnahmsweise einmal die absolute Hauptperson des Abends zu sein. Für sie stand immer nur die gute Sache für die Oper im Vordergrund, nie irgendwelche oberflächlichen Eitelkeiten. Von diesem Vorsatz ließ sie sich auch nie ablenken. Sie sei immer optimistisch und zielorientiert und in Augenhöhe mit ihren Mitarbeitern gewesen.

Dr. Birgit Meyer und Dalia Schaechter singen gemeinsam. Foto: Andrea Matzker
Der Kulturdezernent der Stadt, Stefan Charles, lobte die neunzig Premieren und neun Uraufführungen, die unter Meyers Ägide stattfanden, und den riesigen Erfolg, dass nun wesentlich jüngere Zuschauer Interesse für die Oper zeigen würden. Sie habe Nähe und Offenheit beweisen und aus einer Existenz bedrohenden Lage eine große Ära Kölns geschaffen. „Oper kann fast überall stattfinden, wenn man dafür die richtigen Ideen entwickelt.“ Außerdem habe sie Mut bei der Auswahl von den Werken und dem Produktionsteam bewiesen.
In ihrer Dankesrede erwähnte sie, dass sie sich schließlich auch nie habe träumen lassen, zehn Jahre lang eine „Intendantin ohne ein Haus“ zu sein. Sie selbst erwähnte, dass sie hauptsächlich aus Liebe zur Oper ihre Motivation schöpfe. Sie ist am glücklichsten über die Erfolge ihrer Projekte, die Oper für Kinder und Demenzkranke möglich machten. Auch wurde die Arbeit der Kinderoper Köln 2019 in Berlin offiziell für ihr „außergewöhnliches, höchst bewundernswertes Engagement“ mit dem „Oper! Awards!“- Preis geehrt. Zu ihrer Zukunft sagte sie, dass sie jetzt zu ihrem Mann nach Wien ginge, der dort immer geblieben war, und dass sie sich nach wie vor nach 30 Jahren ihrer Arbeit in diesem Metier ihr offenes Herz bewahrt habe. „Oper muss sich öffnen und darf nicht im Elfenbeinturm sein. Oper geht zu Herzen und ist eine Möglichkeit des Dialogs und des Austauschs. Ich gehe heiter.“
Die außergewöhnliche Wertschätzung und höchst emotionale Bindung zu ihrem gesamten Team, ihren Mitarbeitern, den Künstlern und den Opernfreunden zeigte sich auch in der ausgesprochen durchdachten und liebevollen Auswahl der Geschenke, die ihr überreicht wurden.

Der Setzkasten der Requisite. Foto: Andrea Matzker
Während der gesamten Veranstaltung prangte rechts vor der Bühne ein großer Setzkasten, gespickt mit vielen kleinen Accessoires, die jeweils für eine Produktion in ihrer Amtszeit standen, und die in mühsamster Kleinstarbeit während vieler Wochen von der gesamten Requisite gebastelt und vorbereitet wurden. Die Bühnentechniker trugen eine Jacke dazu bei, die von allen Mitgliedern unterschrieben worden war.

Der Prachtband „Köln Gold“ wird überreicht. Foto: Andrea Matzker
Der Kulturdezernent überreichte eine Champagnerflasche, und die Freunde der Kölner Oper übergaben feierlich den Prachtband Köln Gold in rotem Samt des Wienand Verlages. Eine besondere Überraschung war auch der Film über die gesamte Interimszeit von und mit dem Chefdramaturgen Georg Kehren, der am Ende vorgeführt wurde. Sicherlich war die höchst menschliche und emotionale Bindung auch eine hervorragende Voraussetzung für die äußerst fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit von Dr. Birgit Meyer mit ihrem gesamten Team.

Dr. Birgit Meyer und Ludwig Sebus bei der Feier. Foto: Andrea Matzker
Bis spät am Abend unterhielt sie sich noch mit Ehrengast Ludwig Sebus, der ihr vor langer Zeit einen Herzenswunsch erfüllt hatte, denn die ursprüngliche Kölnerin hatte sich gewünscht, dass er bei der damaligen Beerdigung ihrer Großmutter als Wunschkandidat singen würde, was er gerne getan hatte. Trotz seinem vorangeschrittenen Alter kündigte der Kölsche Gentleman, der immer noch einen randvollen Terminkalender hat, eine Produktion in nächster Zeit an mit dem Namen Circus Colonia. Als sei es wiederum zu seinen Ehren gewesen, floss an diesem Abend „Ludwig’s Edition blanc“ von Brogsitter in Strömen.
Andrea Matzker, Dr. Egon Schlesinger

