Unter gutem Stern
Festakt zur Wiedereröffnung der Kölner Oper am 24. September 2026

Der Offenbachplatz vor der Eröffnung. Foto: Andrea Matzker

Intendant Hein Mulders und Oberbürgermeister Torsten Burmester. Foto: Andrea Matzker
Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger
Petrus hatte ein Einsehen! Auch die für öffentliche Veranstaltungen relevanten Planeten Saturn, Mars und Jupiter standen in positiver Konstellation, und der leuchtende Mond, zwei Tage vor dem Vollmond namens Erntemond, leuchtete über allem. Bei himmlischem Wetter öffnete die Kölner Oper zum ersten Mal nach dem großen Bürgerfest am Wochenende zuvor ihre Pforten und empfing geladene Gäste und erlauchtes Publikum aus Klerus, Politik, Wirtschaft und Kultur zur Galaveranstaltung aus Anlass der Wiedereröffnung des Kölner Hauses. Nach 14 schmerzhaften Jahren ohne funktionierendem Haus in der Innenstadt konnte man endlich wieder einmal den schönen Offenbachplatz und das gesamte Ensemble genießen. Ab 17:00 Uhr durften sich die feierlich gewandeten 1200 Gäste im Haus umschauen, bevor um 19:00 Uhr das Programm begann. Die mühsame, und langwierige Wiederherstellung des Originalzustandes des denkmalgeschützten Riphahn-Baus aus den fünfziger Jahren begeisterte das Publikum und ließ somit den Unmut, die hohen Kosten von insgesamt anderthalb Milliarden, die dauernde Nörgelei und die deutschlandweite Verhöhnung vergessen. Alles Negative geriet in Vergessenheit angesichts der zauberhaften Farben in originaler Beleuchtung aller Räumlichkeiten.

Zu Beginn des Festaktes erschien der gesamte Operchor in Kostümen. Foto: Andrea Matzker

Fotograf Boris Becker vor seinem monumentalen Foto der Oper aus dem Jahr 2013. Foto: Andrea Matzker
Als nach dem ersten Bürger der Stadt ein strahlender Intendant mit seinen Kollegen den roten Teppich betrat, war man auch geneigt zu vergessen, dass er noch am selben Tag von der Presse genötigt worden war, sich zur angeblich nicht funktionierenden Technik zu äußern. Diese Forderung, die ihn in all diesem Stress vor der Eröffnung auch wirklich an den Rand der Verzweiflung brachte, war nun wirklich überflüssig, zumal man weiß, dass eine komplexe und riesige Bühnentechnik, die nicht ununterbrochen bewegt wird, nicht sofort anrollen kann. Dieser Druck seitens der Presse zeugte lediglich von viel Unverständnis. Hätten die Journalisten einen der Bühnenarbeiter dazu befragt, hätte er dies mit einem Lächeln abgetan, so selbstverständlich sind diese Dinge. Schließlich lag es ja nicht allein an der Besetzung oder am Personal des Hauses, dass die Technik noch nicht regelmäßig genutzt werden konnte, seit sie vor ca. zehn Jahren eingebaut worden war. Nun wird sie halt im anlaufenden Betrieb benutzt und eingespielt werden, so einfach ist das.

Bettina Boettinger moderierte den Festakt. Foto: Andrea Matzker

Endlich wieder ein bewegtes Leben im Foyer. Foto: Andrea Matzker
Vielleicht hatte man andere kleine Einzelheiten aus der Vergangenheit längst vergessen? Vielleicht will man auch immer der Lust auf schlechte Nachrichten Futter geben? Vielleicht mangelt es auch einfach an der Mühe, einmal nachzuforschen, was es schon für andere Vorfälle gab? Vor allem auch, was für viele positive andere Ereignisse, die womöglich überhaupt nicht erwähnt und als ganz selbstverständlich hingenommen werden? Wenn zum Beispiel während einer Carmen von Jean-Pierre Ponnelle in der Gebirgsschlucht des dritten Aktes der Schuss fällt, jedoch der Hut von Escamillo sich nicht bewegt und ihm erst ein paar Zehntelsekunden später vom Kopf fliegt, so ist das eine Begebenheit, die den Zuschauer und Zuhörer eher zum Schmunzeln als zum Meckern bringen sollte. Oder haben die selbsternannten Experten vergessen, dass zum Beispiel die Generalprobe von Rigoletto von August Everding hervorragend lief, was sowieso normalerweise als schlechtes Omen gewertet wird, und dann – es war wohl während einer der wichtigsten Arien überhaupt, nämlich der großen Arie „Caro nome“ von Gilda – der schwere Turm, der über die gesamte Breite der Bühne gezogen werden musste, in der Premiere unentwegt jämmerlich quietschte? Na und?! Von den verschiedenen Fast-Unfällen während der Proben auf dem steil nach oben verlaufenden Bühnenboden unter der riesigen, beweglichen Spiegelfläche ganz zu schweigen. Immerhin ist, außer dem tragischen Unfall von Bariton Wolfgang Anheisser auf der Bühne während der Vorstellung des Bettelstudenten am 1. Januar 1974, nie etwas wirklich Gravierendes hinter oder auf der Bühne Kölns geschehen! Das muss auch einmal erwähnt werden bei solch einem riesigen Betrieb mit ungefähr 850 Mitarbeitern und schier unendlichen Gefahren! Das begreift doch selbst ein Laie des Fachs. Vielleicht liegt es ja auch einfach nur an mangelndem Sachverständnis und nicht vorhandener wirklich echter Liebe zur Materie derjenigen, die sich immer nur über irgendetwas beklagen möchten und gerne die Mücke zum Elefanten machen, um sich womöglich selbst und ihr Pseudowissen ins rechte Licht zu rücken.

