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KOBERSDORF / Schloss-Spiele: OTELLO DARF NICHT PLATZEN – Tenor müsste man sein. Premiere

09.07.2016 | Theater

Schloss-Spiele Kobersdorf 2016: „Otello darf nicht platzen“

TENOR MÜSSTE MAN SEIN

Ja, ein Tenor müsste man sein, ein berühmter noch dazu, um leichtes Spiel mit den Damen zu haben. So hatte es früher geheißen. US-Autor Ken Ludwig kennt sich in der Szene bestens aus und schanzte in seinem Erfolgsstück „Lend me a Tenor“ („Otello darf nicht platzen“, UA: London, 1986) einem tiefschwarzen Otello-Doppelgängerpaar gleich drei liebesbegierige Damen zu. Und diese turbulente Verwechslungskomödie rund um eine (nicht geplatzte) Aufführung von Verdis „Otello“ hat sich Intendant Wolfgang Böck für die heurige Saison der Schloss-Spiele im burgenländischen Kobersdorfer ausgesucht.

Wohl auch, um sich selbst toll in Szene zu setzen. Als der echte, der große Tenor, als ‚Lo Stupendo‘, Tito Merelli. Der falsche Otello allerdings, Gerhard Kasal als Max, die allzu schüchterne rechte Hand des Direktors der Clevelander Oper (Erich Schleyer), welche sich anstelle des Sängerstars auf die Bühne stellen  muss, steht als Double dem Chef um nichts nach.

Diese blendend gestrickte und mit zahlreichen Gags und feinem Wortwitz aufwartende Burleske ist zwar ein Kammerspiel, passt weniger auf eine größere Open-Air-Bühne, hat sich aber in der Inszenierung von Michael Gampe im Hof des stattlichen Kobersdorfer Schlosses tipptopp zu präsentieren vermocht. Aha, zur erotischen Unterhaltung fehlen noch die hingebungsfähigen und Liebesspiele suchenden Damen …. hm, vielleicht? Marie-Therese Futterknecht bissig als Tito Merellis Gattin, eine richtige italienische Furie; Sarah Jung durchaus appetitlich als zielstrebige Opernsängerin; und Anna Kramer als eher unbeholfene Freundin des eher unbeholfenen falschen Otello.

Meinhard Rüdenauer

 

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