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KLAGENFURT/ Stadttheater: L’ELISIR D’AMORE

01.04.2026 | Oper in Österreich

31.03.2026: L’ELISIR D’AMORE (Stadttheater Klagenfurt)

Mit einem augenzwinkernden Bezug zurück zum Beginn der Saison, als man am Stadttheater Klagenfurt mit Wagners „Tristan“ einen respektablen Erfolg eingefahren hat, schließt diese nun zumindest in der Sparte Musiktheater mit der leichtfüßigen Version des Liebestrank-Motivs von Donizetti, in der ja bekanntlich Anspielungen auf die traurige Geschichte von „tristano e la regina isotta“ eingeflochten sind.

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Weibliche Hotelgäste des „Villaggio“, die den via Liebestrank unwiderstehlichen Pagen (Gould, Mitte) bedrängen © Stadttheater Klagenfurt – Helge Bauer

Was es dabei erwartet, erfährt das Publikum schon vom ersten Takt der Ouvertüre an, wenn es von Regisseur Nilufar K. Münzing in das turbulente Treiben eines Wellness-Hotels „Il villaggio“ entführt wird, wohin man, natürlich ein wenig dem Zeitgeschmack huldigend, die Original-Handlung verlegt hat. Wobei, das sei hier ausdrücklich angemerkt, im Unterschied zu zahllosen anderen Projekten, wo diese örtlichen und zeitlichen Translationen schlimm schiefgegangen sind, im konkreten Fall ein schlüssiges, flottes und unterhaltsames Ergebnis herausgekommen ist. Was einerseits daran liegen mag, dass Donizettis Vorlage etwas erzählt (eine Liebesgeschichte angesichts von Standesunterschieden), was es zu allen Zeiten und an allen Orten gegeben hat und gibt. Aber auch, so zumindest der Eindruck des Rezensenten, weil man insbesondere bei den höchst originellen und farbenfrohen Kostümen (Dietlind Konold) und der einfallsreichen Personenführung des fast omnipräsenten Chors in die Vollen gegriffen hat. „Liebevoll“ nennt man so eine Art zu arbeiten vermutlich, wenn, um nur ein Beispiel zu nennen, während der gesamte Chor aufmerksam Gianettas Bericht von Nemorinos Erbschaft lauscht, zusätzlich ein einzelner Statist/Chorist aufgeboten wird, der vor der solcherart verwaisten Rezeption auf und ab geht und verzweifelt nach jemandem Ausschau hält, der ihn bedienen würde. Auch die Idee, die Begleitung der Rezitative einer Pianistin anzuvertrauen, die auf der Bühne an der Hotelbar sitzt und in ihre Phrasen immer wieder (passende) Fetzen zeitgenössischer Barmusik (und an einer Stelle sogar den berühmten Tristan-Akkord) einflicht, kann originell überzeugen. Da ist dann Dulcamara in diesem Wellness-Universum einer jener Gesundheitsgurus, die es in diesem Ambiente ja tatsächlich gibt, der den erholungssuchenden Gästen seine Salben und Säftchen um teures Geld aufschwatzt. Ja, und das Liebespaar, um das sich die Geschichte eigentlich dreht: das sind die Hoteldirektorin Adina und der hoffnungslos in sie verliebte Page … auch dies nicht ganz unwahrscheinlich. Wenn man sich auch, zumindest bis Dulcamara ins Geschehen eingreift, zunächst fragt, ob man in einer italienischen Fassung des „Weißen Rössl“ gelandet ist. Eine gewollte Anspielung oder eine unbeabsichtigte Preisgabe der den Grundgedanken der Inszenierung inspirierenden Vorlage? Es gibt jedenfalls viel zu schauen, viel zu schmunzeln, und tatsächlich sehr wenig, worüber man der Plausibilität halber hinwegsehen muss: so wird die Geschichte von „tristano e isotta“, die Adina bei ihrem ersten Auftritt zitiert, kaum in einer Modeillustrierten abgedruckt sein, aus der sie hier aber vorgelesen wird. Und auch die Positionierung des Chors als „Hotelgäste“ macht diese zu Zeugen und Mitwirkenden von privaten Geschehnissen der Hauptfiguren, wie man es sich in der Wirklichkeit weniger denken wird. Aber wer weiß, in Italien …?

Musikalisch war man nicht ganz auf der Höhe des szenischen Niveaus, es zeigte sich wieder einmal, wie schwer es doch ist, das Leichte so zu machen, dass die Brillanz in Technik und Ausdruck zur wortwörtlichen Verkörperung dessen wird, was „belcanto“ bedeutet. So verfügte die Adina der italienischen Sopranistin Alice Rossi wohl über die nötige Höhe, um in den entscheidenden Momenten ihre Akzente zu setzen, hatte insgesamt aber Mühe, in der geforderten Geläufigkeit einen runden Klang beizubehalten, sodass eine Tendenz zur Schärfe nicht zu überhören war. Aaron-Casey Gould aus dem Ensemble der Volksoper gab an ihrer Seite einen liebenswert-tolpatschigen Nemorino, stimmlich ließ er immer wieder (etwa im Finale des ersten Aktes) durchklingen, dass da ein angenehmer, weicher lyrischer Tenor steckt, der aber technisch irgendwie nicht ganz fertig zu sein scheint: passagenweise war die Stimmführung unruhig, und in der Kadenz der „furtima lacrima“ stand überhaupt kurz ein Schmiss im Raum. Umso überzeugender agierten die beiden ukrainischen Sänger Oleh Lebedyev als herrlich selbstgefälliger Gockel Belcore mit kraftvollem, gut fokusiertem Bariton und die quirlige Maria Tkach als glockenhelle Gianetta, die man sich fürs nächste Mal vielleicht dann in der Rolle der Adina vorstellen möchte.

Mit der Partie des Quacksalbers und „medicus ex machina“ Dulcamara versuchte sich Markus Marquardt, den man zuletzt in Klagenfurt als wuchtigen Wotan und schaurigen Alberich mit abgehackter Hand erlebt hat, einmal im heiteren, italienischen Fach. Man wird ihm die dazu erforderliche Beweglichkeit bescheinigen, wenn er auch seinen schweren Bassbariton streckenweise bewusst „auf Leicht“ trimmen musste und man dem Italienisch des im deutschen Fach beheimateten deutschen Sängers die Herkunft deutlich anmerkte: beides ging ein wenig auf Kosten der Klangfarbe. Die Gelegenheit, sich einmal von der humorvollen Seite zu zeigen, genoss Marquart sichtlich.

Die musikalische Leitung über das Kärntner Symphonieorchester und den wie erwähnt äußerst spielfreudigen und in den Kostümen zur Selbstironie bereiten Chor oblag dem Hausherrn Chin-Chao Lin, der die metallischen Klangelemente der Partitur hervorhob und insgesamt auf Schwung und Energie setzte, was den Sängern nicht immer entgegenkam.

Insgesamt ein vergnüglicher Abend, vor allem – das ist ja, egal wo man hinschaut, so unglaublich selten geworden – ein Abend, den man sich mit Kindern anschauen kann. Sie werden ohne große Erklärungen ihre Freude haben. Vorstellungen noch bis Mitte Mai.

Valentino Hribernig-Körber

 

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