Uwe Eric Laufenberg und Andreas Homoki. Foto: Andrea Matzker
Der Festakt gestaltete sich als sehr interessant und vielseitig. In seiner lang erwarteten Ansprache entschuldigte sich Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester über die unzumutbaren Zustände der langwierigen Sanierung. Diese Entschuldigung war bereits im Vorfeld der Eröffnung besonders seitens der Pressemitglieder erwartet worden. Bettina Böttinger führte durch das Programm und wähnte sich kurzfristig in Bonn, da sie so lange nicht mehr im Kölner Haus aufgetreten war. Das Publikum lachte herzlich. Neben den Intendanten des Opernhauses und des Schauspielhauses sprachen Ina Brandes, die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie Projektleiter, Architekt und künstlerischer Bauleiter des Opernhauses. Die Festrede hielt Dr. Carsten Brosda, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, der 25 Minuten im Zeitraffer sprach, was teilweise technisch nicht zu verstehen war. Marcel Reich-Ranicki war ja – Gott habe ihn selig – nicht anwesend. Seine Rede bekam trotzdem großen Applaus. Dafür war die Akustik beim musikalischen Programm absolut hervorragend. Highlight des gesamten Festaktes war die für Diana Damrau eingesprungene Sopranistin Alina Wunderlin, die mit viel Geschmack, Charme, Humor und vollendeten Koloraturen mit der Arie der Olympia glänzte und damit wohlverdienten Beifall erntete.

Alina Wunderlin mit einer zauberhaften Tasche in Form eines Klaviers, einem Geschenk ihres Vaters. Foto: Andrea Matzker
Eine kleine Geste der Versöhnung, ein direkter Anschluss an die Schließung des Opernhauses und vor allem ein thematischer Knüller als Bühnenbild oder zumindest Hintergrund der Aktionen auf der Bühne zum Festakt wäre die Festwiese aus den Meistersingern der letzten Vorstellung vom 7. Juni 2012 gewesen, die das Opernhaus mit dem anschließenden 4711 Haus so trefflich darstellte. „Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister:::“ Dies hätte ja auch zu Anlass, Architektur und Thema gepasst, denn: Kunst ist für alle da. Vielleicht ist man ja bei all den Vorbereitungen zu Bürgerfest und Festakt nicht auf diese Idee gekommen, die einerseits so schön und andererseits so simpel, da naheliegend, gewesen wäre. Außerdem hätten sich Uwe Eric Laufenberg und Andreas Homoki, die beide anwesend waren, sehr darüber gefreut. Alle Gäste waren sichtlich bewegt von der neuen-alten Schönheit des Hauses. Ebenfalls völlig begeistert von den Ergebnissen der Sanierungsarbeiten war der langjährige ehemalige Chef des Kolumba Museums, Dr. Stefan Kraus, dem maßgeblich mit zu verdanken ist, dass der Riphahn-Bau saniert und nicht abgerissen wurde.

Schlussapplaus für alle Beteiligten. Foto: Andrea Matzker

Sappho von Emile Antoine Bourdelle aus 1887, erstellt 1925, am Abend nach dem Festakt. Foto: Andrea Matzker
Einen kleinen Wermutstropfen gab es am Ende doch. Wenn man nach einem wunderschönen Opernabend gegen Mitternacht über den Offenbachplatz flaniert, fehlt einem die schöne, beleuchtete Ansicht, die Fontäne und das beruhigende Plätschern des Opernbrunnens. Könnten Stadtverwaltung, Gebäudewirtschaft oder Grünflächenamt nicht einmal ein Auge zudrücken, und ihn etwas länger laufen lassen, gerade am Tag der Eröffnung? So lange mussten wir darauf verzichten und haben auch gerne zu seinem Wohlergehen gesammelt und gespendet. Was muss geschehen, damit er zumindest an den Abenden von Aufführungen länger sprudelt? Petrus würde sich freuen.
Andrea Matzker/ Dr. Egon Schlesinger

Nach dem Festakt wurde im Schauspielhaus weitergefeiert. Foto: Andrea Matzker

Nach dem Festakt im Mondschein. Foto: Andrea Matzker

Petrus im Opernbrunnen soll die Züge seines Gründers Hans Jürgen Grümmer tragen. Foto: Andrea Matzker

