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Klavierkonzert op. 25 von Brahms mit dem Silver-Garburg Piano Duo und den Wiener Symphonikern bei Berlin Classics erschienen/

29.09.2020 | cd

Klavierkonzert op. 25 von Brahms mit dem Silver-Garburg Piano Duo und den Wiener Symphonikern bei Berlin Classics erschienen/

Interessante Rarität

Rondo alla Zingarese: Presto" – Das Klavierduo Silver Garburg meldet sich  mit einem spannenden Projekt zurück - Berlin Classics : Berlin Classics

Ein Konzert für Klavier zu vier Händen mit Orchester ist schon etwas Besonderes. Der österreichische Komponist und Arrangeur Richard Dünser hat das Klavierquartett op. 25 von Johannes Brahms als Klavierkonzert neu arrangiert und seinen langjährigen Freunden Sivan Silver und Gil Garburg gewidmet. Zwar gibt es von dem Klavierquartett op. 25 bereits eine Version von Johannes Brahms selbst, aber nicht als Konzert für Klavier zu vier Händen. Das Ganze habe überhaupt nichts mit einer wissenschaftlichen oder philologischen Arbeit zu tun, so Richard Dünser. Er sei letztlich an das Original herangegangen, als ob es von ihm selbst wäre und hätte den Mut gehabt, Dinge zu tun, die sich ein reiner Arrangeur niemals erlauben würde. Für Sivan Silver und Gil Garburg war es ebenfalls etwas Aufregendes, diese neue Bearbeitung einspielen zu dürfen. Sie hätten großen Respekt vor dem Komponisten und dem muskalischen Text. Daraus ergebe sich eine große Verantwortung. Der Zuhörer soll laut dem israelischen Duo Silver-Garburg berührt und auf der musikalischen Reise begleitet werden. Das Versprechen eines neu gehörten Werkes und die Neugierde, die es hervorrufe, errege und involviere die Interpreten ebenso wie das Publikum. Dadurch bleibe das Musikerlebnis lebendig und stets relevant. Diese Intention merkt man der interessanten Aufnahme mit den Wiener Symphonikern unter der einfühlsamen Leitung von Florian Krumpöck an. Der beginnende Sonatensatz entfaltet sich bei dieser konzentrierten Wiedergabe sehr konsequent aus dem ersten Thema. Das Silver-Garburg Klavierduo hat hier die Struktur des Werkes voll im Blick. Aus dem Sextsprung des Anfangs werden pathetische Sexten und Oktaven, wobei Dünsers Bearbeitung neue Klangnuancen aufdeckt, die allerdings nicht immer die gleiche überzeugende Intensität besitzen. Trotzdem kommt der Geist von Johannes Brahms immer wieder sehr deutlich und erfrischend zum Ausdruck. Und das Zusammenspiel zwischen den Klavieren und Streichern besticht aufgrund der spieltechnischen Präzision. Die für den Komponisten so typische Melancholie macht einer großen Vitalität Platz. So entwickeln sich aus den Sekunden auch reizvolle chromatische Gänge. Der dramatische harmonische Kampf in diesem Satz tritt klar und deutlich hervor. Beim zweiten Intermezzo-Satz betont das Duo den facettenreichen Scherzo-Charakter. Das Trio steigert dann konsequent die Unruhe und führt zu einer machtvoll erweiterten Coda. Insgesamt wird die Klangbalance bei dieser Interpretation gut ausgeleuchtet. Auch Anklänge an die beiden Klavierkonzerte lassen sich heraushören. Leidenschaftlich kommt das Andante mit seiner geheimnisvollen chromatischen Tönung daher. Und das machtvoll musizierte g-Moll-Finale gipfelt in einer hymnischen Stretta. Hier zeigt sich der feurige Zauber der „Ungarischen Tänze“ in manchen Anklängen von der besten Seite. Dass sich auch die Klavierfassung der ursprünglich für Orchester geschriebenen Haydn-Variationen in B-Dur op. 56b von Johannes Brahms durchaus behaupten kann, macht das bestens aufeinander abgestimmte Silver-Garburg Piano Duo anschließend bei seiner nuancenreichen Wiedergabe dieses Werkes deutlich. Die Fülle der kontrapunktischen und satztechnischen Feinheiten kommt jedenfalls nicht zu kurz, sondern leuchtet hell auf. Das wirkt insgesamt elektrisierend. Der Reichtum an Einfällen und die Vielseitigkeit der Fantasie triumphieren in bewegender Weise. Die Barockform der Passacaglia blitzt im Finale triumphierend auf. Insgesamt beeindruckt die Leichtigkeit dieses Klavierspiels. 

Alexander Walther

 

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