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KÖLN/ Theater im Dom: „RENT A FRIEND“ von Folke Braband. Premiere

01.05.2026 | Theater

„Rent A Friend“ im Theater am Dom von Köln (30.4.2026) Premiere

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

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Torben Krämer, Caroline Beil,  Mihael von Au, Alice von Lindenau. Foto: Andrea Matzker

Noch bis zum 28. Juni 2026 zeigt das Theater am Dom die turbulente Komödie „Rent A Friend“ von Folke Braband, der auch die Regie führte. Eine angeblich sehr erfolgreiche, junge und attraktive Immobilienmaklerin trifft ihren ebenfalls angeblich äußerst erfolgreichen Vater. Da beide auf den jeweils anderen einen besonders guten Eindruck machen wollen, mieten Sie sich, lustigerweise bei genau der gleichen Agentur mit dem Namen „Rent A Friend“, einen, dem gehobenen Status entsprechenden, angeblichen Lebenspartner, der ihrem Wohlstand noch zusätzlich besonderen Ausdruck verleihen soll.

Sarah, dargestellt von Alice von Lindenau, hatte einen attraktiven Mann vom Typ George Clooney bestellt, der hier als Schönheitschirurg fungieren soll und Vater ihres zu erwartenden Kindes ist, so die Lügengeschichte. Stattdessen aber – der sogenannte George Clooney war bereits vergeben – schickte die Agentur einen ziemlich mittellos wirkenden, jungen Mann, Typ Student, der so gar nicht in das Bild eines erfolgreichen Schönheitschirurgen passen dürfte. Sara empfing ihn mit den Worten: „Sie sehen auch aus, als könnten sie Ihre Monatsmiete nicht bezahlen.“ Sie instruiert ihn und zieht ihm einen Anzug an. Der junge Mann, Gabriel, dargestellt von Torben Krämer, findet sich erstaunlich gut in seine Rolle und gibt einen köstlichen Schönheitschirurgen ab.

Ihr Vater hingegen, dargestellt von Michael von Au, hatte sich die rassige Juanita, eine ehemalige Schönheitskönigin, perfekt wie ulkig verkörpert von Caroline Beil, ausgesucht, die hauptsächlich Spanisch spricht. Juanita, in Wirklichkeit Regina Paeffgen und des kölschen Dialekts ausgesprochen mächtig, erkennt ihren Kollegen Gabriel aus der Agentur und nimmt ihn sich zur Brust. Beide möchten, dass Vater und Tochter sich einfach nur die Wahrheit sagen und erkennen, dass sie sich trotzdem schätzen und lieben. Es ist nicht unbedingt nötig, reich und erfolgreich zu sein, um beglückende, familiäre Bande zu pflegen.

Erst am Ende des Abends, als sich eigentlich schon alle getrennt haben, gestehen sich Vater und Tochter ihre Schwächen ein und fallen sich in die Arme. Alle vier Darsteller leisten hervorragende Darbietungen, und es lohnt sich unbedingt, das Stück anzuschauen. Es zeigt sehr schön den Unterschied zwischen Sein und Schein, ebenso wie den absoluten Selbstoptimierungswahn unserer Gesellschaft. Dabei geht es doch eigentlich und hauptsächlich lediglich um ein bisschen Sehnsucht nach Normalität.

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Schlussapplaus. Foto: Andrea Matzker

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Marianne Rogée gratuliert Alice von Lindenau (im Hintergrund die Augen von Thomas Fritsch. Foto: Andrea Matzker

Andrea Matzker/ Dr. Egon Schlesinger

 

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