Buchvorstellung in Köln am 21. April 2024 – Köln hilft Paris
Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Die beiden Autoren- in Paris. Dia-Repro von- Andrea-Matzker

Die beiden Autoren und ihr Buch: -Foto: Andrea Matzker
Genau fünf Jahre nach dem fürchterlichen Brandgeschehen in der Pariser Kathedrale Notre-Dame präsentierte der Kölner Greven Verlag in der Karl Rahner Akademie mit Joachim Frank, bekannt durch „frank und frei“, seine jüngste Neuerscheinung mit dem Titel: „Zurück im Herzen Europas“.
Die beiden Autoren, die erste und einzige weibliche Kölner Dombaumeisterin a. D. Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Generalleutnant der Ehrengarde Köln, sowie Ex-NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, inzwischen und seit 2023 Kommandeur der französischen Ehrenlegion und der deutsch-französische Kulturbeauftragte, beschrieben ihrer beider bedeutende Funktion im Rahmen der Nachbarschaftshilfe, denn als am 15. April 2019 die Pariser Kathedrale Notre-Dame brannte, war das nicht nur für Frankreich eine Tragödie und Katastrophe. Auch in Deutschland waren das Entsetzen und die Trauer groß.
Der damalige NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner boten umgehend praktische und tatkräftige Hilfe an. Prompt legte Frankreich vertrauensvoll einen Teil des Wiederaufbaus in deutsche Hände, denn zum Erstaunen vieler hat die Pariser Kathedrale keine Dombauhütte. Vielfach bereits hatte Schock-Werner diesen Zustand kritisiert, denn: „Was nutzt es, einmal alle Jahre Millionen einzusetzen, anstatt auf die kontinuierliche Pflege durch eine Dombauhütte zurückgreifen zu können!“

Notre Dame. Eines der Fenster. Dia-Repro von Andrea Matzker
Vier große, beschädigte Fenster der Kathedrale wurden in der Kölner Dombauhütte restauriert und sind inzwischen bereits zurückgekehrt an ihren ursprünglichen Ort, wo sie auch vom Kölner Team eingebaut wurden. Die enge Zusammenarbeit der Fachleute diesseits und jenseits des Rheins war nicht zuletzt ein Beweis für die tiefe Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich: Hand in Hand – main dans la main.
Frisch eingesetzt in ihrem neuen Amt als Koordinatorin für die deutschen Hilfeleistungen musste die ehemalige Dombaumeisterin denn zunächst einmal 250 Briefe studieren und sondieren. Darunter waren diverse Arbeitsangebote, viele bewarben sich um ein Praktikum, ein Bildhauer wollte die verbrannten Balken für seine Kunstwerke benutzen, und die deutsche Waldwirtschaft bot 1000 deutsche Eichen zur Reparatur des Dachstuhls an. Auf das letzte Angebot hin musste Professor Schock-Werner leider antworten, dass die Franzosen ihre eigenen Eichen mehr schätzten als die deutschen. Auch auf die anderen Angebote musste sie aufgrund von dringlicheren Fragestellungen verzichten, beantwortete jedoch alle Briefe ausführlich.
Da die deutschen Denkmalpfleger einen international guten Ruf bei der Wiederherstellung von Glasobjekten haben, kam es zu der Bitte, die vielen Spendengelder nützlich anzuwenden und eventuell einige zerstörte Fenster zu restaurieren. Die Frage von 3-5 großen Fenstern stand im Raum. So entschied man letztendlich, dass vier Fenster von der Kölner Dombauhütte restauriert werden sollten, die, feinsäuberlich verpackt, in 40 großen, hölzernen Reisekisten nach Köln gebracht wurden. In weniger als einem Jahr war diese mühevolle Arbeit erledigt, und man konnte die Fenster zurückbringen und an Ort und Stelle einbauen.
Diese Tatsache bringt den ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet dazu, heute voller Stolz sagen zu können: „Es befindet sich ein Stück von Köln in Notre-Dame von Paris.“ Danach befragt, wer denn zu dem schönen Titel des Buches gekommen sei, und welcher Begebenheit man dies denn zu verdanken habe, antwortete er lachend: Man hätte als Titel auch schreiben können „Die erfolgreichen Restaurierungsarbeiten von vier Fenstern der Notre-Dame Kathedrale in Paris“, aber im Angesicht der Tatsache, dass erwähnt werden musste, dass es sich um ein deutsch-französisches und damit europäisches Projekt handelte und um den Brand der Kathedrale Notre-Dame von Paris, erinnerte ich mich an die erste Eingebung, die ich hatte, als ich am 15. April 2019 von der schrecklichen Nachricht erfuhr: „Zurück im Herzen Europas.“

Eines der vier Fenster. Dia-Repro von Andrea Matzker

Notre Dame nach dem Brand von oben. Dia-Repro von Andrea Matzker
Es gibt tatsächlich noch Wunder! Unglaublicherweise wurden Fassade, Orgel und Glocken durch den Brand des Dachstuhls und den Einsturz des Gewölbes sowie die Madonna im Kirchenraum selbst durch den Einsturz des Vierungsturmes nicht beschädigt. Auf die Frage hin, ob ein solch verheerender Brand auch im Kölner Dachstuhl entstehen könne, antwortete Professor Schock-Werner, dass dies nicht möglich sei, da die Konstruktion aus Eisen bestehe.
Ganz im Gegensatz zu Köln, wo geplante Wiedereröffnungstermine bekanntermaßen selten eingehalten werden, wird voraussichtlich, ganz entsprechend zum ursprünglichen Versprechen des französischen Staatspräsidenten, alle Restaurierungsarbeiten innerhalb von fünf Jahren bewältigen zu können, die feierliche Wiedereröffnung am 8. Dezember 2024 stattfinden, wozu selbstverständlich die Teilnehmenden dieser Diskussionsrunde eingeladen sind.
Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

