Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

KLOSTERNERUBURG/ „operklosterneuburg“ im Stift: SAMSON UND DALILA FÜR KIDS“. Große Oper in anderem Licht

21.07.2026 | Oper in Österreich

Oper Klosterneuburg „SAMSON UND DALILA FÜR KIDS“. Große Oper in anderem Licht – 19.7.206

glass
Große Besetzung für kleine Opernbesucher: ganz in der Mitte Dalila – Margarita Gritzkova und Samson – Kristian Benedikt. © Mark Glassner

Im Rahmen der Opernfestspiele Klosterneuburg werden Kinder ernstgenommen, indem man ihnen einen eigenen Zugang zur Oper der Erwachsenen schafft. Die haben als Begleitpersonen einen interessanten Vergleich und können dabei selbst wieder ein bisschen zum Kind werden … Mit der familienfreundlichen Fassung der großartigen Aufführung von Camille Saint-Saëns‘ Oper Samson und Dalila im Kaiserhof des Stiftes Klosterneuburg wird auch das jüngste Opernpublikum  – offiziell ab 5 Jahre – angesprochen und von Intendant Peter Edelmann u.a. auch mit den Worten „herzlich willkommen – alles ist erlaubt“ auf das herzlichste begrüßt. (Dazu gehörte u.a. auch während der Vorstellung aufs Klo gehen, wenn’s sein muss …)

Einschlafen auf Mamas Schoß war auch für die Allerkleinsten schlechterdings unmöglich. Denn die spektakuläre Inszenierung dieser vielschichtigen Oper von Mario Pavle del Monaco in der speziellen Fassung von Künstler und Tausendsasa Georg Wieck hat das Publikum mit Singen und Tanzen – etwa Bauchtanzen im großen Bacchanale – ganz schön miteingespannt. Als Friseur Michel im Goldglanz-Sakko mit erstklassigem französischen Accent und großer Beweglichkeit regelte Georg Wieck die haarigen Angelegenheiten auf beiden Seiten mit pointierten Kommentaren und einer gehörigen Portion Humor. Und dabei spielten alle mit, auch die Erwachsenen.

Gleich zu Beginn wurde Tenor Kristian Benedikt als Samson wie ein Weltklasse-Fußballer mit lautstarkem Beifall und Samson-Rufen begrüßt, was ihn sichtlich erfreute; er wirkte irgendwie entspannter und viel besser frisiert als in der Erwachsenen-Aufführung. Und am Ende hatte er auch nicht diese blutige Augenbinde um, sondern starke nostalgische Augengläser mit, wie Michel trocken kommentierte, mindestens minus 25 Dioptrien! Es war also insgesamt bei Tageslicht besehen alles nicht gar so schlimm.

Das charakteristische, aber nicht determinierende Bühnenbild von Hans Kudlich mit den wuchtigen Steinblöcken auf der Schräge vor der imposanten überkuppelten Fassade des (zur Zeit eingerüsteten) Barocktrakts der Kaiserappartements, das von allen Teilnehmern ein Höchstmaß an Balance abverlangte, verfehlte seine Wirkung auch auf die Kleinsten nicht. Und mit den prachtvollen phantasiereichen Kostümen Anna-Sophie Lienbachers, die die Szene quasi mitgestalteten, gab es immer eine Menge zu sehen. Beispielsweise die wunderschönen Balletteinlagen in der Choreographie von Desi Bonato mit den SchülerInnen der Masterclass der Dancefactory Klosterneuburg; etwa im großen Bacchanale oder im leicht dahinschwebenden Frühlingstanz, wo die weiten tiefblauen Ärmel der Tänzerinnen wie Schmetterlingsflügel wirkten. Der Kontrast zwischen der schillernden Farbigkeit der Kostüme der sinnenfrohen Philister und der einheitlich sandfarbenen Kleidung der gottesfürchtigen Hebräer veranschaulichte den Glaubensgegensatz beider Bevölkerungsgruppen.

Unter dem präzisen, situationsgerechten und anpassungsfähigen Dirigat von Raimondo Mazzon brachte das flexible Orchester der operklosterneuburg ENS die vielfältigen Klangbilder der Komposition, welche die szenische Stimmung wie eine Filmmusik untermalte, auch in dieser gestrafften Fassung voll zur Geltung. Als Chor der Hebräer waren die Mitglieder des Chors Klosterneuburg in Verbindung mit der Chorakademie in der Einstudierung von Brigitte Wurzer auch hier Teil der Handlung.

Margarita Gritskova war nicht nur eine bildschöne, verführerische Dalila, sondern sie sang auch so wunderbar, dass alle Kinder wie verzaubert mucksmäuschenstill lauschten. Kein Wunder, dass der ansonsten so gottgläubige Samson kein Auge von ihr abwenden konnte, obwohl sie eigentlich den feindlichen Philistern zugehörte. Kaum zu glauben, dass ihre Liebe nur gespielt war und dass sie Samson mit der großen orangefarbenen Schere von Friseur Michel die langen Haae einfach abschnitt und ihn so seiner überirdischen Stärke beraubte. Das war eigentlich ziemlich gemein, aber man konnte ihr trotzdem nicht wirklich böse sein.  

Bariton Ivo Kovrigar als der peitschenknallende Statthalter Abimelech mit dem schön tätowierten Oberkörper, der sich mit Samson angelegt hatte, durfte leider nicht lange mitspielen, denn er wurde im Streit von Samson unter einem riesigen Steinquader begraben, aber so, dass die Kinder sehen konnten, dass er nicht wirklich tot war. Der ehrfurchtgebietende, aber intrigante Oberpriester des Dagon in der Darstellung von Serban Vasile gefiel ebenso wie der eindrucksvolle bärtige alte Hebräer, Felix Pacher, der mit seinem tiefen Bass Samson eindringlich vor seiner Verblendung durch seine verbotene Liebe warnte. Und weil die Vorstellung für Kinder war, durften auch beide Knaben, Theodor und Nathan zugleich (und nicht nur alternierend) auf der Bühne präsent sein.

Ganz zu schweigen von der bunten Besetzung aller Mitwirkenden, die auch für die Kinderfassung der Oper die volle musikalische und darstellerische Qualität durch ihr perfektes Zusammenspiel ermöglichten.

Bei allen Göttern hat sich auch der Wettergott nach ersten Regentropfen an die Klosterneuburger Spielregeln gehalten und graue Wolken wieder zerstreut. Bravo auch ihm. Denn über ein so begeistertes und „richtig“ reagierendes junges Publikums kann man sich nur freuen!             

Ursula Szynkariuk    

 

Diese Seite drucken