14.07.2026 Oper Klosterneuburg „Samson und Dalila“

Foto: Oper Klosterneuburg/Mark Glassner
Intendant Peter Edelmann versucht mit seinen Opernproduktionen in Klosterneuburg dem Zeit-Ungeist „Neuinterpretationen“ erfolgreich Widerstand zu leisten. Camille Saint-Saens berühmteste Oper wird nicht ins 21. Jahrhundert transferiert, keine Handys bereichern das Geschehen, keine Video-Einspielungen lenken vom Geschehen ab, das blutige Drama darf unverändert seinen Lauf nehmen. Regisseur Mario Pavle del Monaco schildert auf der kleinen Bühne (Hans Kudlich) die grausame Realität der Vergangenheit. Wie spontan man auf Wetterereignisse reagieren kann, wurde an diesem Abend bewiesen. Nach 30 Minuten Nieselregen musste das Spektakel aus Sicherheitsgründen (vor allem für das Ballett) in die Babenbergerhalle verlegt werden. Reibungslos und zügig nahm das Drama seinen weiteren Verlauf. Das Orchester, im Freien unter einem Vordach platziert, kam in der Halle wesentlich besser zur Geltung. Der sehr kompetente Leiter Thomas Rösner hatte die Musiker bestens im Griff. Das Ballett Dance Factory Klosterneuburg konnte auch auf engstem Raum seine hohen Qualitäten beweisen. Auch der Chor der operklosterneuburg war in sehr guter Form. In der Titelrolle glänzte vor allem Margarita Gritskova als Dalila. Ihr kräftiger Mezzo hatte genau die Stimmfarbe und das Temperament, das diese Rolle verlangt. Sichere Höhe und gute Mittellage waren ihre Stärken. Kristian Benedikt konnte als Samson mit mächtigem Volumen aufwarten, seine Spitzentöne gelangen allerdings nicht immer makellos. Auch Serban Vasile legte sich als Oberpriester mächtig ins Zeug, mit rauem Timbre war er genau der richtige Interpret für den Bösewicht im wilden Kampfgeschehen.
Ein ausgezeichneter Opernabend wurde vom Publikum entsprechend heftig gewürdigt.
Johannes Marksteiner

